Kostenfaktor für die amerikanischen Steuerzahler
Donald Trump und Golf: Vom Bock zum Gärtner
Golf gehört seit Jahrzehnten zur erklärten Leidenschaft von Donald Trump. Doch seit Beginn seiner ersten Präsidentschaft wird jede Runde zum Politikum und Kostenfaktor für die amerikanischen Steuerzahler in Millionenhöhe. Trump selbst wirtschaftet dabei ordentlich in die eigene Tasche.
Es war ein denkwürdiges verlängertes Wochenende mit einer nicht minder denkwürdigen Eröffnungsrede, die dem Autor bis heute gut in Erinnerung geblieben ist.
Der Anlass: Eine Exklusiv-Einladung von Mercedes Maybach zum Pre-Event des Ryder Cups 2008.
Der Ort des Geschehens: Der exklusive Mar-a-Lago Club in Palm Beach Florida, eines gewissen Donald J. Trump.
Der war damals noch gefeierte US-Lichtgestalt der Immobilien und Showbranche ohne politische Ambitionen. Dafür war er aber schon damals mit einer besonderen Vorliebe für den Golfsport beseelt.
Unter den Gästen: Neben den damaligen beiden Ryder- Cup-Kapitänen Paul Azinger (USA) und Nick Faldo (Europa) jede Menge an nationaler und internationaler Prominenz.
Gleich zu Beginn seiner Eröffnungsrede vor den rund 200 geladenen Gästen im frisch renovierten Anwesen verlor sich der Gastgeber in einer gefühlt halbstündigen Aufzählungstirade, was alles im Zuge der Renovierungsarbeiten wieviel gekostet hatte.

So beispielsweise, dass alleine der große Saal mit seinen goldenen Stuckverzierungen im Stil von Schloss Versailles rund 200 Millionen US-Dollar verschlungen hatte.
Oder, dass das große Tor am Eingang 1 Million US-Dollar gekostet hatte. Natürlich auch aus echtem Gold – also die glänzenden Teile.
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Klotzen und Protzen
Nebenbei ließ Trump nicht unerwähnt, dass er durch die Erhöhung einer der Abschlagboxen des Golfplatzes nun den höchsten Punkt in West Palm Beach sein eigen nennen könne.
Danach ging er süffissant-amüsiert in die Geschichte über, wie er den lokalen Behörden ein Schnippchen geschlagen hatte. Es ging um den riesigen Fahnenmast mit überdimensionierter USA-Fahne auf dem Anwesen.
Dieser überschritt die lokalen Vorgaben für die erlaubte Höhe von Fahnenmasten um knapp zwei Meter.
Statt sich jedoch zu fügen und den Fahnenmast zu kürzen, hatte Trump es vorgezogen, stoisch Strafzahlungen zu leisten, statt sich den Vorschriften zu beugen.

Bis ihm einer seiner Berater einen „work-around“ unterbreitete. Den Fahnenmast auf die vorgeschriebene Höhe zu kürzen, gleichzeitig einen entsprechend hohen Hügel aufzuschütten und den Fahnenmast darauf wieder zu errichten.
Das Ergebnis: Gleiche Höhe bei Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Fahnenmasthöhe – und keine Strafzahlungen mehr. Ein Vorschlag ganz nach Donald Trumps Geschmack.
Darüber hinaus bereits damals seltsam anmutende Einblicke in die Mentalität des Mannes, der neun Jahre später zum 45. Präsidenten der USA gewählt werden sollte – und die Welt seit seiner Wiederwahl ins Amt im Januar 2025 mit genau dieser seltsam anmutenden Mentalität zunehmend eskalierend in Atem hält.
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Trumps Vorgänger
Was sich im Zuge seiner beiden Wahlkampagnen als fixer Bestandteil dieser Mentalität herauskristallisieren sollte, war die permanente Kritik Trumps an seinen Vorgängern, was ihre Freizeit und die damit verbundenen Kosten anging.
So hatte Trump vor seiner erstmaligen Wahl 2017 jahrelang die Golfreisen des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama kritisiert und im Wahlkampf versprochen, er werde zu beschäftigt sein, um Golf zu spielen.
Nach seiner Wahlniederlage 2020 griff Trump dann wiederholt seinen Nachfolger Joe Biden wegen dessen häufiger Wochenendreisen zu seinem Wohnsitz in Delaware an.

