13.10.2022 | 08:23

Bernhard Langer – ein Stiefkind der Medien

Bernhard Langer - ein Stiefkind der Medien
Reinhold Schnupp
Reinhold Schnupp

Bernhard Langer Buch. GOLFTIME druckt exklusiv Auszüge aus dem neuen Buch „Alt werden nur die Anderen“ unseres Autors Reinhold Schnupp. Im zweiten Teil geht es um die Medienpräsenz des zweimaligen U.S.-Masters-Siegers, der lange im Schatten zweier anderer deutscher Sportidole stand.


Wer Bernhard Langers Karriere von heute aus rückwirkend betrachtet, kann durchaus zu einer Bewertung gelangen, die gar nicht so glanzvoll ausfällt.

Es sind vor allem zwei Ursachen, die dabei eine Rolle spielen: Langer, wie schon beschrieben, hat seine Zeit lange aufgeteilt.

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Er hat zum Teil in den USA, zum Teil in Europa gespielt. Er war also in jenen Jahren, als er die größten Erfolge feierte, in Deutschland eher selten. Auch im übrigen europäischen Raum innerhalb eines Jahres nur für ein paar Monate anzutreffen.

Gründe, nach Hause zu kommen, boten ihm allerdings die vier Turniere der damaligen European Tour, die eine Zeit lang in Deutschland ausgetragen wurden.

Es handelte sich um das Traditionsturnier. Die German Open, die nach den British und den French Open, sogar das drittälteste Turnier in Europa war. Ferner um die 1987 ins Leben gerufene BMW International Open.

Außerdem die Deutsche Bank Open, die auch mal Toshiba und Honda Open hieß, sowie das von den Brüdern Langer selbst seit 1988 veranstaltete Mercedes German Masters.

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Vor allem das German Masters, das zunächst in Stuttgart-Solitude, auf Gut Lärchenhof bei Köln und später dann in Motzen bei Berlin ausgetragen wurde, war eine „family affair“ der Langers.

Vom Neffen der Langers, Hubert Meyer, bis hin zu (der inzwischen verstorbenen) Maria, der Schwester, Bruder Erwin und dessen Tochter Martina waren fast alle Familienmitglieder bei diesem Turnier anzutreffen. Jeder half mit, später auch Langers älteste Tochter Jackie Carol, die von seinen vier Kindern am besten Deutsch spricht.

Die Turniere in seiner Heimat nutzte Bernhard Langer oft auch zu einem Abstecher in sein Haus in Anhausen, das genau neben seinem Elternhaus steht. Vor allem aus Anlass dieser Turniere geriet Langer immer wieder auch ins Blickfeld der Medien.

Medienpräsenz Bernhard Langer

Doch meist handelte es sich nur um aktuelle Berichte über das sportliche Geschehen. Hintergründe zu seinem Leben oder Interviews konnten eigentlich nur Leser der Fachzeitschriften erfahren und lesen. Für den Großteil der Öffentlichkeit blieb der deutsche Golfer eine kaum zu greifende Sphinx.

Gewann er in Europa oder mit dem europäischen Ryder Cup Team, war das den meisten Zeitungen oft nur einen kleinen Bericht wert.

In der BILD etwa kam Deutschlands bester Golfer meist nur in den Kurzmeldungen vor. Das lag aber nicht nur an dem schwer zu greifenden Langer selbst, auch nicht an seinem Sport, der mit der Zeit ja immer populärer wurde.

+++ Zum Thema: Bernhard Langer – Comeback nach der großen Krise +++

Die Aufmerksamkeit jener Jahre gehörte anderen: vor allem Boris Becker und Steffi Graf, später Michael Schumacher. Der U.S.-Masters-Sieg Langers 1985 war eine Sensation, es gab auch Bilder davon im Fernsehen. Aber es handelte sich im Vergleich zu Becker auch hier wieder nur um eine Randerscheinung.

Auch Becker nämlich gewann in jenem Jahr, als Langer in Augusta sich erstmals das Grüne Jackett überstreifen lassen durfte, sein erstes Grand-Slam-Turnier: Wimbledon. Und dessen Volleys und Hechtsprünge auf dem Rasen in London fand die deutsche Öffentlichkeit spektakulärer als Langers Putts.

Bernhard Langer gewann sensationelle zweimal das Masters im Augusta National Golf Club: In den Jahren 1985 und 1993
Bernhard Langer gewann sensationelle zweimal das Masters im Augusta National Golf Club: In
den Jahren 1985 und 1993

Wenn es um die Medienpräsenz geht, dann hatte Langer auch noch das Pech, dass Becker im Jahr darauf erneut in London siegte und einen dritten Erfolg 1989 folgen ließ.

