02.06.2021 | 14:53

„Sollte eher ein Vorteil für uns sein“

Markus Scheck
Markus Scheck

Paul Casey kehrt als Titelverteidiger zur Porsche European Open zurück. Im GT-Exklusivinterview erzählt er von seiner Renn-Leidenschaft, sowie seinen Major- und Ryder-Cup-Ambitionen.


Nach einem Jahr (Corona)-Pause schlagen die weltbesten Golfer wieder zur Porsche European Open auf dem Porsche Nord Course des Green Eagle Golf Courses ab. Das Teilnehmerfeld kann sich erneut sehen lassen. So gibt etwa der zweimalige Major-Champion Martin Kaymer sein Hamburg-Debüt bei dem prestigeträchtigen Event. Deutschlands Vorzeigegolfer wird dabei ab Samstag auf namhafte Konkurrenz treffen.

So haben etwa der Mexikaner Abraham Ancer (Nummer 19 der Welt) sowie Schwedens Ryder Cup Held und Open Champion von 2016, Henrik Stenson, bereits ihre Zusage gegeben. Von deutscher Seite werden vor allem die formstarken Max Kieffer, Nicolai von Dellingshausen und Sebastian Heisele zu beachten sein. Der Topstar der Veranstaltung ist aber Titelverteidiger Paul Casey, der 2019 das Turnier auf eindrucksvolle Weise für sich entscheiden konnte und seinen erneuten Start in Deutschland früh zusagte. Wir sprachen im Vorfeld zum Turnier exklusiv mit dem englischen Ryder Cup Ass und Porsche-Botschafter über seine Pläne und Ziele für 2021.

Paul Casey im Interview

Paul, Sie verteidigen in wenigen Wochen Ihren Titel bei den PEO. Mit welchen Erinnerungen kehren Sie nach Hamburg zurück?

„Die Erinnerungen sind: ‚Was für eine großartige Woche!‘ Ich habe als Teenager schon als Volunteer für die „European Open“ in England gearbeitet und konnte so die besten Spieler live sehen. Mit dem Sieg vor zwei Jahren hat sich ein Kreis geschlossen. Dass ich nun derjenige war, der dieses Turnier gewinnen konnte, war ein unbeschreibliches Gefühl und bedeutet mir persönlich immens viel. Es ist eines der wirklich wichtigen Events, die wir auf der European Tour haben und mit viel Geschichte. Insofern bin ich auch super aufgeregt, zurückzukommen, und das hat mehrere Gründe. Zum einen konnte ich in Europa noch nie einen Titel erfolgreich verteidigen. Zum anderen war ich nun wirklich eine lange Zeit nicht mehr in Europa. Ich traf zwar einige Kollegen bei den Turnieren im Mittleren Osten, aber ich möchte in Europa sein und den Kontakt mit den Fans haben. Und ich bin schon sehr gespannt auf die Änderungen am Porsche Nord Course, die die Green Eagle Golf Courses vorgenommen haben.“

Exklusiv im Interview: Paul Casey
Exklusiv im Interview: Paul Casey

Casey vor Porsche European Open: Traum wurde Realität

Ein Jahr nach Ihrem Sieg in Hamburg wurden Sie zum Porsche-Botschafter ernannt. Welche Bedeutung hat das für Sie und welche Affinität verbindet Sie mit der Marke?

„Ich bin seit vielen, vielen Jahren ein großer Porsche-Fan. Ich hatte im Jahr 2004 bereits meinen ersten Porsche, lange bevor wir diese Partnerschaft eingingen. Insofern ist das eine komplett natürliche, organische Beziehung. Ich war immer schon ein Autofan und hatte Bilder von einem Porsche 959 an meiner Wand hängen. Ich hatte als Kind auch das Bestreben, Rennfahrer zu werden. Mein Leben abseits des Golfsports ist extrem stark von Autos dominiert. Ich verbringe viel Zeit damit, mit Freunden über Autos, Modelle oder Motoren zu philosophieren. Ich gehe gerne bei Gelegenheit auf Rennstrecken. Es ist daher eine unglaublich tolle Sache, Teil der Porsche-Familie zu sein. Hier wurde ein Traum Realität.

Haben Sie ein Lieblingsmodell?

„Ich würde sagen, alles, was in die Richtung Rennautos geht. Der 911 ist für mich die Nummer 1, von den Modellen zurückgehend.“bis ins Jahr 1965. Mein klassischer „Sweetspot“ ist wahrscheinlich der 997 GT3 und GT3 RS aus der Generation 2007 und 2011.

Sprechen wir über Golf: Sie haben 21-mal im Profizirkus auf der ganzen Welt gewonnen. Ihr bestes Resultat in einem Major war letztes Jahr der zweite Platz bei der PGA Championship. Denken Sie, dass Sie dem Gewinn eines der ganz großen Turniere näher kommen?

