30.11.2020 | 11:27

Claus M. Kobold im Interview – goldenes (Sport-)Jahr trotz Corona

Golftimer
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Interview DGV-Präsident Claus M. Kobold. Der plötzliche „Corona-Tsunami“, sportliche Erfolge am Fließband und das neue World Handicap System (WHS) ab 2021. – Jede Menge Gesprächsbedarf also für unser exklusives Jahres-Interview mit dem DGV-Präsidenten. Das Interview führte Marcus Brunnthaler im Oktober 2020.


Es war ein denkwürdiges Jahr 2020. Auch der deutsche Golfsport wurde vor zahlreiche Herausforderungen gestellt. Besonders durch die Corona-Krise, die gerade zu Saisonbeginn dem gesamten sozialen Leben und damit auch der Sportausübung einen Strich durch die Rechnung machte.

DGV-Präsident Claus M. Kobold blickt dennoch auf ein erfolgreiches Jahr zurück, in dem die Mitgliederzahlen ein deutliches Plus erreichen sollten. Und sportlich geht 2020, vor allem im Amateurbereich, als eines der besten Jahre überhaupt in die Annalen ein.

Herr Kobold, 2020 war Corona-bedingt in jeglicher Hinsicht ein absolutes Ausnahmejahr. Was waren für den DGV, aber auch für Sie als DGV-Präsident, die größten Herausforderungen?

Claus M. Kobold: Corona entwickelte sich ja anfangs wie ein Tsunami. Die Welle hat sich langsam angeschlichen und dann plötzlich eine unfassbare Größe entwickelt.

Wie überall ging es natürlich auch im Golfsport erst einmal darum, zu begreifen, was da auf uns zukam. Und gerade wieder auf uns zukommt, um dann angemessen zu reagieren.

DGV-Präsident Claus M. Kobold (Foto: DGV/Christopher Tiess)
DGV-Präsident Claus M. Kobold (Foto: DGV/Christopher Tiess)

 

Uns war relativ früh klar, dass der Golfsport, als Outdoorsportart mit mehr als ausreichend individuellem Platz, eigentlich die perfekten Voraussetzungen für eine weitgehend Coronasichere Sportausübung bietet. Die Risikozonen sind allenfalls die Clubhäuser mit Gastronomie und Umkleiden oder bei Turnieren der erste Abschlag – und diese Bereiche sind ja eigentlich gut kontrollierbar.

Aus unserem Blickwinkel sind wir immer von einer relativ frühen Öffnung der Golfplätze ausgegangen. Die Wartezeit nach dem Lockdown war dann trotzdem furchtbar.

Beeindruckend war die unglaubliche Disziplin, mit der die Golfanlagen die Hygieneempfehlungen des Verbandes und der zuständigen Behörden umgesetzt haben. Uns allen war damals klar: Mit Ausnahmeregelungen lässt sich Corona sicherlich nicht besiegen, was sich heute leider bestätigt.

Wie haben Sie die Zeit des Lockdowns gemeistert? Wir nehmen einmal an, dass Sie in dieser Zeit vonseiten der DGV-Mitglieder übermäßig viele Anfragen erhalten haben.

Claus M. Kobold: Das Krisenmanagement des DGV hat sich in der Lockdown-Phase bewährt. Mit umfangreichen, nahezu täglichen Informationsbulletins haben wir unsere Mitglieder sehr aktuell über alle Entwicklungen informiert, juristische Gutachten erstellen lassen und – daraus abgeleitet – Handlungsempfehlungen formuliert.

Wir haben, gemeinsam mit den anderen Verbänden wie auch dem DOSB, zahllose Gespräche mit der Politik mit dem Ziel geführt, dass die Golfanlagen möglichst frühzeitig wieder öffnen dürfen. Aus den Rückmeldungen der Mitglieder wissen wir, dass das alles sehr gut ankam und unsere Empfehlungen umgesetzt wurden. Übrigens gelten diese Empfehlungen heute auch noch.

