29.03.2021 | 10:21

Der Dreh an der Schraube

Marco Burger
Marco Burger

Die Experten von HIO Fitting in München über die Verstellmöglichkeiten moderner Driver und die Gefahren, die das Drehen an der Schraube mit sich bringt.


Viele moderne Driver verfügen über ein verstellbares Hosel, welches den Schaft mit dem Schlägerkopf verbindet. Manche Hersteller wollen darüber ermöglichen, die Schlagflächenneigung (Loft) des Schlägers verstellen zu können, um so den Ballflug optimal einzustellen und einen zu hohen Ballflug flacher oder umgekehrt einen zu flachen Ballflug höher zu machen.

Viele Golfer machen von diesem Tool auch gerne Gebrauch. Oft allerdings ohne zu wissen, dass man über den Loft auch gleichzeitig den Lie – Winkel zwischen der Horizontalen und dem Schaft – sowie die Schlagflächenstellung – offen und geschlossen – mit verstellt. Dadurch kann es im schlimmsten Fall durch ein selbstständiges Verstellen am Hosel dazu kommen, dass genau das Gegenteil davon erreicht wird, was der Spieler eigentlich wollte.

Für viele Slice-geplagte Spieler, deren typischer Fehlschlag aus einer zu weit geöffneten Schlagfläche entsteht und in einem hohen Ballflug resultiert, der stark nach rechts abdreht und an Länge verliert, wäre es beispielsweise logisch, den Loft zu verringern, um den Ballflug flacher zu halten und mehr Länge zu generieren.

Allerdings führt die Reduzierung des Lofts (z.B. von 10 auf 9 Grad) zu einer Öffnung der Schlagfläche im Verhältnis, die in der Ansprechposition eher nach rechts zeigt. Für den oben genannten Spielertyp wäre das also – auch wenn es auf den ersten Blick logisch erscheint – die denkbar ungünstigste Lösung. Deutlich besser wäre für einen „Slicer“ dagegen, den Loft am Hosel zu erhöhen und darüber die Schlagfläche zu schließen.

Gary Woodland schraubt am Driver
Gary Woodland schraubt am Driver

Hosel: Einstellung je nach Witterung

Gleichzeitig verändert sich über die Verstellung des Lofts auch der Lie-Winkel. Im oben beschriebenen Fall könnte durch das Verändern des Lofts der Ball dann weiter links starten (über einen aufrechteren Lie-Winkel) und die Kurve nach rechts weiter verstärken. Also genau das, was der Spieler beim Verstellen reduzieren wollte.

Eine nützliche Funktion am Rande wäre die Einstellung des Lofts je nach Witterungsbedingungen. Hat es viel geregnet und der Platz ist feucht so kann etwas mehr Loft die Carry Weite verbessern und vice versa. Auch das Golfplatz-Layout kann in die Entscheidung mit einfließen. Spiele ich einen sehr schmalen und eher kurzen Golfplatz, so kann mehr Loft die Sicherheit steigern. Und somit resultieren womöglich mehr Fairwaytreffer.

Verstellen nur mit Bedacht

Grundsätzlich gilt es, die ideale Einstellung am Hosel in einem professionellen Fitting herauszufinden, bei dem diverse Optionen ausprobiert und miteinander verglichen werden können. Einmal gefunden, sollten Golfer nur mit wirklichem Grund die Einstellung verändern und diese zur Sicherheit immer mit dem jeweiligen Trainer/Fitter absprechen. Wenn sich etwas in der Technik verändert, sollte der Fitter des Vertrauens der erste Ansprechpartner sein. Nur so kann man sicherstellen, dass der Schläger immer optimal zum Spieler passt.

Unser Fazit: Die Verstellmöglichkeiten sind ein sehr wertvolles Tool, welches jedoch mit Bedacht genutzt werden soll. Auch eine ständige Veränderung ist aus unserer Sicht ohne erneutes Fitting nicht zu empfehlen.

Fun Fact: Gerade Leftys sollten bei verstellbaren Hosels aufpassen. Wir haben es schon mehrfach erlebt, dass Hersteller aus Versehen ein Hosel für Rechtshänder in Linkshand-Schläger eingebaut haben. Diese benötigen aber ein gespiegeltes Hosel und können sich dann überhaupt nicht mehr darauf verlassen, was am Hosel eingestellt ist.

INFO www.hio-fitting.de

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