06.02.2018

Ärger mit dem Caddie

golftime
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Wie ist das mit dem Caddie? Wo darf er unterstützen? Darf er mehreren Spielern dienen? Darf ein Spieler mehrere Caddies haben? Darf der Club per Ausschreibung den Einsatz eines Caddies verbieten? Fragen über Fragen. Regel-Experte Joachim Woehe klärt auf.


1. Spielsituation

In einer Spielgruppe laufen mehrere Personen mit einem Spieler mit. Einer zieht die Karre mit Golftasche, ein anderer redet ständig auf den Spieler ein, ein weiterer korrigiert hin und wieder seinen Schwung. Am nächsten Loch zieht eine andere Person die Tasche und ein anderer Mitläufer reicht dem Spieler einen Schläger, ein weiterer reicht den Regenschirm. Später helfen alle bei der Suche des Balls im Rough. Sie beteiligen sich aber nicht bei der Ballsuche eines Mitspielers am nächsten Loch. Wie ist das zu bewerten?
Antwort: Gemäß Erklärung ist ein Caddie jemand, der den Spieler in Übereinstimmung mit den Regeln unterstützt. Dies kann das Tragen des Bags oder den Umgang mit den Schlägern des Spielers während des Spiels einschließen. Ein Caddie darf sogar zwei Spielern dienen. Gemäß “Regel 6-4 Caddie” darf sich der Spieler von einem Caddie unterstützen lassen, jedoch stets nur einen Caddie zu gleicher Zeit haben. Daraus geht hervor, dass man seinen Caddie durchaus – auch öfter als einmal – wechseln kann. Dass ein Caddie dem Spieler im Spiel Belehrung (Rat oder Anregung zum Spiel, Schlägerwahl oder Art der Ausführung eines Schlags) gemäß Regel 8-1 erteilen darf, ist wohl hinlänglich bekannt.
Welche andere Art der Unterstützung er dem Spieler geben darf, spricht Decision 6-4/10 umfassend an; wie z. B. 
  • Suche nach dem Ball des Spielers (R. 12-1) 
  • Ausbessern von Pitchmarks (R. 16-1a) 
  • Fortbewegen loser hinderlicher Naturstoffe (R. 16-1a, R. 23-1)
  • die Lage eines Balls kennzeichnen (R. 20-1)
Ein Spieler darf sogar zusätzlich zum Caddie weitere Personen einsetzen, die z. B. seinen Schirm oder andere Sachen wie Verpflegung für ihn tragen oder ihm den Schirm zum Schutz vor Sonne oder Regen (außer beim Schlag) über seinen Kopf halten. Diese Personen sind als “Nicht zum Spiel Gehöriges” anzusehen (Decision 6-4/5 und 6-4/5.3). Deshalb sollte allen Beteiligten stets bekannt sein, wer Caddie ist. Zwei Caddies würde man haben, wenn der Caddie z. B. nur den Putter trägt und eine 2. Person die anderen Schläger (Decision 6-4/4).
Einen Verstoß gegen das Fairplay und den Sportsgeist begehen die Mitläufer, weil sie nicht mithelfen, den Ball des Mitspielers zu suchen. Der Spieler und sein Caddie sind generell dafür verantwortlich, dass ihnen die Regeln bekannt sind. Für jeden Regelverstoß des Caddies während der festgesetzten Runde zieht sich der Spieler die jeweils anwendbare Strafe zu (Regel 6-1). Deshalb wäre es m. E. auch für Spielleitungen möglich, einen Spieler zu disqualifizieren, wenn der Caddie schwerwiegende Verstöße gegen die Etikette begeht.
2. Spielsituation 
Ein Club hat in der Ausschreibung für ein offenes Jugend-Wettspiel den Einsatz von Eltern als Caddies ihrer Kinder untersagt. Der Vater eines 14-jährigen Jungen besteht darauf, ihn als Caddie begleiten zu wollen, da er die Ausschreibung für nicht zulässig hält. Wie ist dies zu bewerten?
Antwort: Die Ausschreibung ist nicht zu beanstanden. Auf Grund oftmals gemachter, schlechter Erfahrungen gibt es solche Ausschreibungen immer mehr. Eine Spielleitung darf gemäß Regel 6-4 Anmerkung in den Wettspielbedingungen (R. 33-1) den Einsatz von Caddies untersagen oder einen Spieler in der Wahl seines Caddies (z. B. Elternteile, Berufsgolfer) beschränken. Formulierungshilfen sind im Anhang 1, Teil C der Golfregeln zu finden.
Joachim Woehe, Regel-Experte, DGV-Spielleiter und Platzrichter, beschreibt alltägliche Spielsituationen – aus der Praxis für die Praxis

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