Doch Obamas Golfkosten für die Steuerzahler stellten nur einen Bruchteil von Trumps Ausgaben dar, da Obama überwiegend auf dem Golfplatz der Joint Base Andrews spielte, nur eine kurze Fahrt vom Weißen Haus entfernt.
Und Bidens Heimreisen erfolgten entweder mit einer kleineren Version der Air Force One oder mit dem Hubschrauber Marine One.
Beide sind deutlich günstiger im Betrieb als die 273.063 US-Dollar pro Stunde, die laut Bericht des Government Accountability Office (GAO) für den Einsatz der größeren, umgebauten Boeing 747 anfallen, die Trump für seine Reisen zum Golfen nach Florida nutzt.
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Nach der Wahl: Kostenexplosion
Als es 2017 zum überraschenden Wahlsieg Trumps kam und er seine erste Präsidentschaft antrat, dauerte es nicht lange, bis sich nicht nur unter seinen politischen Gegnern erste Zweifel und zunehmend Ernüchterung ob der Glaubwürdigkeit und Integrität des neuen mächtigsten Mannes der Welt breit machten.
Vor allem seine unablässige, fast schon schamlose Verknüpfung von Amt und Business scheint seit jeher gut zu funktionieren. Trump macht Politik, während seine beiden Söhne im Hintergrund mit dem Klingelbeutel herumgehen.
Und seit seiner zweiten Amtszeit sogar noch besser. Warum also nicht, so wohl Trumps Kalkül, da es ja auch niemanden gibt, der in der Lage wäre, ihn ernsthaft in die Schranken zu weisen?

Golf macht da keine Ausnahme. Trump benötigte in seiner ersten Amtszeit nur zwei Jahre, um die Marke von 100 Millionen US-Dollar an Kosten zu knacken.
Insgesamt spielte Trump während seiner ersten vier Jahre als US-Präsident an 293 Tagen Golf auf seinen eigenen Anlagen. Das bedeutete Kosten für die Steuerzahler von rund 151,5 Millionen US-Dollar.
Doch damit nicht genug: Seit seiner Rückkehr ins Amt als 47. US-Präsident, im Januar 2025, hat die Golfleidenschaft von Donald Trump die Steuerzahler bereits mindestens 101,2 Millionen US-Dollar gekostet.
Eine Summe, die schon jetzt zwei Dritteln seiner gesamten Golfkosten aus der ersten Amtszeit entspricht. Laut Analysen von US-Medien bringt ihn das auf guten Kurs, bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit über 300 Millionen US-Dollar an Kosten zu verursachen.
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Eigene Golfanlagen im Fokus
Wer sich wundert, wie das geht: In seiner zweiten Amtszeit hat Trump 17 Reisen ausschließlich zu seinem Country Club-Anwesen Mar-a-Lago unternommen, das sich in der Nähe seiner Plätze in West Palm Beach und Jupiter befindet.
Weitere sieben Reisen nach Mar-a-Lago beinhalteten mindestens einen zusätzlichen Termin, es fungierte also als teurer Zwischenstopp.
Zudem absolvierte der 79-Jährige acht Reisen zu seinem Golfplatz in Bedminster, New Jersey, die jeweils 1,1 Millionen US-Dollar kosteten. Die fünf Reisen zu seinem Resort in Doral, Florida, schlugen mit jeweils 2,7 Millionen US-Dollar zu Buche.
Unter seinen regelmäßigen Golfzielen ist Mar-a-Lago jedoch mit 3,4 Millionen US-Dollar pro Besuch mit Abstand am teuersten.

Grund dafür sind die Kosten für die Überwachung des Atlantiks vor der Küste von Palm Beach. Aber auch die Intracoastal Waterways, der die vorgelagerte Insel vom Festland trennt, müssen kontrolliert werden.
Während Trumps Anwesenheit wird extra ein Schiff der Küstenwache vor der Küste stationiert. Zusätzlich patrouillieren kleinere Boote der Sicherheitskräfte mit montierten Waffen im Intracoastal.
Trumps bislang teuerste Reise war jedoch die im vergangenen Sommer zu seinen Resorts in Schottland, die 9,7 Millionen Dollar kostete.

Sie beinhaltete seine Teilnahme an der feierlichen Eröffnung des neuen Trump International Golf Links auf seinem Anwesen bei Aberdeen.
Es war ein Event, organisiert von seinem Unternehmen Trump Golf, unterstützt aber auch durch Personal des Weißen Hauses.
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Sicherheitsapparat als größter Kostentreiber
Ein Bericht des GAO aus dem Jahr 2019 über Trumps Golfreisen zu Beginn seiner ersten Amtszeit ergab, dass vier Reisen nach Mar-a-Lago Anfang 2017 die Steuerzahler 13,6 Millionen US-Dollar gekostet hatten, und schlüsselte die Summe in einzelne Bestandteile auf.
So etwa über zusätzliche Sicherheitskosten, die Kosten für Flüge mit der Air Force One sowie den Transport von Fahrzeugen der Präsidentenkolonne mit teuren C-17-Frachtflugzeugen.

In seiner zweiten Amtszeit haben sich die Hauptkostentreiber für das Hobby des Präsidenten – Flüge mit der Air Force One, der Einsatz von C-17-Transportflugzeugen sowie die Gehälter des Sicherheitspersonals – nicht verringert. Sie sind vermutlich sogar gestiegen.
Aber wie genau sehen die Kosten aus bzw. wie setzen sie sich zusammen? Golf selbst ist hier nur ein kleiner Teil auf der Rechnung.
Der größte Posten ist der Sicherheitsaufwand:
- Secret Service: Meist 200 bis 300 Agenten im Einsatz
- Kosten pro Agent und Tag: mehrere tausend Dollar Lokale
- Sicherheitsmaßnahmen: zusätzliche Millionenbeträge
Hinzu kommt die Sperrung von Lufträumen, Küstenüberwachung bei Anlagen am Meer oder der Einsatz von Drohnen- und Überwachungstechnik.

