05.07.2022 | 15:35

Medical Golfing – die Basis

Golftimer
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Medical Golfing – die Rumpfneigung. Eine korrekt ausgeführte Vorneigung des Oberkörpers in der Ansprechposition ist die beste Fehlerprävention für Schwung und Körper. Vier ausgewählte Übungen als Fundament für die richtige Ausführung.


Die Position des Rumpfes in der Ansprechposition unterscheidet sich vom aufrechten Stand durch die Vorneigung des Rumpfes. Diese Bewegung sieht bei Profis sehr leicht und natürlich aus. Tatsächlich ist sie einstudiert und bewusst ausgeführt.

Der Sportler soll in der Bewegung drei grundlegende Aspekte koordinieren können: die Ausrichtung von Kopf, Becken und Brustkorb, die Stabilisierung des Rumpfes während der Bewegung und die Initiierung der Bewegung aus den Hüftgelenken.

Längsspannung und Stabilität als Schlüssel

Die Vorneigung des Rumpfes ist eine Bewegung, die die Wirbelsäule bei falscher Ausführung stark belastet. Die beste Prävention ist, schon vor der Beugung Längsspannung in der Wirbelsäule aufzubauen. Die Wirbelsäule, die Verbindung zwischen Kopf und Becken, bildet mit dem Brustkorb das Rumpfskelett. Befindet sie sich in aufrechter Position und in Längsspannung, so wird automatisch auch der Brustkorb leicht gestreckt.

Die einzelnen Körperteile stehen dann zentriert übereinander und die Wirbelsäule behält ihre doppelte s-förmige Krümmung. So trägt sich der Rumpf praktisch selbst, mit einem Minimum an muskulärer Haltearbeit.

+++ Zum Thema: Medical Golfing – das Setup +++

In der Ansprechposition empfiehlt sich aus biomechanischer Sicht eine Rumpfvorneigung von 24 bis 30°. Aus dieser Position kann eine Becken- und Rumpfdrehung im Aufschwung ausgeführt werden, ohne die Vorneigung zu verändern.

Fast 65 Prozent der Golfspieler verlieren beim Golfschwung die Stabilität der Haltung aus drei Gründen: erstens, wenig bewegliche Hüftgelenke; zweitens, die unzureichende Fähigkeit, Oberkörper und Beine isoliert zu bewegen und drittens, ein instabiler Oberkörper während des Golfschwungs.

Anpassung der Körperneigung am Hang

Liegt der Ball tiefer oder höher als Ihre Standposition, gleichen Sie dies über die Neigung des Oberkörpers aus, die Position der Knie bleibt stabil. Liegt der Ball tiefer, so neigen Sie den Oberkörper stärker nach vorn. Wenn der Ball höher liegt, so wird der Neigungswinkel kleiner und Sie müssen den Schläger etwas kürzer fassen.

Anpassung der Körperneigung am Hang
Anpassung der Körperneigung am Hang

Anpassung der Vorneigung an die Schlägerlänge

In unterschiedlichen Situationen kommen unterschiedliche Schläger zum Einsatz. Der mittellange Schläger führt in der Ansprechposition zu einer Vorneigung des Oberkörpers von ca. 30°.

Bei einem kürzeren Schläger vergrößert sich die Neigung, die Knie behalten jedoch ihre Beugung bei. Lange Schläger verringern die Oberkörperneigung analog umgekehrt.

Anpassung der Vorneigung an die Schlägerlänge
Anpassung der Vorneigung an die Schlägerlänge

Medical Golfing Übungen

1. Sumo

Ziel: Vorbeuge des Rumpfes im Hüftgelenk aus dem breiten Stand, Kraftaufbau

Aktion: Sie beginnen die Übung im gegrätschten Stand mit leicht nach außen gedrehten Füßen. Bauen Sie Längsspannung in der Wirbelsäule auf. Legen Sie die Hände auf die Hüften, mit den Zeigefingern auf den Leisten.

Beugen Sie die Knie und gehen Sie in die Vorbeuge. Behalten Sie die Längsspannung im Rücken bei. Die Zeigefinger auf den Leisten helfen, die Beugung sauber aus der Hüfte heraus auszuführen.

Aufgepasst: Bei dieser Übung gehen Sie etwas tiefer in die Knie – Sie können bis zur 90°-Grenze gehen.

Medical Golfing Übung: Sumo
Medical Golfing Übung: Sumo

2. Diener

Ziel: Vorneigung des Rumpfes im Hüftgelenk im Stand, Körperwahrnehmung

Aktion: Sie stehen im breiten Stand mit den Händen in den Hüften, der Blick ist nach vorn gerichtet. Bauen Sie Längsspannung in der Wirbelsäule auf, gehen Sie leicht in die Knie und beugen Sie sich mit geradem Rücken nach vorn. Die Beugung erfolgt ausschließlich im Hüftgelenk. Kommen Sie dann in die Ausgangsstellung zurück.

