22.02.2022 | 11:16

Mercedes-Benz – On Tour mit einem Weltenbummler

Lydia Enigl
Lydia Enigl

Fahrbericht. Sehr persönliche Eindrücke vom „Vanlife“ mit einem Mercedes Reisemobil Marco Polo. Unsere GOLF TIME-Redakteurin Lydia Enigl unterwegs in Österreich.


Marco Polo war ein Asienreisender, der aus einer venezianischen Händlerfamilie stammte und durch die Berichte über seine Reisen ins Kaiserreich China bekannt wurde. Seine Reisen führten ihn auf der Seidenstraße gen Osten.

Im 21. Jahrhundert sind wir mit dem Mercedes Reisemobil Marco Polo gen Westen unterwegs, Weltenbummler sind wir und unser Marco Polo Reisemobil jedenfalls auch.

Die Österreich-Rundreise führt bis nach Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs. Dieser Name stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, da aus Sicht der Stammburg der Habsburger, die im Kanton Aargau liegt, das Gebiet „vor“ dem Arlberg liegt.

Für uns – wir kommen aus dem „fernen Osten Österreichs“ – liegt dieses Bundesland eigentlich „hinter“ dem Arlberg, und somit wird unser Marco Polo auch die Berge erklettern müssen, um das westlichste Ziel zu erreichen.

Wir beladen das Reisemobil. Beim Golfer kommt da schon einiges zusammen, Golfbags, Trolleys und alles, was so für 14 Tage Rundreise gebraucht wird – inklusive einer Mindestausstattung zum „Überleben“. Also auch Küchenequipment – kann in Schubladen unter der zweiflammigen Kochstelle verstaut werden – und Schlafsäcke.

Mercedes-Benz Marco Polo: Innenraum Komfort
Mercedes-Benz Marco Polo: Innenraum Komfort

Im 40 Liter Kompressorkühlschrank werden Getränke und ein kleiner Vorrat zum Picknicken verstaut. Im Heck befindet sich ein Stauraum für z. B. die Bettwäsche und sogar ein kleiner Kleiderschrank, wo das „Gala-Gewand“ hängend transportiert werden kann.

Aber der Marco Polo verfügt über reichlich Platz und so bleibt man auch locker unter der maximalen Zuladungsgrenze von 565 kg (inkl. Passagiere). Es können sogar Campingtisch- und -sessel verstaut werden, die perfekt im Kofferraum Platz finden.

Überholen kein Problem

Los geht’s, zuerst auf die Autobahn, der Marco Polo schnurrt dahin. Wir fahren ein Modell 300d 4-matic, flott beim überholen mit einer Höchstgeschwindigkeit, die wir in Österreich nicht ausprobieren können/dürfen.

Mit den erlaubten maximalen 130 km/h ist der Marco Polo jedenfalls sehr bequem und für einen „Bus“ leise unterwegs. Überholmanöver sind mit stolzen 237 PS unter der Haube kein Problem.

Mercedes-Benz Marco Polo: Cockpit
Mercedes-Benz Marco Polo: Cockpit

In Sachen Verbrauch kommt die erste Überraschung: Mit knapp unter sieben Litern auf 100 km ist er geradezu sparsam. Die Vordersitze sind fast wie Fauteuils, bequem mit viel Komfort, aber auch viel „Halt“ und natürlich Armlehnen.

Ach ja, selbstverständlich lassen sich die Vordersitze am Stellplatz zum Klapptisch drehen – so haben vier Personen bequem Platz zum Dinner.

Das Fahrwerk ist perfekt abgestimmt, die Unebenheiten der Straßen werden „verschluckt“, also sind auch lange Etappen mühelos und stressfrei zu bewältigen.

Die zahlreichen Assistenzsysteme wie zum Beispiel Tempomat, Spurhaltesystem und Bremsassistent vermitteln das Gefühl, „bis ans Ende der Welt“ bummeln zu können.

+++ Zum Thema: VW Plug-in-Hybride im Test +++

Technik und Komfort

Am Camping- oder Stellplatz fährt man dann das Dach aus, natürlich elektrisch – eben Mercedes-like. Diese Funktion sowie u. a. Licht, Heizung, Füllwasserstände und optional sogar eine Standheizung werden gesteuert und überwacht über das MBAC (Mercedes-Benz Advanced Control).

Es wird bedient über Touchscreen oder Handy App (der Marco Polo ist eben auch „ein Handy auf Rädern“). Vor allem vom oberen Bett aus erweist sich diese App-Bedienung als sehr nützlich.

