31.03.2022 | 11:40

Matti Schmid – die Zukunft hat begonnen

Thomas Fischbacher
Thomas Fischbacher

Matti Schmid im Interview. Er ist Teil einer neuen Generation junger, aufstrebender Golfer, die als zukünftige Stars gehandelt werden. Neben Spielern wie Collin Morikawa oder Viktor Hovland traut man auch dem Deutschen zu, künftig ein gewichtiges Wort bei der Vergabe von Titeln zu haben.


Ein Blick auf die Weltrangliste macht klar, dass wir uns im Herrengolf gerade mitten in einem Generationenwandel befinden. Sowohl Jon Rahm, Collin Morikawa als auch Viktor Hovland waren vor wenigen Jahren noch auf dem College und sorgten dort für Furore.

Mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, zeigten aber alle drei Genannten innerhalb kürzester Zeit, dass sie auch bei den Profis eine Klasse für sich sind und mittlerweile führende Positionen innehaben. In einer ähnlichen Kategorie, vielleicht nicht ganz so prominent, wird auch der 24-jährige Deutsche Matthias „Matti“ Schmid gehandelt.

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Der gebürtige Regensburger wurde schon im frühen Alter von seinem Vater mit dem Golfvirus infiziert. Seit er sein Studium an der University of Louisville, Kentucky, begann, stellten sich auch die Erfolge auf internationaler Ebene ein. Matti etablierte sich als Nummer eins bei den Amateuren in Deutschland und war führendes Mitglied der deutschen Golfnationalmannschaft.

Matti Schmid im Rampenlicht

2019 und 2020 gelang Schmid das Kunststück, zwei Mal in Folge die prestigeträchtige Amateur-Europameisterschaft zu gewinnen. Als Draufgabe holte er mit Team Germany 2020 auch den Mannschafts-Europameister-Titel. Durch seine Erfolge qualifizierte sich Matti für zahlreiche Turniere auf der PGA und European Tour und betrat erstmals das mediale Rampenlicht.

Riesenerfolg: Die Silver Medal als bester Amateur bei der Open Championship 2021 in Royal St. George’s
Riesenerfolg: Die Silver Medal als bester Amateur bei der Open Championship 2021 in Royal St. George’s

Schmid nahm 2021 am Arnold Palmer Invitational, der U.S. Open, der Porsche European Open, der BMW International Open und nicht zuletzt an der Open Championship teil – seinem letzten Turnier als Amateur. Dieses beendete er eindrucksvoll als bestplatzierter Amateur im Feld, wofür er die traditionsreiche Silver Medal überreicht bekam.

Danach wechselte er ins Profilager und schaffte es, in sieben Turnieren nicht nur die Tourkarte zu holen, sondern sogar als „Rookie of the Year“ ausgezeichnet zu werden. Sein bestes Ergebnis dabei war ein toller zweiter Platz bei der Dutch Open, wo er sich lediglich dem Schweden Kristoffer Broberg geschlagen geben musste.

Was für ein Jahr! Matti Schmid startet als Amateur in die vergangene Golfsaison, nimmt an zwei Majors teil, holt die Silver Medal bei der Open und wird schließlich nach nur sieben Auftritten „Neuling des Jahres“ auf der European Tour.

Nun will der 24-Jährige als Profi durchstarten. Wir sprechen mit dem Senkrechtstarter über seinen kuriosen Saisonstart, knackige Fades, den Held der Kindheit, die wichtigsten Bezugspersonen und einen besonders wertvollen Schwung- Tipp, den er während seiner College-Zeit bekommen hat.

Bestes Ergebnis auf der DP World Tour so weit: Der 2. Platz bei der Dutch Open 2021
Bestes Ergebnis auf der DP World Tour so weit: Der 2. Platz bei der Dutch Open 2021

Hallo Matti, bei unserem ersten Gespräch hattest du gerade deine erste Runde bei einem Major absolviert. Das war 2019 bei der Open in Royal Portrush. Du hast damals erzählt, wie nervös du vor dem ersten Abschlag warst. Seitdem ist einiges passiert. Wie fühlst du dich heute vor wichtigen Runden? Hat sich die Nervosität gelegt?

Ich bin immer noch ein Neuling auf der Tour. Aber klar, die Erfahrung bringt auch mehr Gelassenheit. Was den ersten Abschlag bei einem Major betrifft, werde ich wohl mein ganzes Leben lang zittrige Hände haben. Und das ist auch okay.