Die Jahreszahlen 1985, 1986 und 1989, die eine Zeit lang jedes Kind in Zusammenhang mit dem Leimener aufsagen konnte, veränderten durch Becker das Sportinteresse des deutschen Publikums.

Es entstand ein Hype um den weißen Sport, der durch die spektakulären Siege eines jungen Mädchens namens Stefanie Graf bald weiter befeuert wurde. Langer, der mit der Einführung der Golf-Weltrangliste 1986 gleich Platz eins belegte, blieb im Hintergrund.

Langers Bild in der Öffentlichkeit

In den Jahren von 2008 bis 2020 erging es Langer dann erneut ähnlich. Er hielt sich überwiegend in den USA auf, er siegte zwar unablässig, aber das waren ja angeblich nur Erfolge auf der PGA Tour Champions, einer Turnierserie, auf der es keine Punkte mehr gibt für die Weltrangliste.

In Deutschland wissen oft nicht einmal Sportjournalisten den Wert dieser Turnierserie einzuordnen, obwohl es zwar auch in Europa eine ähnliche Turnierserie gibt, die aber vom Spielerfeld wesentlich weniger Qualität aufbieten kann. Dass die älteren Herren über 50 inzwischen aber durchaus ernst zu nehmen sind, kann nicht nur Langer beweisen.

So gewann, wie schon erwähnt, der Amerikaner Tom Watson, der natürlich auch auf dieser Tour spielte, im Alter von fast 60 Jahren im Jahr 2009 um ein Haar zum sechsten Mal die British Open. Nur ein Putt aus etwa zwei Metern trennte ihn vom Triumph und der Ehre, ältester Major-Sieger aller Zeiten zu werden.

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Golfer jenseits der 50 können zu außerordentlichen Leistungen in der Lage sein und wenn man einem Profi, der sogar älter als 60 ist, noch einen Turnier-Erfolg bei einem Major-Turnier zutraut, dann ist es Langer. Er selbst beurteilt seine Chancen, den großen Coup zu landen, realistisch.

Das könne gegen Spieler, die vom Alter her seine Kinder sein könnten, nur dann passieren, wenn tatsächlich alles zusammen passen würde und er mithin alle Puzzleteile seines Spiels perfekt in Einklang bringen könnte, und das über vier Runden. Dass eine solche Harmonie in seinem Spiel nicht auszuschließen ist, hat Langer schon einige Male bewiesen.

Riesenerfolg als Kapitän des Europäischen Ryder Cup-Teams: Bernhard Langer 2004 in Detroit
Riesenerfolg als Kapitän des Europäischen Ryder Cup-Teams: Bernhard Langer 2004 in Detroit

Langers vielleicht letzte Chance

Beim Masters etwa hatte er als 56-Jähriger nochmals die Chance, dort zu gewinnen. Er belegte schließlich den achten Platz – in seinem Fall möchte man am liebsten sagen, nur den achten Platz.

Langer war sich damals sehr wohl darüber bewusst, dass es vielleicht die letzte Chance war auf einen unfassbaren Erfolg in einer Liga, die von Tiger Woods, Phil Mickelson, Rory McIlroy und anderen Tospielern aus den USA und Australien dominiert wurde.

Deswegen riskierte er in den letzten von den vier Turnierrunden mehr als er es sonst macht. Er wusste, er hätte über sich hinaus wachsen müssen. Aber sein Topten-Ergebnis war am Ende mehr als wohl jeder Experte für möglich gehalten hätte.

Hatte gegenüber den Medien schon früh eine professionelle Einstellung: Bernhard Langer, hier mit Reinhold Schnupp beim Masters 1993
Hatte gegenüber den Medien schon früh eine professionelle Einstellung: Bernhard Langer, hier mit Reinhold Schnupp beim Masters 1993

Er spielte damals auch eine Runde mit dem Italiener Francesco Molinari, der 25 Jahre jünger als der Deutsche ist. Langer schnitt dennoch besser ab als Molinari, der 2018 die British Open gewann. Mit seinen Erfolgen beim Ryder Cup im gleichen Jahr in den Olymp der Golfer aufstieg.

Molinari jedoch kannte Langer natürlich und war nicht sonderlich überrascht, schlechter in Augusta gespielt zu haben als der „alte Mann“ aus Deutschland. Bernhards Eisenschläge seien immer noch eine Augenweide und im kurzen Spiel könne ihm niemand etwas vormachen, sagte der Italiener nach der Runde.

