24.05.2021 | 09:52

Der große Wurf des Altmeisters

Thomas Fischbacher
Thomas Fischbacher

Phil Mickelson gewinnt die PGA Championship 2021 im Kiawah Island Resort. Der Amerikaner wird dabei zum ältesten Major-Sieger aller Zeiten.


Bernhard Langer betonte bei seinen Gesprächen mit der Presse immer wieder gerne, dass es seiner Meinung nach irgendwann mal einen Major-Sieger im Alter von mehr als 50 Jahren geben würde. Nicht wenige tippten in diesem Fall auf den Deutschen selbst, der beim Masters auch im fortgeschrittenen Alter immer mal wieder vorne mitspielte.

Langer war im vergangenen Jahrzehnt der dominante Akteur auf der PGA Tour Champions, dem Reich der Über-50-Jährigen. Im Juni 2020 rückte der nächste potentielle Überflieger nach. Phil Mickelson feierte seinen 50. Geburtstag, erteilte den Senioren aber zunächst eine Absage. Solange er noch so lange Abschläge (“hitting bombs”) hinbekomme, solange wolle er sich auch mit den jungen Wilden auf der PGA Tour messen.

Doch zuletzt blieben die Ergebnisse aus. Im März fiel der große Phil erstmals seit 1993 aus den Top 100 der Welt. Bei den Major-Turnieren spielte er seit 2016 keine wirkliche Rolle mehr. Bei der legendären Open in Royal Troon hatte er haarscharf gegen Henrik Stenson das Nachsehen.

Dass Mickelson dennoch immer mal wieder zu einer Form findet, die auch auf der PGA Tour noch ausreicht, um ganz vorne dabei zu sein, bewies er bei der Wells Fargo Championship in der vergangenen Woche. Er eröffnete mit 64 Schlägen, führte das Feld in Quail Hollow an, legte dann aber 75, 75 sowie 76 Schläge nach und fiel weit zurück. Es war dennoch eine Demonstration, zu was der Amerikaner noch fähig war.

Dass Mickelson bei der PGA Championship auf Kiawah Island mit eindrucksvoll stabilem Spiel auf einem der schwierigsten Plätze weltweit die junge Elite hinter sich lassen würde, damit rechnete aber kaum ein Experte.

Schwierige Bedingungen auf dem Ocean Course

Auch auf dem kniffligen Ocean Course sah es zunächst nicht nach Erfolg aus. Drei über Par lag er nach sechs Löchern an Tag eins, doch dann ging es rund. Mickelson drehte trotz der Anlaufschwierigkeiten das Tagesergebnis von drei über zu zwei unter Par. Es folgten stabile Runden von 70 und 69 Schlägen und ein zarter Vorsprung auf Ryder-Cup-Kollege Brooks Koepka vor dem Finale.

Bei veränderter Windrichtung an der Atlantikküste erwartete die Kontrahenten alles andere als ein Sonntagsspaziergang an der Atlantikküste. Mickelson machte drei Bogeys auf seinen ersten sieben Löchern mit drei Birdies wett. Koepka, Louis Oosthuizen und andere hatten hingegen größere Probleme.

Koepka patzte vor allem auf den Par-5-Löchern und verabschiedete sich mit einem verpassten kurzen Putt auf der elften Spielbahn aus dem Titelrennen. Oosthuizen kam später mit einem Birdie an der 12 bis auf drei Schläge heran. Ein Doppel-Bogey auf dem Par 4 der 13. Bahn (sein dritter Schlag aus gut 110 Metern landete im Wasser) ließ Mickelsons Vorsprung auf fünf Schläge anwachsen. Und trotz eines eigenen Schlags ins Wasser auf der 13. Bahn – ein Bogey war die Folge – spielte Mickelson mit der Erfahrung von fünf Major-Siegen im Rücken den Sieg nach Hause.

“Ich habe lange Zeit geglaubt, dass ich wieder auf diesem Niveau spielen kann”, so Mickelson nach der Runde. “Es gab für mich keinen Grund, warum ich es nicht konnte. Aber ich habe nicht so gespielt, wie ich es erwartet habe. Mit der Hilfe vieler Leute, vor allem meiner Frau, Andrew Getson (Schwungtrainer), meinem Bruder Tim (Caddie) und Steve Loy (Manager), konnte ich Fortschritte machen und habe es diese Woche geschafft.”

Es war bezeichnend, dass in dieser Woche keinem Teilnehmer ein längerer Abschlag (334 Meter) gelang als dem nun ältesten Major-Sieger aller Zeiten. Mickelsons sechster Major-Sieg zeigt, dass es die richtige Entscheidung war, sich weiterhin auf Herren- statt Senioren-Golf zu konzentrieren.

Das große Ziel: U.S. Open in Torrey Pines

Findet der 50-Jährige zur Sahneform, reicht es noch immer, um die ganz große Bühne zu stürmen. Und dank des Sieges (2,16 Millionen U.S.-Dollar Preisgeld) ist Mickelson in den kommenden fünf Jahren sicher dabei bei allen Majors. Auch bei der U.S. Open, jenem Major, das Mickelson noch nie gewinnen konnte. Zehn Mal sprang dort ein Top-Zehn-Ergebnis heraus, sechs Mal Platz zwei. Doch Mickelson wartet bis heute auf einen Triumph bei diesem für ihn so speziellen Major-Turnier.

So wirklich glaubte keiner mehr daran, dass auch dieses Kapitel in seiner Karriere in einem Happy End mit Pokal münden wird. Dann kam der Auftritt von Kiawah Island. Mindestens fünf Chancen bekommt der Kalifornier dank des Sieges noch für den Karriere-Grand-Slam. Die nächste in Torrey Pines Mitte Juni. Auf dem South Course drehte der Amerikaner bereits als Kind viele Runden und feierte als Profi zahlreiche Erfolge.

Am Samstag während der Turnierwoche wird Mickelson seinen 51. Geburtstag feiern. Einen Tag später folgt vielleicht dann der größte Sieg seiner Karriere.

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