Damals hast du im Vorfeld des Turniers ein Bild von dir und Tiger auf deinem Instagram-Profil veröffentlicht? War er ein Grund für dein verstärktes Interesse am Golfsport?

Ich habe als Kind schon immer Tiger Woods verfolgt und der Wunsch, irgendwann selbst Profi zu werden, kam schon in mir auf, als ich zehn oder elf Jahre alt war. Tiger war sicher der Held meiner Jugend und es war großartig, ihn in der Umkleide getroffen zu haben. Ich hoffe sehr, dass dies nicht unser letztes Aufeinandertreffen war.

Dein Vater, der früher Golflehrer war, hat wahrscheinlich eine große Rolle gespielt.

Ja, so konnte ich große Teile meiner Kindheit auf dem Platz verbringen. Während er Trainerstunden gegeben hat, habe ich nebenbei Bälle geschlagen. Das war der Anfang.

Matthias "Matti" Schmid
Matthias „Matti“ Schmid

Jetzt bist du nach einer furiosen Amateur-Karriere auf der DP World Tour angekommen. Wie hast du das vergangene Jahr selbst wahrgenommen?

Es ging alles sehr schnell. Das Ziel war, nach meinem Wechsel ins Profilager irgendeine Spielberechtigung zu holen. Auf der European Tour lief es zu Beginn nicht so berauschend, deshalb rückte die Challenge Tour in den Fokus.

Die starke Leistung bei der Dutch Open hat dann alles verändert. Eigentlich war geplant, in den USA die Q-School der Korn Ferry Tour zu spielen, aber durch meine gute Platzierung habe ich alles auf die European Tour gesetzt. Zum Glück hat das auch geklappt.

Nach der Ryder-Cup-Niederlage der Europäer in Whistling Straits ging es viel um das Thema „Wer sind die Stars der Zukunft im Team Europe?“ Dabei ist auch dein Name gefallen. Hast du das wahrgenommen?

Ich habe das gehört und mich sehr geschmeichelt gefühlt. Aber ich denke, bis es dazu kommt, habe ich noch ein paar Schritte zu gehen.

Dein erstes Turnier als vollwertiges Mitglied lief eher bescheiden. Weniger spielerisch als wegen des Ausbruchs der Omikron-Variante. Wie hast du die Woche in Südafrika erlebt?

Das war wirklich ein kurioser Auftakt. Für die DP World Tour hätte es wohl nicht schlechter laufen können. Nach dem Bekanntwerden des Ausbruchs der Omikron-Variante gingen kaum mehr Flüge.

Die European Tour wollte zunächst einen Flieger nach Dubai chartern, das war aber nicht möglich. Am Ende habe ich zum Glück noch einen Platz für den Flieger nach Frankfurt bekommen. Danach war erst mal Quarantäne angesagt.

Matthias Schmid holt bei der Steyn City Championship 2022 seine beste Saisonplatzierung
Matthias Schmid holt bei der Steyn City Championship 2022 seine beste Saisonplatzierung

Du musstest dich in der Folge zwei Wochen zu Hause isolieren …

Genau, das ist schon eine lange Zeit. Aber der Trackman in meiner Hütte im Garten lief ziemlich hei. und auch auf meiner Puttmatte konnte ich ganz passabel arbeiten. Das hat definitiv geholfen.

Wie wichtig ist der Trackman allgemein für dein Spiel?

Ich hatte mir davon versprochen, dass ich einige Dinge noch mehr festigen kann. Ich habe festgestellt, dass man den Ball indoor noch so gut treffen kann, aber auf dem Platz bleibt es einfach eine andere Geschichte.

Ich nutze die Daten für grundlegende Dinge im Schwung, wenn es um das Stabilisieren gewisser Bewegungen geht. Die richtige Arbeit aber erfolgt auf dem Platz.

Wie fühlst du dich als Rookie auf der DP World Tour? Hast du sofort Anschluss gefunden? Gibt es Bezugspersonen?

Max Kieffer ist mittlerweile ein guter Freund geworden und gibt mir wichtige Ratschläge. Wir haben viele Proberunden miteinander absolviert und er war sehr hilfsbereit. Den könnte ich bei Problemen immer anrufen. Das hilft mir sehr.

