24.01.2026 | 17:29

Golfregeln: Free drop – was sind die Optionen?

Prekäre Spielsituation: Die Balllage (Rot) auf einem Weg mit einem Baum in der Spiellinie zum Grün
Dr. Torben Wissuwa
Dr. Torben Wissuwa

Golfregeln: Richtig nachfragen. Oft wird der Referee bei Turnieren von Spielern gefragt, ob er einen „free drop“ gestatte. Dabei sollte die Frage lauten: Was sind meine Optionen?


Das ist die Frage, die ein Golfer einem Referee stellen sollte, wenn er das ganze Paket an Informationen bekommen möchte und nicht nur eine Antwort auf die Frage: „Bekomme ich einen free drop?“

So nachvollziehbar der Wunsch nach strafloser Erleichterung nach Regel R16 (wie der „free drop“ tatsächlich heißt) sein mag, die direkte Frage danach ist oft mit einem „Nein“ zu beantworten.

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Das liegt daran, dass der Referee gar nicht um alle Informationen gebeten wurde.

Anders bei der Frage nach den Möglichkeiten des Spielers. Hier wird der Referee zunächst Rückfragen stellen, nämlich, was der Spieler eigentlich als Nächstes zu tun gedenkt, wie er den Ball spielen würde, wenn er keine Erleichterung bekäme.

Und dann gilt es aufzupassen: In der Antwort wird der ein oder andere Hinweis versteckt sein, dass es möglicherweise auch noch andere Optionen gibt, an die man selbst gar nicht gedacht hat.

Wenn man darauf klug reagiert, kann man selbst aussichtslose Situationen noch retten.

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Optionen erfragen – und gut zuhören

Ein Beispiel: Der Ball eines Linkshänders, Scratchgolfer, liegt nach einem verzogenen Abschlag auf einem Weg.

Rechts am Weg ist ein überhängender Baum, der den Schwung und die Spiellinie zum Grün beeinträchtigt, der Baum ist zudem an einem Pfosten angebunden.

Free drop? Die Frage lautet: Was sind meine Optionen?
Free drop? Die Frage lautet: Was sind meine Optionen?

Die Frage nach seinen Möglichkeiten führt dazu, dass der Referee zunächst nachfragt, was er denn vorhabe. Der Spieler antwortet, er möchte den Ball als Linkshänder mit seinem 56° Wedge aufs Grün spielen.

Der Referee fragt noch einmal nach, „als Linkshänder, ja?“, und führt dann aus, dass der Spieler entsprechend der Golfregeln …

  • seinen Ball spielen kann, wie er liegt
  • straflose Erleichterung nach Regel R16.1. vom Weg (unbewegliches Hemmnis) in Anspruch nehmen kann. Das, indem er mit dem Wedge den nächst gelegenen Punkt vollständiger Erleichterung vom Weg nicht näher zum Loch sucht und dort innerhalb einer Schlägerlänge droppt
  • den Ball mit einem Strafschlag für unspielbar erklären kann mit der Folge, die Erleichterungsverfahren „auf der Linie zurück“, „zwei Schlägerlängen von der Balllage droppen“ oder „Schlag und Distanzverlust“ – also zurück zum Abschlag – nutzen dürfe.

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Free drop: Die richtige Entscheidung

Aus naheliegenden Gründen entscheidet sich der Spieler gegen Option 3 (unspielbar). Den Strafschlag möchte er nach dem schlechten Abschlag auf keinen Fall auch noch notieren müssen.

Besser wäre Option 2, die straflose Erleichterung nach R16. Doch gefällt dem Spieler der Erleichterungsbereich nicht, da von dort immer noch der Baum im Weg sein würde. Die gewünschte Lage auf der anderen Seite wurde ihm infolge seiner Fragestellung nicht angeboten.

Deshalb: Darauf achten, was und wie der Referee nachfragt. Er wird keine Tipps zum Spiel des nächsten Schlages geben, er wird nicht beraten. Er wird aber die ihm gestellte Frage vollständig beantworten.

Je detaillierter sie gestellt wird, desto detaillierter wird auch die Antwort ausfallen.

Die Nachfrage des Referees, „als Linkshänder“, zeigt, dass es als Rechtshänder andere Optionen gegeben hätte – zum Beispiel den Erleichterungsbereich auf der anderen Seite.

Und ein Scratchgolfer kann auch andersherum spielen. Kein Scratch, aber aufs Grün bekommt er den Ball, und nach dem Drop ist eine neue Situation entstanden. Er darf den Ball dann auch wieder linksherum spielen.

Auch der Pfosten am Baum wäre noch eine Möglichkeit gewesen. Hätte der Spieler dorthin gedroppt, hätte er vom ebenfalls unbeweglichen Hemmnis „Pfosten“ eine neue straflose Erleichterung in Anspruch nehmen können.

Aber auch das ist etwas, was der Spieler selbst erkennen müsste, fällt eher in die Kategorie „Training/kluges Droppen“ und wird vom Referee erst beantwortet, wenn die Lage dann auch eingetreten ist. Also nach einem eventuellen Drop.

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Fazit

Wenn ein Referee gerufen wird, erklärt man ihm den Sachverhalt im Ganzen und fragt dann, was für Möglichkeiten man entsprechend der Golfregeln hat. Sollten Rückfragen kommen, heißt es, aufmerksam zuzuhören – es könnten sich dahinter zusätzliche Optionen verstecken.

Ich wünsche Ihnen ein „schönes Spiel“ – wir sehen uns auf dem Platz!

Dr. Torben Wissuwa, Jahrgang 1975, seit 2020 Spielleiter und Referee des DGV, seit 2015 des GV Niedersachsen-Bremen. Sein R&A Examen (Level 3) hat er 2022 bestanden und ist Mitbetreiber des Golfregel-Forums „golf-rules.com“.

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