Dieses Bett im Aufstelldach ist ca. 1,10 Meter breit und fast zwei Meter lang, also eventuell auch für zwei Personen groß  genug; allerdings erfolgt der „Aufstieg“ über die Vordersitze. Hier sind Kletterfähigkeiten gefragt, da es keine Leiter gibt – für die ist im Marco Polo schlicht kein Platz.

Mercedes-Benz Marco Polo: Bett im Aufstelldach mit ca. 1,10 Meter Breite und fast zwei Meter Länge
Mercedes-Benz Marco Polo: Bett im Aufstelldach mit ca. 1,10 Meter Breite und fast zwei Meter Länge

Dafür gibt es Leseleuchten und eine USB-Buchse im „1. Stock“. Das untere Bett ist etwas größer als das obere. Die Rückbank wird hierzu umgeklappt, natürlich auch elektrisch. Gurte und Gurtschlösser ragen nicht heraus und es gibt eine dünne Auflage, die zusammengelegt gut verstaut werden kann.

Allerdings ist das Golfgepäck zu voluminös, um unter dem Bett zu „verschwinden“. Da wir altersmäßig „reifere Semester“ sind und daher etwas mehr Platz zum Schlafen bevorzugen, entscheiden wir uns nach dem Probeschlafen, unseren Marco Polo weiterhin als Reisemobil und nicht als Schlafmobil zu verwenden.

Zumal der Marco Polo über kein „Bad“ verfügt. Allerdings gibt es einen Anschluss für eine Außendusche – im Hochsommer ein echtes Goodie, und für den, der es möchte, gibt es am Zubehörmarkt ein „Porta Potti“, das genau in einen der Staukästen passt.

Verlässlicher Kletterer

Die Reise durch Österreich führt natürlich auch über Berge und enge Serpentinen. Die Testfahrt führt über die Silvretta Hochalpenstraße Richtung Vorarlberg – bei Schönwetter fast ein „Muss“. Auch hier erweist sich das Fahrzeug als sehr handlich.

Die 34 Kehren der Hochalpenstraße und die vielen weiteren kurvigen Alpenstraßen meistert man dank der bequemen unaufgeregten Lenkung im Handumdrehen. Natürlich gibt es überall Picknick- und Fotopausen. Parkplatzsuche? Kein Problem, der Minibus passt auf jeden Pkw-Parkplatz.

Kurze Fotopause: Lydia Enigl unterwegs in Österreich mit dem Mercedes-Benz Marco Polo
Kurze Fotopause: Lydia Enigl unterwegs in Österreich mit dem Mercedes-Benz Marco Polo Reisemobil

Und der Allrad meistert auch die kleineren „Umwege“ von den Hauptrouten mit Bravour. In den Bergen ist die Kriechfunktion des Fahrzeugs vorteilhaft, und auch das Mercedes Autohold-System ist praktisch: Ein festerer Druck aufs Bremspedal genügt und der Marco Polo steht.

Dann kann man von der Bremse gehen und das Fahrzeug bleibt stehen, wo es ist. Und natürlich ist das Automatikgetriebe mit Schaltwippen bergauf/bergab bequem und einfach zu bedienen.

Dann noch ein Stadtbesuch. Parkplatz ist wiederum kein Problem, der Vanlife passt in fast jede Tiefgarage, da der Testwagen keine zwei Meter Höhe und „nur“ etwas über fünf Meter Länge misst.

Auch enge Straßen oder Kurven meistert der Marco Polo aufgrund seiner Größe – oder sollte ich besser sagen „Kleinheit“ – so einfach wie ein Pkw. Das Mercedes Navigationssystem – einfach zu bedienen über den Touchscreen – führt präzise und stressfrei zum Ziel.

Tipp

Bei Golfplatzbesuchen während der Rundreise gilt, dass es tatsächlich viele Anlagen gibt, auf denen man mit einem Reisemobil willkommen ist. Teilweise ist sogar eine Infrastruktur vorhanden. Es empfiehlt sich aber, mit dem Golfplatzsekretariat abzuklären, ob man über Nacht auf dem Stellbzw. Parkplatz bleiben kann.

Fazit

„Nur ein Mercedes ist ein Mercedes“ trifft auch hier auf den Punkt. Der Marco Polo – auf Basis der V-Klasse – ist ein echtes Luxusfahrzeug, das keinen Wunsch offen lässt in Sachen Fahr- und Reisekomfort.

Einziger Wermutstropfen vielleicht die aus Platzgründen fehlende Nasszelle, aber das ist eine andere und vor allem sehr persönliche Geschichte.

Info: www.mercedes-benz.com

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