Allein diese Maßnahmen können pro Wochenende über 1 Million US-Dollar verschlingen.
Ein weiterer Faktor ist die Mobilität:
- Air Force One: Rund 200.000 US-Dollar pro Flugstunde
- Flugzeit Washington–Florida (Hin und Rückflug): 6 bis 7 Stunden
- Gesamtkosten pro Flug: 1,2 bis 1,5 Millionen US-Dollar
- Marine One (Helikopterflotte)
- C-17 Transportflugzeuge für Fahrzeuge und Equipment
- Begleitmaschinen für Personal und Sicherheit
Vor allem wegen der letzten drei Punkte steigt der Gesamtaufwand pro Golfreise schnell in den Bereich von 3 bis 4 Millionen US-Dollar.
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Mega-Deal: Trumps Sidebusiness
Nimmt man auf der anderen Seite Trumps Einnahmen pro Trip durch seine Golfanlagen, so verhält sich die Haben-Seite des US-Präsidenten folgendermaßen:
- Secret Service: bis zu 650 US-Dollar pro Nacht
- Mehrere Dutzend bis über 100 Zimmer pro Aufenthalt
- Zusätzliche Kosten für Verpflegung, Logistik und Infrastruktur
Das bedeutet, dass mehrere hunderttausend US-Dollar pro Wochenende direkt an Trumps Unternehmen fließen.

Über die gesamte Amtszeit gemessen, summiert sich dieser Betrag inzwischen auf mehrere Millionen US-Dollar an Einnahmen. Und das natürlich unverändert auf Kosten der Steuerzahler.
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Kosten pro Golfrunde
Die entscheidende Frage aber lautet: Was kostet die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger eine Runde Golf des US-Präsidenten Trump? Auch hier zeigen Analysen von US-Medien ein klares Bild:
- Durchschnittskosten pro Trip: 3 bis 3,5 Millionen US-Dollar
- Typisches Wochenende in Florida: Rund 3,4 Millionen US-Dollar
- Einzelne Tage nahe Washington (z. B. Bedminster): Zwischen 1 und 2 Millionen US-Dollar
Rechnet man konservativ, ergibt sich daraus ein durchschnittlicher Wert von 2,7 bis 3 Millionen US-Dollar pro Golftrip.
Auf die reine Spielzeit heruntergebrochen bedeutet das:
- Kosten pro Runde (18 Löcher): rund 2,5 bis 3 Millionen US-Dollar
- Kosten pro gespieltem Loch: etwa 150.000 bis 200.000 US-Dollar
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Golf im Schatten globaler Krisen
Trumps Ankunft auf seinem Golfplatz in West Palm Beach, Ende März, markierte seinen 56. Besuch dort seit seiner Amtseinführung 2025. Darüber hinaus war es sein 110. Tag auf einem Golfplatz, der ihm gehört.

Das bedeutet, dass er seit seiner Rückkehr ins Präsidentenamt an mehr als einem Viertel seiner Tage im Amt Golf gespielt hat.
Das weiße Haus ist sich sehr wohl der negativen Außenwirkung dieser hohen Frequenz bewusst. Es hat nun vor einigen Monaten damit begonnen, Trumps Golfausflüge als „Executive Time“ zu klassifizieren. Dieser Begriff erscheint auch nahezu täglich in seinem öffentlichen Terminkalender.
Auf die Anfrage von US-Medien, ob dies bedeute, dass Trump in diesen Zeitfenstern Freizeitaktivitäten nachgehe, antwortete das Pressebüro des Weißen Hauses mit der nicht unterzeichneten Erklärung: „Executive time refers to executive time.“
Kritisch betrachtet: Trumps Golfverhalten in Zeiten politischer Spannungen
Besonders kritisch wird Trumps Golfverhalten in Zeiten politischer Spannungen betrachtet. Wie wirkt es, wenn ein Präsident während internationaler Konflikte oder innenpolitischer Krisen auf dem Golfplatz steht?

Dazu äußerte sich Jordan Libowitz von der Watchdog-Organisation Citizens for Responsibility and Ethics in Washington:
„Zu einer Zeit, in der die Benzinpreise steigen und sich Amerikaner im ganzen Land mit einer sich weiter verschärfenden Krise der Leistbarkeit konfrontiert sehen, hat der Präsident mehr als 100 Millionen Dollar an Steuergeldern ausgegeben.
Und das nur, um auf seinen Golfplätzen aufzutreten und sich mit Millionären und Milliardären zu umgeben.
Wenn es tatsächlich sein Ziel wäre, Amerikanern in finanziellen Schwierigkeiten zu helfen, könnte er eines versuchen. Damit aufhören, ihr Geld für Reisen zu seinen Golfplätzen auszugeben.“
Sicherlich ein eherner Appell von Jordan Libowitz, doch wie schon bei so vielen vor ihm, wird auch dieser wohl kein Gehör beim 47. US-Präsidenten finden.


