10.05.2017

Die Couch-Referees

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Das gibt es in keiner anderen Sportart: Zuschauer greifen in ein Turnier ein, indem sie Regelverstöße melden. Auf der Couch vor dem Fernseher hockend.

Konkret: Bei der ANA Inspiration in Kalifornien wurden der Führenden Lexi Thompson am Schlusstag (informiert an Loch 12) Strafschläge aufgebrummt, weil sie den Ball am Tag zuvor einen Zentimeter neben dem Ballmarker platziert hatte.

Ein pfiffiger, selbsternannter Schiedsrichter fühlte sich verpflichtet, dies den Turnierveranstaltern zu melden. Ergebnis: vier Strafschläge, zwei für den Regelverstoß, zwei für die am Vortag falsch unterschriebene Scorekarte. Womit sich der für Lexi Thompson greifbar nahe Major-Sieg in endlose Diskussionen auflöste.
Schiedsrichterentscheidungen sind Tatsachenentscheidungen
Es geht hier nicht um Regelkunde oder Etikette, es geht schlicht um die Frage, wer und wie lange nach einem Verstoß in ein Sportereignis eingegriffen werden kann? Ein anderes Beispiel: Im Fußball-Derby zwischen Dortmund und Schalke begeht in der Schlussminute (1:1) der Borussia-Verteidiger Marc Bartra ein Handspiel, das vom Schiedsrichter nicht geahndet wird. Nach dem Spiel räumt der Referee ein, dass dies kein eindeutiges Handspiel gewesen sei, aber man freilich schon einen Elfmeter hätte geben können.
Angenommen, ein TV-Zuschauer ruft beim Fußballbund an und weist auf einen Regelverstoß hin. Würde darauf reagiert werden? Völlig undenkbar. Die Reaktion der Fußball-Gewaltigen wäre neben einem müden Lächeln die klare Ansage: Schiedsrichterentscheidungen sind Tatsachenentscheidungen.
Video-Beweis
Bei Golf-Turnieren sind schon mehrfach Regelverstöße von Zuschauern vor dem TV-Gerät aufgedeckt worden und in Folge auch berücksichtigt worden. Zuletzt Dustin Johnson bei der U.S. Open (Ball beim Ansprechen bewegt) oder Craig Stadler 1985 in Crans Montana (kniete auf einem Handtuch, ungerechtfertigter Vorteil, Regel 13-2).
Wie lange nach einem Turnier können Regelverstöße geahndet werden? Ab sofort so gut wie nicht mehr. Die USGA und R&A haben auf den wachsenden Druck der Entrüstung reagiert und mit einer neuen Regeländerung den Video-Beweis weitestgehend abgeschafft. Ab sofort entscheidet der Flightpartner hoheitlich über Regelverstöße. Nur in strittigen Situationen soll der Video-Beweis zur Anwendung kommen. Gut so.
Ihr Oskar Brunnthaler
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