Aufgepasst: Achten Sie darauf, die Längsspannung während der Übung ständig aufrechtzuerhalten und den Rücken nicht aufzuwölben oder ins Hohlkreuz zu fallen. Beugen Sie sich nicht weiter als 90° nach vorn.

Medical Golfing Übung: Diener
Medical Golfing Übung: Diener

3. Hund

Ziel: Vorbeuge des Rumpfes im Hüftgelenk aus dem Vierfüßlerstand heraus, Kraftaufbau

Aktion: Sie beginnen im Vierfüßlerstand, die Zehen sind aufgestellt. Bauen Sie Längsspannung in der Wirbelsäule auf. Nutzen Sie die Kraft der Längsspannung, um Ihre Knie abzuheben.

Verlagern Sie Ihr Gewicht nach hinten und bringen Sie Ihr Gesäß nach oben, bis der Rücken gerade ist. Die Knie bleiben dabei leicht gebeugt, die Arme gestreckt, der Rücken gerade, der Rumpf stabil, die Wirbelsäule behält ihre Längsspannung.

Aufgepasst: Achten Sie auf die Beugung aus der Hüfte heraus; so werden Ihre Handgelenke weniger belastet.

Medical Golfing Übung: Hund
Medical Golfing Übung: Hund

4. Klappmesser

Ziel: Vorbeuge des Rumpfes im Hüftgelenk, Dehnung der Beinrückseite

Aktion: Sie stehen vor einem Stuhl, ein Fuß ist auf der Sitzfläche abgelegt, beide Beine sind gestreckt. Bauen Sie Längsspannung in der Wirbelsäule auf. Beugen Sie sich dann aus der Hüfte heraus nach vorne, dabei zieht Ihr Sitzbeinhöcker nach oben, die Beinrückseite wird gedehnt. Kommen Sie wieder zurück in die Ausgangsposition.

Aufgepasst: Sie können die Dehnung gerne ein Weilchen halten. Viele Menschen haben verkürzte Beinrückseiten und eine sanfte Dehnung kann sehr angenehm wirken.

Medical Golfing Übung: Klappmesser
Medical Golfing Übung: Klappmesser

Medical Golfing – der Guide

Die Übungen, die nur einen kleinen Auszug aus insgesamt 216 golfspezifisch ausgewählten zu praktisch allen Aspekten des Golfspiels darstellen, empfehlen sich für eine aktive Verlängerung und Stärkung der Wirbelsäule. Damit auch Sie in Zukunft besser und vor allem gesund Golf spielen …

Medical Golfing: Erschienen im Trias Verlag, Stuttgart, 2022
Medical Golfing: Erschienen im Trias Verlag, Stuttgart, 2022

Über die Medical Golfing Autorin/Autoren

Der Arzt und Forscher Dr. med. Christian Larsen ist Mitbegründer der Spiraldynamik® und Autor zahlreicher Bestseller. Seit seiner Jugend faszinieren ihn die Themen Bewegung, Bewusstsein und Medizin. Er praktizierte Yoga in Indien, Aikido in Japan und Survivaltrainings in Alaska. Heute joggt er und lässt sich für den Golfsport begeistern. Als Arzt setzt er sich seit dreißig Jahren für „gesunde Bewegung“ ein – oft mit verblüffenden Ansätzen und überraschenden Ergebnissen.

Petra Zbuzkova war Leistungs-Golferin und arbeitet heute als Physiotherapeutin und Pilates-Lehrerin am Spiraldynamik Med Center in Zürich. Fasziniert von spezifischen Bewegungsabläufen entdeckt sie immer wieder neue Zusammenhänge zwischen „Golf“ und „Medical“. Sie stellt individuell passende Übungen zusammen, um Haltungs- und Bewegungsmuster für Golferinnen und Golfer nachhaltig positiv zu verändern.

Mario Caligari wurde vom US-amerikanischen Magazin Golf Digest als einer der weltweit besten Golflehrer ausgezeichnet. Seit 2013 ist er der Nationalcoach des Golfverbands Liechtenstein. Er sagt: „Golfen kann jeder lernen. Dafür braucht es allerdings einen Lehrer, der bereit und fähig ist, auf die individuellen Bedürfnisse seines Gegenübers einzugehen.“ Er ist Swiss PGA Pro und Head Pro im Golf Club von Bad Ragaz.

Erschienen ist „Medical Golfing“ im Trias Verlag, Stuttgart, 2022. ISBN 9783432114408. Der Preis: € 34,99 zzgl. Versand. Auch als E-Book erhältlich.

Copyright: C. Larsen/Thieme

Info: www.thieme.de

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1 Kommentar

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  1. 'Herbert Zireber sagt:

    .Folgende Frage habe ich, ich bin nach links ausgerichtet, bei dieser Position schlage ich entweder einen Socket oder zu fett, ich dachte immer an die Eisenbahnschienen, also entlang der Fußstelkung nach außen schwingen, leider ist das offensichtlich nicht richtig, über Ihre Hilfe würde ich mich freuen