Natürlich war das Informationsbedürfnis unserer Mitglieder in dieser Zeit deutlich erhöht und die Wiesbadener Geschäftsstelle, die ja auch vom Lockdown betroffen war, oft an der Kapazitätsgrenze. Schlussendlich hat das Zusammenspiel zwischen Verband und Mitgliedern aber sehr gut funktioniert.

Für mich persönlich bedeutete der Lockdown statt ca. 80 bis 100 Reisetagen ca. 100 Telefon- und Videokonferenzen. Ein völlig neues Zeitmanagement also.

Wenn Sie auf die auslaufende Saison zurückblicken, welches Resümee ziehen Sie? Zunächst hinsichtlich der Entwicklung der Mitgliederzahlen an Neugolfern?

Claus M. Kobold: Nach der berechtigten Angst, am Anfang, war nach einiger Zeit klar, dass der Golfsport von der Corona-Krise nicht nur wenig betroffen war, sondern vielerorts sogar erheblich profitierte. Offensichtlich haben viele Sportler, die ihre angestammte Sportart nicht mehr ausüben konnten, den Golfsport als sichere Alternative entdeckt.

Dazu kam, dass viele Urlaub in Deutschland machten und dabei die heimischen Golfplätze als lohnendes Ausflugsziel entdeckt wurden. Insgesamt kann der DGV schon in diesem Jahr ein deutliches Plus bei den registrierten Mitgliedschaften verzeichnen. Und das, obwohl es eigentlich bis zu einem Jahr dauert, bis aus einem Interessenten ein Mitglied wird.

Macht uns Corona nicht noch einen Strich durch die Rechnung, weil alles noch einmal schlimmer wird, dann hoffen wir auf ein mindestens ebenso erfolgreiches Jahr 2021.

Und hinsichtlich des Status quo der Golfanlagen? Gab es Corona-bedingt gröbere Ausfälle?

Claus M. Kobold: Natürlich gibt es auch Gegenden, wo das Wetter schlechter war, in denen Golfer ihre Clubbeiträge zurückgefordert haben oder eben nicht in so großer Zahl in die Golfclubs geströmt sind. Der Lockdown hat vor allem bei den Greenfee-Einnahmen für Rückgänge gesorgt, die nur teilweise vom tollen Sommer kompensiert werden konnten.

Auch viele Sponsorenturniere sind in diesem Jahr ausgefallen, was vielen Clubs deutliche Mindereinnahmen beschert hat.

DGV-Präsident Claus M. Kobold (Foto: DGV/Christopher Tiess)
DGV-Präsident Claus M. Kobold (Foto: DGV/Christopher Tiess)

 

Sportlich gesehen war 2020 ein überaus erfolgreiches Jahr für den deutschen Golfsport. Worauf führen Sie das zurück?

Claus M. Kobold: Die Corona-bedingten, intensiven gemeinsamen Trainingswochen an unserem Bundesstützpunkt St. Leon-Rot und das dann folgende Aufbauen der Wettkampffähigkeit über spezielle Maßnahmen und Turniere war im wahrsten Sinne Gold wert. Sie schweißten das Golf Team Germany vom Nachwuchskader bis zu den Tourspielern zusammen und boten die beste Vorbereitung für die folgende Saison 2020.

Den Grundstein für die Erfolge sehen wir aber im Jahr 2013 gelegt: Angesichts der Herausforderungen als neuer olympischer Spitzenverband, wurde die Leistungssportstruktur in Golfdeutschland umgebaut.

Innerhalb der „Vision Gold 2020“ wurde der Golfsport zukunftsfähig aufgestellt, die sportlichen Ziele wurden neu definiert. Das Trainings-, Wettkampf- und Fördersystem umgebaut und die zentralen Ebenen Clubs, Landesgolfverbände und DGV auf eine gemeinsame Richtung eingeschworen.

Kern des erfolgreichen Funktionierens ist dabei das konzertierte Zusammenwirken von Club-, LGV- und DGV-Ebene mit sehr gut ausgebildeten Trainern und Betreuern.