„Ich bin jetzt 43 und viele Leute gehen wahrscheinlich davon aus, dass sich meine Karriere in eine Richtung entwickeln wird. Für meinen Teil habe aber ich das Gefühl, dass meine Chancen immer besser werden. Physisch bin ich in guter Verfassung und arbeite hart daran. Ich habe genug Länge und ein sehr gutes Ballstriking. Auf mentaler und emotionaler Seite ist mein Wunsch, ein Major zu gewinnen, unverändert groß. Meine Familie steht aber nun an erster Stelle, insofern denke ich, dass ich mir nicht mehr ganz so viel Druck auferlege wie früher. Natürlich bräuchte ich auch eine Portion Glück, denn Spieler wie Dustin oder Rory, wenn die ihr bestes Golf zeigen, sind nur schwer zu schlagen. Aber wenn sich die Gelegenheit eröffnen sollte, wer weiß?“

 

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Ryder Cup: Möchte auf jeden Fall wieder dabei sein

Wir befinden uns in einem Ryder Cup-Jahr. Sie waren 4-mal Teil des europäischen Teams, das letzte Mal 2018 in Frankreich nach einer Pause von zehn Jahren. Was nehmen Sie von diesem Erlebnis mit?

„Dieser Sonntag in Paris war wahrscheinlich eines der großartigsten Erlebnisse, die ich jemals auf dem Golfplatz hatte. Ich bin extrem stolz darauf, vor allem nachdem ich zehn Jahre nicht dabei war. Es gab ab 2011 eine Phase von Verletzungen und danach habe ich mich auf die PGA Tour in den USA konzentriert, weil wir hier mit unserer Familie zu Hause sind. Als ich mir dann das Ziel setzte, mich 2018 für den Ryder Cup zu qualifizieren, wollte ich natürlich auch etwas beitragen, sprich dem Team dabei helfen zu gewinnen. Und ich hatte das Gefühl, dass ich das kann. Es war ein mehr als zweijähriger Prozess, ich musste zunächst wieder die European Tour Mitgliedschaft annehmen etc. Am Ende dabei zu sein, am Samstag mit Tyrrell einen Punkt zu holen und das Single-Match am Sonntag gegen Brooks Koepka zu teilen, war eine durch und durch lohnende Erfahrung. Die Amerikaner werden in diesem Jahr alles daran setzen, sich den Cup zurückzuholen und es wird sicher schwierig für uns, sie zu schlagen, aber ich möchte auf jeden Fall wieder dabei sein.“

Was muss Team Europe tun, um den Cup dieses Jahr zu verteidigen?

„Es wird darum gehen, gute Golfschläge zu machen, aber vielmehr noch, die Putts zu lochen. Aber das wird nicht einfach, denn die Amerikaner haben den Vorteil des ’13. Mannes‘. Die Fans sind ein wichtiges Element, und ich finde das toll, denn das macht das Event ja auch aus. Vor den amerikanischen Fans zu spielen kann aber auch ein wenig einschüchternd sein. Aber wir werden versuchen, die Amerikaner zu schlagen, und das würde den Sieg nur noch süßer machen. Wir werden alles aus uns rausholen müssen, aber ich denke, wir können es schaffen.“

Whistling Straits: Vorteil für Europa

Wie würden Sie den Ryder Cup Austragungsort Whistling Straits charakterisieren?

„Es ist ein interessanter Schauplatz, kein klassischer amerikanischer Country Club wie etwa Winged Foot oder Oakmont. Ich denke, dass das Design sogar uns zugute kommen könnte. Der Platz ist eher eng, man braucht gutes Shotmaking. Ich weiß nicht, wie sich der Platz im September spielen wird mit niedrigeren Temperaturen und Wind, aber das sollte eher ein Vorteil für uns sein.“

2021 ist auch ein Olympiajahr. Beim letzten Mal 2016 in Rio gab es mit Justin Rose einen britischen Goldmedaillengewinner. Für den Fall, dass Sie sich qualifizieren, würden Sie den langen Weg nach Tokio auf sich nehmen?

„Ich habe immer gesagt, ich würde wahnsinnig gerne dabei sein. Ich sah, wie stolz Justin war, als er die Goldmedaille gewann. Er spricht noch heute die ganze Zeit davon. Großbritannien bei Olympia zu repräsentieren, wäre eine große Ehre. Ich denke, wenn ich mich qualifiziere, habe ich eine gute Chance, auch eine Medaille zu holen. Es kann auch sein, dass dies meine letzte Gelegenheit ist dabei zu sein. Wenngleich man schon auch sagen muss: Das, was die Olympischen Spiele so besonders macht, das Athletendorf, der Austausch mit anderen Sportlern, die Eröffnungszeremonie, das Bilden von neuen Freundschaften – nichts von alledem wird dieses Jahr so sein wie früher. Das olympische Erlebnis wird ein komplett anderes sein. Aber ich möchte eine Medaille holen, ich möchte ein Olympionike sein, also bleibe ich dabei, dass, wenn ich mich qualifiziere, ich auch dabei bin.“

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