Interview mit Deutschlands Golflegende
Bernhard Langer: Die Kunst der Konstanz
Bernhard Langer und die Kunst der Konstanz. Deutschlands Vorzeigegolfer ist und bleibt ein Phänomen. Mit seinen 68 Jahren gewinnt der gebürtige Anhausener nicht nur unverändert Turniere, sondern sogar mit Rekordergebnis. Ein Gespräch über Siege und Zweifel, Glauben und Familie, über Putts, die fallen – und solche, die ein Leben lang bleiben.
Der Wind zieht leicht über den Öschberghof, nichts Dramatisches, aber genug, um jeden Schlag für die Teilnehmenden am MercedesTrophy World Final 2025 zu einer Herausforderung zu machen.
Bei der internationalen Turnierserie, an der jedes Jahr über 60.000 Golferinnen und Golfer in über 60 Ländern antreten, sollte Anfang Oktober Team Indien als Sieger hervorgehen.
Highlight: Mercedes-Benz Markenbotschafter Bernhard Langer begleitete das Finale und stellte sich unter anderem bei der Sonderwertung „Beat Bernhard Langer“ den Teilnehmenden.
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Phänomen Bernhard Langer: Keine große Geste, keine Inszenierung
Aber jetzt, zum Interview, sitzt Bernhard Langer ruhig da, aufmerksam, konzentriert – so, wie man ihn seit Jahrzehnten kennt.

Keine große Geste, keine Inszenierung. Und doch ist sofort spürbar: Hier spricht einer, der den Golfsport nicht nur gespielt, sondern durchdrungen hat.
Die WINSTONgolf Senior Open in Vorbeck liegt hinter ihm, die Bernhard Langer mit sensationellen 21 Schlägen unter Par erstmals für sich entscheiden konnte.
Ein Turnier, das sich normalerweise lesen würde wie eine Randnotiz in einer außergewöhnlichen Karriere – und doch alles andere als das endete, unter anderem mit einem neuen Turnierrekord.
„Ich freue mich sehr, dass ich endlich hier bei WINSTONgolf gewinnen konnte“, so ein ausgelassener Bernhard Langer über die Kunst der Konstanz bei der Siegerehrung in Vorbeck. „Der Platz war in einem hervorragenden Zustand.

Ich habe selten so viele Putts wie in dieser Woche gelocht. Eines meiner Ziele ist es, unter meinem Alter zu spielen, das ist mir diese Woche tatsächlich dreimal gelungen. Das Gute: Es wird immer einfacher!“
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WINSTONgolf Senior Open: Wenn alles zusammen kommt
„Ich glaube, es war eine Mischung aus vielen Dingen“, sagt Langer und lehnt sich leicht zurück. „Vor allem sind die Putts gefallen. Und das ist im Golf einfach der entscheidende Faktor.“
Er sagt es nüchtern, fast beiläufig. Dabei liegt in diesem Satz die ganze Wahrheit über ein Spiel, das Karrieren macht – und beendet.
Langer erzählt von Stabilität, von Disziplin, von einem Plan, der aufgegangen ist. Keine Zauberschläge, kein Glück. Sondern Kontrolle. „Ich habe wirklich gut gespielt, sehr kontrolliert, kaum Fehler gemacht.
Einige Schläge lagen sehr nah an der Fahne, und ich habe aus allen möglichen Distanzen gelocht. Interessant ist ja, dass das Putten über meine Karriere hinweg oft ein Thema war.“
Ein Thema – ein Understatement. Kaum ein anderer Weltklassespieler hat so offen über seine Schwierigkeiten auf den Grüns gesprochen: Putterwechsel, Zweifel, Phasen des Suchens – Langer kennt sie alle. „Beim Putten war ich immer in beiden Extremen“, sagt er.

„Entweder einer der Besten oder zeitweise einer der Schwächsten. Aber wenn es läuft, dann läuft es. Dann bekommt man Vertrauen – und plötzlich fühlt sich alles leichter an.“
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Ein Platz, der nichts schenkt
WINSTONgolf ist kein Platz für Zufälle: Wind, anspruchsvolle Grüns, enge Landezonen. Wer hier gewinnen will, muss sich dem Platz unterordnen. „Ich habe nichts erzwingen wollen“, erklärt Phänomen Bernhard Langer. „Ich habe mein Spiel gespielt. Und wenn man merkt, dass die Putts fallen, wächst das Selbstvertrauen von Loch zu Loch.“
Es ist diese Haltung, die sich durch seine gesamte Karriere zieht: Geduld vor Aggression, Klarheit vor Spektakel. Vielleicht der Grund, warum er auch mit 60 plus noch gewinnt – während andere längst aufgehört haben.
Ob er nach Vorbeck zurückkehren wird? „Das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Ich plane nicht mehr so weit im Voraus. Außerdem muss man erst einmal sehen, ob es das Turnier wieder geben wird.“ Auch das ist typisch Langer: kein Pathos, kein Versprechen, nur Realität.
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Bernhard Langer und die Kunst der Konstanz: Die Karriere der Anderen
Angesprochen auf seine Familie, die ihm hinsichtlich der Golfbegeisterung in nichts nachsteht, sagt Phänomen Bernhard Langer: „Ja, alle spielen Golf und haben Spaß daran.

