09.07.2024 | 07:00

ACCAPI: Die Sockenkönige von Rezzato

Unternehmer in dritter Generation: Nicolo Chiaruttini führt mit seinem Vater Claudio die Geschicke von ACCAPI
Marcus Brunnthaler
Marcus Brunnthaler

Das Familienunternehmen ACCAPI mit Sitz in Rezzato ist stolz auf seine Produktion von High-Performance-Sporttextilien „Made in Italy“. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen geworfen …


Das beschauliche Städtchen Rezzato, rund eine halbe Stunde östlich von Mailand gelegen, ist für drei Errungenschaften bekannt.

Zunächst für seinen Marmor, wobei der Abbau wegen ausgelaufener Pachtverträge in Rezzato seit geraumer Zeit ruht. Man streitet sich um die Vergabe neuer Lizenzen, ohne zeitnahe Lösung in Sicht.

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Zweitens für seinen Wein – wie im Grunde überall in Italien. Und, Drittens, erlangte Rezzato ab den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts so etwas wie Berühmtheit als Hochburg der italienischen Socken- und Textilfabrikation.

Aber das ist heute nicht mehr ganz so, die Zeiten haben sich geändert.

Firmensitz: Einst von Großvater Bruno gegründet, ist ACCAPI seit jeher im italienischen Rezzato beheimatet. Von hier aus werden die Produkte in alle Welt versandt
Firmensitz: Einst von Großvater Bruno gegründet, ist ACCAPI seit jeher im italienischen Rezzato beheimatet. Von hier aus werden die Produkte in alle Welt versandt

Einst waren in Rezzato über einhundert Textilfabrikanten ansässig. Das rührte daher, dass man in der Region früh damit begonnen hatte, aus Baumwolle hochwertigen Garn zu fertigen.

Woraufhin weiterverarbeitende Industriezweige, wie die, der zur Weiterverarbeitung erforderlichen Herstellung von Maschinen und Gerätschaften, wie Pilze aus dem Boden schossen.

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Rezzato einst Nabel der italienischen Textilindustrie

Innerhalb weniger Jahre hatte sich in und um Rezzato ein Mikrokosmos der Textilindustrie gebildet. Er ermöglichte es, autark und unabhängig von außen zu produzieren.

Aber das ist lange her. Heute finden sich in Rezzato nur noch rund ein Dutzend derartiger Textilfabrikationen – allen voran ACCAPI.

Claudio (l.) und Nicolo Chiaruttini mit einer Kleiderpuppe im „Deutschen Look“: Seit vergangenem Jahr führt ACCAPI eine exklusive Partnerschaft mit dem Deutschen Ski Verband (DSV)
Claudio (l.) und Nicolo Chiaruttini mit einer Kleiderpuppe im „Deutschen Look“: Seit vergangenem Jahr führt ACCAPI eine exklusive Partnerschaft mit dem Deutschen Ski Verband (DSV)

Als Grund nennt Nicolo Chiaruttini, zusammen mit seinem Vater Claudio Inhaber und Geschäftsführer des italienischen Sporttextilunternehmens, die zunehmend schwierige Situation auf dem Weltmarkt.

Vor allem der enorme Preisverfall durch asiatische Importe machen auch der gesamten Textilbranche in Italien zu schaffen.

Aber man lässt sich nicht unterkriegen, ist stolz darauf, nach wie vor „Made in Italy“ von sich behaupten zu können. Und das ist etwas, das sich auch zukünftig nicht ändern soll. Zumindest, wenn
es nach Vater und Sohn Chiaruttini geht.

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ACCAPI: Der Großvater als Gründer

Gegründet hat das Unternehmen bereits in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts Bruno Chiaruttini, der Vater von Claudio bzw. Großvater von Nicolo.

Damals noch unter dem, ins Deutsche übersetzten, Namen „Bruno Chiaruttini Strumpfwaren“. Dabei zu Beginn noch als reiner Fabrikant von Socken für Erwachsene, aber auch Kinder.

Fertigung: Ein soeben produziertes ACCAPI-Shirt
Fertigung: Ein soeben produziertes ACCAPI-Shirt

Das Geschäft florierte und Chiaruttini baute sein Unternehmen dank des wirtschaftlichen Aufschwungs aus. Er fokussierte sich dabei in den 60er-Jahren auf die Ausweitung der Produktion von klassischen Socken in allen Variationen und unter verschiedenen Marken.

Die 70er-Jahre waren schließlich geprägt von innenpolitischen Veränderungen und entsprechenden Herausforderungen. Aber auch von neuen Märkten, die sich außerhalb der italienischen Grenzen eröffneten.

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Das war die Zeit, als Brunos Sohn Claudio in das Unternehmen einstieg. Das mit der selbst betrauten Aufgabe, diese neuen Märkte zu erschließen und den Export der Produkte ins Ausland anzuschieben.