Genug Anerkennung?

Ob Langer in Deutschland für seine Leistungen die entsprechende Anerkennung erhalten hat, und zwar in den Medien genauso wie in den Augen der Öffentlichkeit, darf man bezweifeln.

Zum Standardrepertoire des früheren Sportchefs der Welt am Sonntag gehörte der Satz: „Gehen Sie mal in die Mönckebergstraße und fragen Sie die Leute, wer Bernhard Langer kennt.“

Zu jener Zeit erschien die Wochenzeitung noch in Hamburg und die Mönckebergstraße war eine der größten Einkaufsstraßen der Hansestadt.

Reportagen zu Bernhard Langer, dessen allgemeiner Bekanntheitsgrad selbst in den Sportredaktionen bezweifelt wurde, mussten also gut begründet werden, um eine Chance zu haben, ins Blatt zu kommen. Steffi Graf dagegen war ein Selbstläufer wie natürlich auch Boris Becker.

Ob nun in aller Munde oder auch nicht, Langer selbst kümmerte das wenig bis gar nicht. Dabei zeichnete ihn im Gegensatz zu den bekannten Tennisspielern aus, dass er ein relativ unverkrampftes Verhältnis zu den Medien hat. Als Manager trat für ihn zunächst die International Management Group (IMG) Mark McCormacks auf.

Stabiles Umfeld

Doch ab Mitte der 80er Jahre übernahm Bernhards Bruder Erwin mehr und mehr die Geschäfte. Das Umfeld Langers ist über die Jahrzehnte verhältnismäßig stabil geblieben. So wechselte nach dem Abschied vom langjährigen Stammcaddie Peter Coleman (der übrigens in Wimbledon in London lebt) vor rund zehn Jahren die Position als Mann an der Tasche nur zweimal.

Erwin Langer
Erwin Langer

Als Trainer fungierte bis zu seinem Tod in Folge eines Schlaganfalls im Januar 2022 Willi Hofmann. Aber der wichtigste Mann an der Seite des Weltklassegolfers war eigentlich immer Erwin Langer, ein ehemaliger Prokurist bei einer Maschinenbaufirma.

Erwin Langer lebte lange gemeinsam mit seiner Familie im Haus der Eltern, unterdessen bewohnen seine Frau und er in der Nähe zum Elternhaus ihr neu errichtetes Zuhause. Wer mit Bernhard Langer sprechen möchte oder eine Geschichte in Zusammenarbeit mit den Langers verwirklichen will, benötigt zunächst einmal einen positiven Bescheid des älteren Bruders.

Erhält der Journalist dann aber das ok, läuft die Geschichte in der Regel generalstabsmäßig ab. Das bedeutet: Ergibt sich eine Verschiebung, ruft jemand aus der Familie Langer an und stimmt den Termin neu ab. Und es gibt noch eine Besonderheit, die nicht einmal in den Vorstandsetagen Deutscher Autokonzerne zuverlässig so gehandhabt wird. Der Chef liest selbst.

Mit anderen Worten, Bernhard Langer weiß sehr genau, was über ihn publiziert wird. Die Autorisierung eines Interviews nimmt er selbst vor …

Bernhard Langer das Buch zum Jubiläum

Reinhold Schnupp: Das Phänomen Bernhard Langer – Alt werden nur die anderen
Reinhold Schnupp: Das Phänomen Bernhard Langer – Alt werden nur die anderen

Reinhold Schnupp hat die Karriere von Golf-Star Bernhard Langer über fast vier Jahrzehnte journalistisch begleitet und viele große Erfolge hautnah miterlebt. Er hat ihn sowohl in seinem Geburtsort Anhausen als auch in seiner heutigen Heimat in Boca Raton / Florida besucht. Dabei hat er die private Seite eines der größten deutschen Sportidole kennengelernt.

In seinem Buch geht er auch der Frage nach, wie es Langer schafft, auch mit über 60 Jahren, als Teil der „Silver Generation“, außergewöhnlich vital, fit und leistungsstark zu bleiben. Was können wir vom Menschen und Golfer Bernhard Langer lernen?

Reinhold Schnupp: Das Phänomen Bernhard Langer – Alt werden nur die anderen. 

Preis: € 24,90 (Hardcover, gebundene Auflage, 144 Seiten), ISBN: 978-3-8857-958-27 Verlag: Köllen Druck + Verlag GmbH

Info: www.bernhardlanger.de

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