09.07.2020

Maximale Länge mit dem Driver

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Wer lange und solide Drives schlagen möchte, sollte an den drei folgenden Eigenschaften arbeiten.

Freddy und Patrick Braun von www.belowpar.de

 

Golf ist ein Zielspiel. Doch wer den Ball mit dem ersten Schlag möglichst nah an dieses Ziel heran bringt, hat einen immensen Vorteil. Während in der Profiwelt derzeit fleißig darüber diskutiert wird, ob Golfplätze für die Pros zu kurz werden, möchte der durchschnittliche Amateur viel lieber noch einige Meter aus dem eigenen Driver heraus kitzeln.

 

Genau darum geht es in diesem Artikel. In den folgenden Zeilen erkunden wir drei Eigenschaften eines langen, knackigen Drives. Und hoffentlich finden auch Sie darin die ein oder andere Inspiration, um Ihre Drives zu verlängern. Bevor wir loslegen, möchten wir Sie mit den durchschnittlichen Drive-Längen im Amateurbereich vertraut machen. Denn auch wenn es wahnsinnig viel Spaß macht, mit dem Driver auf der Range zu üben und den Pros nachzueifern, so versteckt sich das größte Potential für Verbesserung nicht immer unter der dicksten Schlägerhaube in der Tasche.

 

Wer feststellt, dass er den Ball durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich weit schlägt, ist selbstverständlich herzlich eingeladen, den Artikel zu Ende zu lesen und die Tipps darin anzuwenden. Trotzdem sollten Sie sich in diesem Fall die Frage nach Ihrem optimalen Trainingseinsatz stellen und überlegen, ob Sie nicht zumindest einen Teil Ihres Trainings auf der Range gegen eine vernünftige Kurzspiel-Trainingseinheit eintauschen.

 

Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittliche Drivelänge — nach HCP-Klasse sortiert. Kopf hinter der Auswertung ist die Firma Game Golf. Game Golf stellt einen GPS Tracker her, welcher unsere Runde aufzeichnet, dabei allerlei Daten sammelt und diese an die zugehörige App weitergibt.

 

Durchschnittsdistanzen nach HCP-Klasse:

 

  • unter 5: 229 Meter
  • 5-10: 211 Meter
  • 10-19: 196 Meter
  • 19-28: 178 Meter
  • mehr als 28: 162 Meter

 

 

Zum Vergleich: 

 

Die durchschnittliche Drivelänge eines PGA Tour Profis liegt in der laufenden Saison bei rund 270 Meter. Ganze 40 Meter länger als der durchschnittliche Drive eines Spielers mit Handicap 5. Egal, was jemand auf der Clubterrasse von sich behauptet: Amateure schlagen keine „Bombs“, wie es Phil Mickelson in letzter Zeit gerne formuliert.

 

Wer das ändern möchte, sollte an den drei folgenden Eigenschaften, die für lange Drives wichtig sind, arbeiten:

  • hohe Ballgeschwindigkeit, 
  • richtige Abflughöhe
  • weniger Spin
Die folgenden Tipps basieren auf diesen Eigenschaften.

#1: Spielen Sie den richtigen Driver

Wir haben bereits mehrfach darüber geschrieben, dass die Golfindustrie eine „Quix-Fix“-Industrie ist. Im Halbjahrestakt kommen neue Schlägermodelle auf den Markt — alle mit mehr oder weniger dem gleichen Versprechen: Mehr Länge dank brandneuer, bahnbrechender Technologie. Zudem soll das neue Modell deutlich fehlerverzeihender sein als der Vorgänger.
Während diese Werbeversprechen durchaus richtig sein können, so ist es in unseren Augen ein großer Fehler, diesen blind — und ohne Abstimmung mit einem Pro oder Schlägerfitter — zu vertrauen. Der Golfschwung ist individuell. Und dazu keine leichte Bewegung. Das Cleverste, was wir deshalb tun sollten, ist einen Driver zu spielen, der zu uns passt. Nicht nur spielt sich ein gefitteter Schläger leichter. Ein gefitteter Schläger macht uns länger.
Achten Sie dabei vor allem auf die richtige Kombination aus Schaft und Schlägerkopf. Und tun Sie all das unter den Augen von jemandem, der weiß, was er tut und das richtige Equipment hat, um seine Vermutungen zu überprüfen. Jeder Schlägerkopf und jeder Schaft hat unterschiedliche Eigenschaften, die erst zusammen ihre volle Wirkung entfalten. Während ein niedrigerer Loft bei einem Spieler zu 5 Meter mehr Länge führt, kann dieselbe Änderung einem anderen Spieler gut und gerne 5 Meter abnehmen