2021 greift nun auch in Deutschland das World Handicap System. Wie ist der DGV darauf vorbereitet bzw. welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Golfer darauf vorzubereiten?

Claus M. Kobold: Grundsätzlich ist der DGV ja schon sehr lange in die Gesamtplanung des neuen World Handicap Systems einbezogen. Durch die guten Kontakte zu USGA und R&A haben wir in vielen Punkten Einfluss nehmen können und sind dadurch gut auf den Wechsel zum neuen System vorbereitet.

Unser Hauptaugenmerk lag und liegt zunächst einmal in der ausführlichen Information der Golfanbieter, also der DGV-Mitglieder. Die Clubs sind in diesem Fall der Point of Sale, die Instanz, die dem Golfer am Ende die neuen Handicap-Regeln erklären und Antworten auf die wichtigsten Fragen haben muss.

Hier versorgen wir die Mitglieder mit entsprechenden Informationsbroschüren, mit Videos, Onlineseminaren und fertigen Präsentationen, die die Clubs für eigene Informationsveranstaltungen nutzen können.

Voraussichtlich ab Ende November beginnt dann unsere Informationsoffensive für den Golfer. Wir haben eigens eine DGV-Service-App entwickelt, die allen Interessierten ein umfangreiches, multimediales Informationsangebot zum World Handicap Index zur Verfügung stellt.

Zentrale Anlaufadresse für alles rund um das WHS ist www.golf-dgv.de, wo sich der Golfer auch die DGV-Service-App herunterladen kann. Hier haben registrierte Nutzer dann auch schon die Möglichkeit, ihren neuen angepassten, World Handicap Index abzurufen.

Wie ist Ihr Ausblick für 2021?

Claus M. Kobold: Aktuell muss man ja leider davon ausgehen, dass Corona zumindest Anfang 2021 noch eine Rolle spielen wird. Wir hoffen, dass eine Entspannung der Gesamtlage absehbar ist, weil es dann bereits einen Impfstoff gibt.

Unabhängig davon glauben wir, dass der Golfsport nach wie vor sehr gut mit der Corona-Problemlage umgeht. Auch im Fall weitergehender Einschränkungen sollte so mit den vorhandenen Hygienekonzepten und konzentrierter Disziplin aufseiten der Golfanlagen und der Spieler ein Schließen von Golfplätzen vermieden werden können.

Und Ihre Ziele unabhängig von Corona?

Claus M. Kobold: Grundsätzlich hat der DGV immer das Ziel, seine Mitglieder bei der Golfer-Gewinnung und -Bindung zu unterstützen. Dafür werden wir die digitalen Serviceangebote mit der Zielrichtung Golfer weiter ausbauen. Neben dem digitalen DGV-Ausweis werden wir auch die qualifizierte elektronische Scorekarte (QeSC) verstärkt bewerben und die Betriebssicherheit in der kommenden Saison deutlich verbessern.

Die Umsetzung der neuen Handicap-Regeln im Rahmen des WHS ist natürlich vor allem in der ersten Jahreshälfte eine der zentralen Aufgaben. Und sportlich wollen wir natürlich an das Sensationsjahr 2020 anknüpfen und die Erfolge bestätigen. Regelmäßige internationale Erfolge bei Damen wie Herren würden den aktuellen Boom im Golfmarkt sicherlich noch einmal unterstützen.

DGV-Präsident Claus M. Kobold (Foto: DGV/Christopher Tiess)
DGV-Präsident Claus M. Kobold (Foto: DGV/Christopher Tiess)

 

Unser Appell an alle Golferinnen und Golfer: Unterstützen Sie Ihren Golfclub bei der Umsetzung der jeweils gültigen Corona-Maßnahmen.

Nach den Erfahrungen des Sommers sind wir zuversichtlich, auch weiterhin die Corona-Krise auf dem Golfplatz gut bewältigen zu können. Aber nur, wenn sich alle an die Regeln halten.

Bitte bleiben Sie gesund!

Info: www.dgv-golf.de

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