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Was ist wirklich wichtig? 12.09.2018

Was ist wirklich wichtig? "Wenn die wichtigen Bausteine falsch sind, hilft ein Feintuning auch nicht mehr"
Was ist wirklich wichtig? "Wenn die wichtigen Bausteine falsch sind, hilft ein Feintuning auch nicht mehr"
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Über ein sinnvolles Verhältnis von Basis-Parametern und Details.
von Johannes Herbig, Inhaber der Fitting-Schmiede Clubmate Golf


Nach zwei Jahrzehnten im Fitting- und Schlägerbau haben wir eine Zusammenfassung erstellt, die zeigt, was rund um das Thema Anpassungen/Fitting tatsächlich relevant ist. Wir erleben es immer wieder, dass Spieler mit angelesenem Halbwissen zum Fittingtermin erscheinen und dabei so in irrelevanten Details gefangen sind, dass die eigentlich entscheidenden Parameter für einen funktionierenden Schlägersatz nicht mehr vorhanden sind. 

Die zwei Basis-Parameter Spiellänge und Gewicht
Diese Komponenten haben unmittelbaren Einfluss auf den Golfschläger und sind absolut entscheidend für die Anpassungen eines Schlägers an den jeweiligen Spieler. Sollten Sie einen Schlägersatz spielen, der von der Spiellänge her zu lang oder zu kurz ist, wird ein qualitativ guter Golfschwung schwer durchführbar. Sie haben kaum Chancen, sich sinnvoll an den Ball zu stellen, um aus einer guten Position heraus eine wiederholbare Bewegung auszuführen. 

Grundsätzlich gilt, dass zu kurz einfacher zu kompensieren ist als zu lang. Idealerweise wäre „passend“ die sinnvollste Alternative. In den vergangenen Jahren erlebten wir immer wieder unpassendes Material, da nach einer einfachen Berechnungsformel aus dem Internet vorgegangen wird, die zwar ein Indiz darstellen kann, aber nie die Entscheidung über endgültige Spiellänge sein sollte. 

Neben den üblichen Parametern Körpergröße und Abstand Handgelenksfalte zum Boden können noch weitere Körpermaße entscheidenden Einfluss auf die optimale Spiellänge haben. Ein einfach zu identifizierender Faktor ist die Beinlänge. Lange Beine können einen längeren Schläger zur Folge haben, als es die Messung Handgelenk-Boden vermuten ließe. Dies wird aber in den meisten Berechnungsformeln nicht abgebildet. 

Der zweite primäre Einflussfaktor – das Schlägergewicht – hat großen Einfluss darauf, ob ein(e) Spieler/in in der Lage ist, die entsprechenden Schläger zu kontrollieren. Für jeden Golfer gibt es ein zu schwer – aber auch ein zu leicht. Im Rahmen des Fittings gilt es herauszufinden, mit welcher Gesamtmasse bei den jeweiligen Schläger-Typen die höchste Zuverlässigkeit erreicht wird. 

Zu schweres Material führt zum Schwung von außen
Unserer Erfahrung nach führt zu schweres Material häufig zum Schwung von außen, da anstelle der Schwungeinleitung aus dem Unterkörper die leichter einsetzbaren Muskeln im Oberkörper und den Armen zur Schlägerbeschleunigung genutzt werden. Spieler verwenden dann den Schläger eher wie eine Axt. Weniger wie einen Golfschläger. 

Ist das Material zu leicht, ist es schwer, den Ball konstant gut zu treffen. Die Anzahl der Sweetspot-Treffer ist kleiner, die Ballflüge wenig zuverlässig und die Streuung entsprechend groß. Sollte Ihre Genauigkeit also der eines 
klassischen Salzstreuers entsprechen, könnte das Gesamtgewicht Ihrer Schläger ein Faktor für dieses Problem sein. 

Die Faktoren Schwunggewicht /MOI (Moment of Inertia) und Lie-Winkel
Die Balance eines Schlägers – egal, ob nach Schwunggewichtskonzept oder MOI gebaut – hat Einfluss auf Treffergüte und Funktionalität. Einflussfaktoren sind hier das Kopfgewicht, die Spiellänge und das Schaftgewicht. 

Im Schwunggewichtskonzept spielt das Griffgewicht eine große Rolle – im MOI-Konzept eher nicht. Die Suche nach Balance schließt sich an den Prozess zur Bestimmung der Basis-Parameter Länge/Gesamtgewicht an. Hier wird mit unterschiedlichen Kopfgewichten getestet, wann die Anzahl guter Treffer am höchsten ist. 

Ob der Bau nach Schwunggewicht oder MOI die überlegene Konstruktionsweise ist, ist eine fast philosophische Frage. Wichtig ist, dass dieser Schritt im Rahmen des Fittings eine Rolle spielt, um die optimale Performance aus den Schlägern herauszuholen. 

Den Ball interessiert es nicht, wie das Schlägerblatt in der Ansprechposition hinter ihm steht
Der Lie-Winkel ist eine dynamische Funktion und hat nicht zwingend mit den Körpermaßen zu tun. Natürlich versuchen einige Anbieter anhand von Fitting-Tools eine direkte Verbindung zu schaffen. Dies halten wir nicht für zielführend, da der Lie erst in der Dynamik Einfluss auf die seitliche Abweichung hat. Den Ball interessiert es nicht, wie das Schlägerblatt in der Ansprechposition hinter ihm steht. Entscheidend ist der Impact. 

Ein unpassender Lie-Winkel hat bei Schlägern mit viel Loft einen höheren Einfluss auf die seitliche Abweichung als bei Schlägern mit wenig Loft. 

Erst wenn diese Parameter stimmen, kann man sich den Details des Fittings widmen. Griffstärke, Schaftmaterial, EI-Biegeprofile, reale Schafthärte/Flex/cpm – all das sind Faktoren, die die Qualität eines Schlägersatzes mitbestimmen. Wenn aber die wichtigen Bausteine falsch sind, hilft ein Feintuning leider auch nicht mehr. 


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