46 Inches?

Und das ist nicht das einzige Paradox in der Welt des Schlägerfittings: Die meisten Driverschäfte für Herren sind mittlerweile 46 Inches lang. Denn welcher Amateur will nicht ein, zwei Meter mehr Länge vom Tee? Und welcher Schlägerhersteller würde diesem Wunsch nicht nachkommen wollen? Es stimmt, dass es uns ein längerer Schaft erlaubt, den Schläger schneller zu schwingen. Und es stimmt, dass das in der Theorie zu mehr Länge führt.
Es stimmt allerdings auch, dass es ein längerer Schaft schwieriger macht, den Sweetspot zu finden. Die meisten Schäfte auf der Tour sind deshalb deutlich kürzer als 46 Inches. Denn eine schnellere Schwunggeschwindigkeit ist nur dann etwas wert, wenn wir dabei auch die Mitte der Schlagfläche finden. Wir persönlich spielen beide mit einem etwas kürzeren Driverschaft, da wir in der Vergangenheit immer wieder negative Erfahrungen mit zu langen Schäften gemacht haben.
Gewonnene Extra-Meter machen logischerweise nur dann Sinn, wenn unser Ball auch die richtige Spielbahn findet. Plus: Die Chance, den Sweetspot zu finden, erhöht sich mit einem kürzeren Schaft. Und das ist letztendlich nicht nur für die Richtung unseres Balles, sondern auch für dessen Länge von Vorteil. Sprechen Sie Ihren Schlägerfitter daher auf einen kürzeren Schaft an.
Apropos Sweetspot-Treffer:

#2: Verbessern Sie Ihren Treffmoment

Der Sweetspot hat seinen Namen nicht umsonst. Wer regelmäßig die Mitte der Schlagfläche findet, wird nicht nur konstanter, sondern auch länger.
Der Belgier Nicolas Colsaerts ist in Punkto Länge auf der European Tour regelmäßig vorne mit dabei. Selbstverständlich spielt Colsaerts Körpergröße und die damit verbundene Hebelwirkung dabei eine Rolle. Doch Colsaerts schenkt dem Treffmoment während des Trainings viel Aufmerksamkeit — und das ist etwas, was wir Amateure problemlos übernehmen können.
Das Schöne: Oft lässt sich unser Treffmoment schon verbessern, wenn wir diesen sichtbar machen. Sprechen Sie Ihren Trainer auf Impact-Etiketten an oder bestellen Sie sich welche im Netz.
Impact Etiketten werden auf die Schlagfläche des Drivers geklebt und hinterlassen nach jedem Schlag einen Abdruck an der Stelle, an der der Ball getroffen wurde. Das ist wertvolles Feedback auf dem Weg zu mehr Konstanz. Denn oft ist eine simple Korrektur, wie etwa das Verringern oder Vergrößern des Abstandes vom Ball in der Ansprechposition, schon ausreichend, um den Treffmoment zu verbessern.

#3: Auf-, statt abwärts

Drives haben im Gegensatz zu Eisenschlägen eine entscheidende Besonderheit: Wir möchten den Ball in der Auf- statt in der Abwärtsbewegung treffen. Denn während wir bei einem Eisenschlag möchten, dass sich der tiefste Punkt des Schlägers hinter dem Treffmoment befindet, um Spin zu kreieren, möchten wir unseren Ball mit dem Driver hoch und mit wenig Spin starten lassen.
Gerade Golfern mit niedriger Schwunggeschwindigkeit verhilft ein höherer Abflugwinkel zu mehr Länge. Da wir Drives vom linken Fuß spielen, sollte der Schläger durch die natürliche Bewegung ohnehin bereits wieder in der Aufwärtsbewegung sein. Wer das jedoch überprüfen oder verbessern möchte, der legt einfach eine leere Packung Bälle, zwei Schlägerkopfbreiten entfernt vor dem Ball auf den Boden. Ziel ist es jetzt, den Ball über die Packung zu feuern ohne die Packung dabei zu treffen.

Grundlagen das A und O

Ein Wort zum Schluss: Wenn es einen Punkt gibt, den wir zum Ende dieses Artikels noch einmal unterstreichen wollen, dann ist es dieser:
Die Grundlagen sind beim Golf das A und das O. Nicht nur gehört eine solide Ansprechposition zu den Grundlagen. Auch ein gefitteter Driver gehört für uns auf diese Liste. Ein gefitteter Driver macht uns nicht nur länger, sondern hilft uns gleichzeitig dabei, den Sweetspot regelmäßiger zu finden. Die daraus resultierende Konstanz sorgt für mehr Selbstvertrauen und davon können wir beim Golf bekanntlich nie genug haben.
Freddy und Patrick Braun sind Brüder, Plus- und Singlehandicapper (+1,4 & 3,6), Bundesliga-Spieler und die Köpfe hinter der Golftrainings-Website BelowPar.de. Freddy spielte vier Jahre lang College Golf in den USA, wo er mit der Wilmington University bei den nationalen Meisterschaften 2016 unter die Top 8 Teams des Landes kam. Während seiner Zeit in den USA lernte er unter anderem von PGA-Tour-Trainern und gewann mehrere Turniere mit dem Team.

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