Und auch die übrigen Kollegen werden nach meinen Erfolgen immer netter zu mir (lacht). Sehr wichtig ist natürlich auch mein Management, das organisatorisch viele Aufgaben übernimmt und so dafür sorgt, dass ich mich auf mein Golfspiel konzentrieren kann.

Weil du dein Management erwähnst, welche Personen in deinem Umfeld sind noch wichtig für deinen Erfolg?

Mit Craig Miller aus Herzogenaurach feile ich seit gut sechs Jahren an meinem Spiel und er ist eine wichtige Stütze. Mit Florian Münch vom Deutschen Golf Verband arbeite ich an meinem Fitnessprogramm. Last but not least natürlich auch meine Familie, die mir viel ermöglicht hat und mir den Rücken freihält.

Und als Caddie hilft dir ein Major-Sieger …

Genau, Michael Waite, Spitzname „Sponge“, ist seit vergangenem Jahr mein Stamm- Caddie. Er macht wirklich einen überragenden Job. Er war damals an der Tasche von Michael Campbell, als er in Pinehurst die U.S. Open gewonnen hat. Ein großer Name mit einem riesigen Erfahrungsschatz.

Matti Schmid
Matti Schmid

Wie wichtig ist für dich Hilfestellung im mentalen Bereich?

Ich hatte immer mal wieder Gespräche mit Experten, aber momentan sehe ich für mich nicht die Notwendigkeit, intensiv in diesem Bereich zu arbeiten. Ich bin da sehr locker und hoffe, dass ich mir diese Eigenschaft auch bewahre.

Auch in meinem Umfeld sind alle Beteiligten am Boden geblieben. Ich freue mich über jedes gute Turnier und bin natürlich auch wahnsinnig ehrgeizig, aber mir ist schon auch bewusst, dass ich nicht durchgehend gut spielen werde. Ein paar verpasste Cuts werfen mich aber sicher nicht aus der Bahn.

Für Amateure wirken die Schwünge auf Tour-Niveau makellos. Wie siehst du deine eigene Schwungbewegung? An welchen technischen Details arbeitest du derzeit?

Am Schwung selbst gibt es immer andere Dinge, die auftauchen, und kleine Details, an denen man arbeiten muss. Gerade optimiere ich die Drehung im Rückschwung. Was mich regelmäßig beschäftigt, ist die Bewegung meiner Hände im Abschwung.

Manchmal komme ich etwas zu steil nach unten und ziehe zu sehr nach innen. Grundsätzlich gefällt mir mein Schwung und vor allem der Rhythmus sehr gut. In den vergangenen Jahren haben Craig und ich viel an kleinen, wichtigen Details gearbeitet, aber nie wirklich größere Eingriffe am Schwung vorgenommen.

Matti Schmid
Matti Schmid

Welche Übung oder welcher Tipp hat dir während deiner Laufbahn am meisten geholfen?

Ich kann mich an einen Tipp eines College-Trainers damals erinnern. Er hat mir gesagt, dass ihm meine Schläge mit den kürzeren Eisen und Wedges am besten gefallen, wenn ich den Durchschwung verkürze, also eine kleine Punch-Bewegung durchführe.

Das mache ich bis heute so. So entsteht ein knackiger, etwas flacherer Fade. Wichtig ist dabei, eine aggressive Körperdrehung beizubehalten.

Ist der Fade allgemein der Schlag, auf den du dich am besten verlassen kannst?

Sagen wir mal so, wenn es unbedingt sein muss, kann ich auch eine Draw-Kurve produzieren, aber in den allermeisten Fällen verlasse ich mich auf den Fade. Dieser Schlag passt einfach besser zu meiner Schwungtechnik und darauf kann ich auch unter Druck sehr gut bauen.

Auf welche Ausrüstung setzt du aktuell?

Ich habe einen Vertrag mit Puma, was die Kleidung, die Kappe, Schlägerhauben und das Bag betrifft. Meine Schläger kann ich frei auswählen – aktuell sind alle von TaylorMade und das auch schon seit meinem Wechsel nach Herzogenaurach vor einigen Jahren.

Die letzte Frage betrifft die Zukunft. Du warst auf dem College und vorhin hattest du die Korn Ferry Tour angesprochen: Ist die DP World Tour jetzt erst mal dein Zuhause oder schielst du mit einem Auge schon in die USA?

Die PGA Tour ist irgendwann das Ziel, aber erst mal geht es darum, das ein oder andere ordentliche Ergebnis auf der DP World Tour einzuspielen.

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