01.06.2024 | 07:00

Das Götzitat: Bitte weiterblättern (oder weghören)!

Götzitat 3/2024:
Götz Schmiedehausen
Götz Schmiedehausen

Das Götzitat: Bitte weiterblättern! Glauben Sie mir, Sie wollen diese Kolumne nicht lesen (oder hören). Ihr Leben würde so viel glücklicher verlaufen, wenn Sie es sein lassen würden …


Okay, ich hatte Sie gewarnt! Denn wir müssen reden. Über das absolute Tabuthema im Golfsport. Nein, nicht die LIV-Tour oder was Tiger Woods in den Nullerjahren getrieben hat.

Heute geht es um den Shank. Den Socket. Die Hosel-Rocket. Das golferische Gegenstück zu Herpes!

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Dienstag vor der BMW PGA Championship 2016 in Wentworth, England. In 24 Stunden würde ich an der Seite meines deutschen Lieblingsgolfers Marcel Siem beim Pro-Am mitspielen.

Zur Einstimmung drehte ich eine Runde in einem benachbarten Londoner Vorortclub. Und lag nach 16 Bahnen deutlich besser als mein einstelliges Handicap.

Auf dem letzten Par 3 galt es, 120 Meter über Wasser zu überwinden. Voller Selbstvertrauen und bewaffnet mit meinem zuverlässigen Pitching Wedge, visierte ich das Ziel an.

Plötzlich schoss mein Ball im 45-Grad-Winkel vom Schlägerblatt und schlug rechts in die beschilfte Uferböschung des dem Grün vorgelagerten Tümpels ein.

Die Schockwelle dieses epischen Fehlschlags durchfuhr meine, durch Jahre konstanten Golfspiels gestählte Rüstung des Selbstvertrauens. Und verwandelte diese umgehend in Wackelpudding.

Ich mutierte innerhalb einer Sekunde vom lebensfrohen Strahlemann zum ganzkörperverkrampften Neurotiker im Dauerpanikmodus.

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Das Götzitat als Audio-File:

Verdammt, ich hatte den Shank!

Zum sogenannten Shank kommt es, wenn der Ball statt mit dem Schlägerblatt mit dem sogenannten Hosel, der Fassung des Schlägerkopfes, in die der Schaft mündet, getroffen wird.

Bei jedem Schwung machen nur wenige Millimeter den Unterschied zwischen einem triumphalen Ergebnis oder einem maximal demütigenden Fehlschlag aus.

Und leider genügt bei allzu vielen Zeitgenossen der bloße Gedanke an das böse Wort, um eine veritable Golfkrise heraufzubeschwören (ich hatte Sie gewarnt!).

Shanks sind wie Parasiten. Sie schleichen sich an, wittern die mentale Schwäche des Opfers und verbeißen sich im Hirn des Unglücklichen.

Ganz gleich, was man auch anstellt, das Ergebnis bleibt unter dem Strich immer das Gleiche: Der Shank ist gekommen, um zu bleiben.

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„Artig bedankte ich mich (…) bei Marcel,
während ich überlegte, unter neuer Identität in Südamerika
einen Bratwurststand zu eröffnen.“

Der Autor David Niven beschrieb in seinem Roman „Coma“ die Folgen des Shanks: „Ein Gerücht besagt, überall auf der Welt gäbe es Klapsmühlen voll von Männern – guten Männern. Männern mit Karrieren, Frauen und Familie –, die ein Shank zugrunde gerichtet hat.

Ihre Schreie gellen durch die Nacht. Schwitzend winden sie sich in ihren heißen Zwangsjacken, kämpfen mit ihren Fesseln und zerkratzen das kühle Gummi der Zellenwände mit ihren Zehennägeln.“

Dieses drastische Bild ist leider keine Übertreibung, sondern die bittere Wahrheit.

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„Wie ein Oktopus, der aus einem Baum zu kippen schien …“

In der Nacht nach meinem Shank-Anfall lag ich lange wach und versuchte verzweifelt, mir einen Schwung mit einem Eisen vorzustellen. Eine Bewegung, die ich vor einem halben Tag noch im Schlaf hätte ausführen können.

Doch vor meinem geistigen Auge sah ich nur einen Oktopus, der aus einem Baum zu kippen schien und dabei hilflos mit den Tentakeln wedelte.

"Wie ein Oktopus, der aus einem Baum zu kippen schien ..." (Foto: picture-alliance)
„Wie ein Oktopus, der aus einem Baum zu kippen schien …“ (Foto: picture-alliance)

Aber alles halb so wild, am nächsten Vormittag sollte ich doch nur vor geschätzten 15.000 Menschen Golf spielen.

Plötzlich empfand ich den Startplatz direkt hinter der Gruppe von Rory McIlroy und One-Direction-Sänger Niall Horan als gar nicht mehr so großartig.

„Oooooooooh“, ist ein hochgradig irritierender Laut, wenn er aus mehreren hundert Kehlen ertönt, die zu ebenso vielen Zuschauern gehören, die auf einer Tribüne hinter einer Golfbahn sitzen und soeben miterleben dürfen, wie ein schweißnasser Amateurgolfer mit irrem Blick und einem Schwung wie ein ungebremster 20-Tonner in einer Haarnadelkurve einen Shank nach dem anderen fabriziert.

Wentworth, das golferische Waterloo …

Ja, ich erlebte in Wentworth genau das erbärmliche golferische Waterloo, welches ich mir in meinen Albträumen in der Nacht zuvor ausgemalt hatte.

Artig bedankte ich mich nach der unrunden Runde bei Marcel für sein Mitgefühl, während ich überlegte, unter neuer Identität in Südamerika einen Bratwurststand zu eröffnen.

Als Marcel dann während des Turniers einen für ihn völlig untypischen Shank mit seinem Eisen-4 schlug, war ich kurz davor, die WHO anzurufen, um sie vor einer globalen Pandemie zu warnen.

Heute, acht Jahre später, bin ich geheilt und habe seit Jahren keinen Shank mehr geschlagen. Ich kann nun sogar darüber reden und manchmal sogar lachen.

Als ich meinem guten Freund Gregor während einer Turnierrunde vom Thema dieser Kolumne erzählte, shankte der Handicap 3-Spieler umgehend einen kurzen Chip ins hohe Rough rechts der Spielbahn.

Tja, und jetzt kommen Sie …

Götz Schmiedehausen, ambitionierter Hobbygolfer mit variablem Handicap.

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