03.09.2015 | 03:21

Die Weltmeisterschaft der Hobbyhacker

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Myrtle Beach, South Carolina – Seit über 30 Jahren treffen sich nicht die besten aber die golfverrücktesten Amateurgolfer der Welt zu „ihrer Weltmeisterschaft“ in Myrtle Beach, einem der Golf-Mekkas in den USA. Dieses Jahr schickte auch GOLF TIME eine Abordnung ins Rennen um die Krone. Dass die Gewinnchancen bei über 3.300 Teilnehmern überschaubar gering sind, zumal man bei über 30 Grad Hitze und gänzlich unbekannten Golfplätzen im gnadenlosen Zählspielmodus zockt, ist nachvollziehbar. Bei der World Amateur spielen über 3.300 Golfer mit, es gibt keine Qualifikation, jeder Amateurgolfer mit einem Handicap darf teilnehmen. Gespielt wird in diversen Gruppen, die nach Geschlecht, Handicap und Alter zusammengestellt werden. Es gibt die Königsklasse, also Scratchgolfer zwischen 18 und 49 Jahren genauso wie die „Super-Seniors“ jenseits der 70, die Handicap 36 spielen. Jede Division spielt über vier Tage ihr eigenes Turnier, erst am Abend treffen sich alle im „19 Loch“, das im Convention Center von Myrtle Beach zu finden ist, um die aktuellen Golferlebnisse zu reflektieren, respektive im kostenlosen Alkohol zu ertränken. An jedem Abend treten diverse Ehrengäste aus dem Golfsport auf. 2015 gibt sich John Daly die Ehre, der hier seinen neusten Alko-Pop bewerben will (der jedoch ganz furchtbar schmeckt!) Mein ersten Turniertag war statistisch gesehen äußert erfolgreich, denn ich beendete den Montag auf dem geteilten ersten Platz. Das mag nach großem Golf klingen, doch fairerweise muss ergänzt werden, alle der 55 Spieler meiner Handicap-Klasse sich die Pole Position teilten. Der Ausläufer eines karibischen Hurrikans hatte nämlich dafür gesorgt, dass der komplette Spieltag im wahrsten Sinne des Wortes abgesoffen ist und das Turnier auf 54 Loch verkürzt werden musste. Am Dienstag begann ich also mit D.J. aus Boston als Cartbeifahrer meine World Amateur, einem ziemlich coolen Typen, der fortwährend Kautabak und Bier in sich einfüllte, ansonsten aber ein höchst angenehmer Flightpartner war. Die Vorgabe der Spielleitung lautete, dass aufgrund der gewaltigen Regenmenge, die der „Thistle Golf Club“ am Vortag schlucken musste, nur „Cartpath only“ erlaubt war. Das bedeutet, es war kein Fahren auf den Fairways möglich, was dazu führte, dass man permanent zwischen Ball und Golfauto hin und her rennen musste. Nach sechs Stunden Spielzeit bei Affenhitze und knapp 100 Prozent Luftfeuchtigkeit waren Hirn und Körper dann auch komplett weich gekocht und die meisten Spieler mussten den einen oder anderen Wirkungstreffer in Form gigantischer Zahlen auf der Scorekarte hinnehmen. Denn das Wort „Stableford“ interessiert hier niemanden, es wird gespielt bis zum bitteren Ende. Ich ordnete mich nach Tag 2 immerhin noch auf dem geteilten sechsten Platz ein und mit meiner „84“ lag ich nur drei Schläge hinter den Führenden. Am nächsten Tag jedoch war mit dem International Golf Club eine Wiese an der Reihe, wie sie mir überhaupt nicht liegt. Rechts und links durchgehend Bäume, extrem eng und viele Ausgrenzen, von denen ich exzessiven Gebrauch machte. Da halfen auch die beiden Birdies nichts, die „92“ tat weh und warf mich zurück ins mittelmäßige Mittelfeld. Doch ganz ehrlich, wer zur World Amateur fährt, um zu gewinnen, hat komplett das Thema verfehlt. Hier geht es um den Spaß, die Menschen machen Urlaub und genießen das Nachtleben, welches der großartigen Ferienort Myrtle Beach zu bieten hat. Auf dem „Broadway at the Beach“, der amerikanischen Version der Schinkenstraße räumen erst gegen 22 Uhr die Familien das Feld und das erwachsene Partyvolk macht die Discos und Bars bis in die frühen Morgenstunden unsicher. Wer dann am Folgetag noch in der Lage ist, bei 30 Grad Hitze über sechs Stunden im Zählspiel einen halbwegs anstänigen Score nach Hause zu bringen, vor dem ziehe ich meinen Hut. Vor dem dritten Wettbewerbstag haben wir jedenfalls eingeplant, alle theoretischen Siegchancen auf diesem „Hochaltar der gehobenen Herrenunterhaltung“ zu opfern, anstatt nach dem Abendessen mit einem Tee und einem guten (Golf-)Buch in die Heia zu hüpfen, um auf dem Leaderboard eine gute Figur zu machen. Ob ich morgen trotzdem noch unter 100 Schlägen spiele? Das erzähle ich Ihnen (vielleicht) in der nächsten Ausgabe der GOLF TIME … © GOLF TIME Verlag GmbH

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