Meine jüngste Tochter hat vier Jahre College-Golf gespielt. Sie hat auch überlegt, es professionell zu versuchen, aber wir haben viel darüber gesprochen.
Ich bin froh, dass sie sich dagegen entschieden hat. Profigolf ist kein einfacher Beruf – vor allem dann nicht, wenn man nicht zur absoluten Spitze gehört.“
Ob er auch die Karrieren anderer verfolge? „Ja, zum Beispiel die von Matthias Schwab. ich habe ihn von Anfang an miterlebt und immer gesagt: Wenn er es nicht schafft, dann schafft es keiner. Er hat großes Potenzial.
Nach dem Tod unseres gemeinsamen Trainers, Willi Hofmann, Anfang 2022, musste er seinen Schwung umstellen, das hat ihm das Selbstvertrauen genommen.
„ES GIBT VIELE GROSSARTIGE ATHLETEN. ABER EINES IST SCHON AUSSERGEWÖHNLICH: ES GIBT KEINEN 68-JÄHRIGEN, DER AUF DIESEM NIVEAU NOCH SO ERFOLGREICH IST.“ BERNHARD LANGER
Wenn man einmal in so ein Loch fällt, ist es extrem schwer, wieder herauszukommen. Ich habe ihm jetzt einen Trainer empfohlen, mit dem ich selbst in Florida arbeite. Er ist noch jung, hat viele Jahre vor sich, aber er muss wieder zu seinem Spiel finden.“
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Ryder Cup: Drama auf höchstem Niveau
Wenn Phänomen Bernhard Langer über den Ryder Cup spricht, verändert sich seine Stimme minimal. Sie wird ernster, tiefer, persönlicher. „Ich saß im Auto und habe die letzten Stunden verfolgt“, erzählt er.

„Es war unfassbar spannend. So ein Comeback habe ich mir vorher nicht vorstellen können.“
Der Ryder Cup ist für ihn mehr als ein Wettbewerb. Er ist Erinnerung, Verantwortung, manchmal auch Schmerz. „Die Amerikaner sind im Einzel traditionell sehr stark“, sagt er. „Aber dass es so eng werden würde, war außergewöhnlich.“
Und dann spricht er über Luke Donald. Über Führung. Über Wandel. „Luke hat einen ganz anderen Stil etabliert. Nicht mehr der Kumpeltyp, der Kapitän spielen darf, sondern jemand, der vorbereitet, analysiert, strukturiert arbeitet. Diese Professionalität hat dem Team enorm geholfen.“
Dass er Donald einst selbst per Wildcard ins Team holte, erwähnt er nicht stolz – sondern sachlich. Fast väterlich. Und er ergänzt: „Er war eigentlich gar nicht als Kapitän vorgesehen. Aber dann hat sich die Situation ergeben – und er hat diese Aufgabe mit großer Ruhe übernommen. Man hört durchweg Positives.“
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Bernhard Langer und die Kunst der Konstanz: Anerkennung und die Grenzen
Nächster Punkt: Sportler des Jahres. Eigentlich müsste Phänomen Bernhard Langer da längst auch auf der Liste der Sieger stehen. „Das ärgert mich nicht“, sagt er ruhig. „Ich kann es ja nicht ändern.“ Dann wird er grundsätzlich. „Golf ist in Deutschland einfach nicht so populär.
Es gibt viele großartige Athleten. Aber eines ist schon außergewöhnlich: Es gibt keinen 68-Jährigen, der auf diesem Niveau noch so erfolgreich ist.“
In anderen Sportarten sei das undenkbar. Im Golf – möglich. Aber nur für wenige. „Mit Ende 50 oder Anfang 60 hätte ich mir durchaus noch Ryder-Cup-Teilnahmen zugetraut. Es gab Jahre, in denen ich es wirklich verdient gehabt hätte.“ Ein Satz ohne Bitterkeit. Aber auch ohne vergessen zu haben …