Spezieller, patentierter Infrarotgarn: Die exklusive Kollektion „Bodyguard“ von ACCAPI
Spezieller, patentierter Infrarotgarn: Die exklusive Kollektion „Bodyguard“ von ACCAPI

Erneut eine Dekade später, in den 80ern, folgte der weitere Aufschwung. Ein schicksalhaftes Ereignis sollte dem jedoch vorausgehen.

1980 verstarb der Gründervater, Bruno Chiaruttini, überraschend. Und Sohn Claudio, damals gerade einmal 25 Jahre alt, sah sich – abgesehen von dem schmerzhaften Verlust des Vaters – mit der Herkulesaufgabe konfrontiert, die Geschicke des Familienunternehmens fortan unter seiner alleinigen Führung zu lenken.

„Das war natürlich eine sehr schwierige Situation“, erinnert sich der heute 69-Jährige. „Ich war damals noch sehr jung und wusste zunächst nicht, ob ich der Aufgabe gewachsen sein würde. Aber es gelang.“

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Die Geburtsstunde von ACCAPI in Rezzato

In den 80er-Jahren erfolgte schließlich die Umbenennung des Unternehmens in den heutigen Namen ACCAPI. Was aus der italienischen Bedeutung des Akronyms „High Performance“ resultierte.

Produktion „Mady in Italy“: Ein ACCAPI Shirt dauert rund 15 Minuten, ein Socken circa fünf
Produktion „Mady in Italy“: Ein ACCAPI Shirt dauert rund 15 Minuten, ein Socken circa fünf

Neue Investitionen wurden getätigt und der Fokus auf hochqualitative und hochtechnologische Textilien im Sportbereich, vor allem aber unverändert auf Socken, sollte die primäre Ausrichtung darstellen.

Das Kalkül war dabei einfach: Socken stellen einen unverzichtbaren Teil des Outfits jedes Sportlers dar. Dieser Bereich konnte also als zukunftssicherer Wachstumsmarkt betrachtet werden.

Das Entwickeln zahlreicher innovativer Produkte in dem Segment sowie das Anmelden von Patenten, darunter auch eine spezielle Infrarotfaser, ermöglichten den umfassenden Ausbau der ACCAPI-Produktpalette nach der Jahrtausendwende und bis heute. Sodass das Portfolio inzwischen so ziemlich alle Textilbereiche umfasst.

Qualitäts-Check: Nicolo und Claudio Chiaruttini bei der Überprüfung einzelner Teile
Qualitäts-Check: Nicolo und Claudio Chiaruttini bei der Überprüfung einzelner Teile

Angefangen bei den hochqualitativen Sportsocken über Thermounterwäsche bis hin zu „regenerationsfördern den Sporttextilien“.

Vor allem die Kollektion „Bodyguard“, die durch einen eingewebten Infrarotgarn eine maßgeblich gesteigerte Regeneration und Erholung des Körpers ermöglicht, stellt hier die Königsklasse dar.

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Firmenbesuch bei ACCAPI in Rezzato

Ein permanentes, hochfrequentes Surren liegt in der Luft, das unzählige Maschinen erzeugen, die Reihe an Reihe in der Produktionshalle von ACCAPI alle möglichen Textilien in Echtzeit fertigen.

Faszinierend ist es, dabei zuzusehen, wie innerhalb weniger Minuten aus rund einem Dutzend eingespannter Garnrollen in diversen Farben, am Ende eines Produktionsgangs mit einem lauten „Plopp“ ein fertiger Socken, ein Shirt oder eine Thermohose per Luftdruck durch eine Röhre in einen Auffangbehälter gepumpt werden.

Weiterverarbeitung: In einer der Werkshallen von ACCAPI werden die Produkte für den Versand verpackt
Weiterverarbeitung: In einer der Werkshallen von ACCAPI werden die Produkte für den Versand verpackt

Dort lassen sich die einzelnen Textilien auch gleich einer ersten Prüfung unterziehen. Bevor sie dann zur „Heißmangel“ gebracht werden, die durch Dampferhitzung dafür sorgt, dass die Fasern der Teile einmalig schrumpfen. Und in der Folge so ein „Eingehen“ durch evtl. zukünftiges zu heißes Waschen weitestgehend ausgeschlossen ist.

In Rezzato verfügt ACCAPI über insgesamt drei Werkshallen, die jeweils auf die einzelnen Produktionsschritte spezialisiert sind.

Diese sind die Fertigungsstätte, in der sich auch die Büros und das Designteam befinden. Zudem eine, wohin die Produkte zum Verpacken kommen. Last but not least gibt es eine Versandhalle, in der die final verpackten Produkte zur Auslieferung fertiggemacht werden.

„Made in Italy“ steht dabei auf jeder der Verpackungen. Ein Gütesiegel, dass bei ACCAPI mit ziemlicher Sicherheit noch lange Bestand haben wird.

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