Sollten Sie ein golfbegeistertes Kind ihr Eigen nennen, so können Sie sich glücklich schätzen. Sie sollten aber unbedingt auch einige essenzielle Punkte beachten. Dann wird Golf das reinste Kinderspiel …
Du lebst meinen feuchten Traum!“, rief mir ein Golfkumpel im Vorbeigehen zu, als ich mich gerade mit meiner Familie auf den Weg zum ersten Abschlag machte.
Im Gegensatz zu meinen beiden Töchtern begeistern sich seine Kinder (Foto: Getty Images) nicht für Golf, sondern interessieren sich eher für Turnen und Reitsport. Wir hingegen sind eine waschechte Golffamilie, ein absoluter Glücksfall. Oder etwa nicht?
Im Grunde hatten meine Kinder nie eine Chance: Ihre Mutter ist vierfache Clubmeisterin und Miteigentümerin des Golf Clubs Würzburg. Ihr Vater verdingt sich seit über 20 Jahren als Golfjournalist und ist zudem hochgradig golfsüchtig.
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Golf: Das reinste Kinderspiel. Oder etwa nicht?
Deshalb gelang es mir, meinen Töchtern Pferde oder Schwebebalken erfolgreich vorzuenthalten. Vielmehr lernen sie seit ihrem dritten Lebensjahr strukturiert Golf. Und zwar unter Anleitung großartiger Golflehrer und im Rahmen des Kinder- und Jugend-Gruppentrainings unseres Clubs.
Und bevor Sie fragen – ja, sie haben nach wie vor eine Menge Spaß dabei.
Der Einstieg in den Golfsport wird den Kindern von heute einfacher gemacht als je zuvor. Vor einigen Jahren wurden grüne Abschläge eingeführt, die es Kindern ab sechs Jahren ermöglichen, Erfolgserlebnisse auf dem Platz zu haben.
Die Landesgolfverbände bieten von diesen Abschlägen Ranglisten-Turnierserien an, bei denen die Kids um Medaillen und die Teilnahme an großen Saisonfinals spielen. Zudem fasst auch in Deutschland die weltweit größte Kinder- und Jugend-Golf-Turnierserie von „U.S. Kids Golf“ Fuß.
Bei aktuell vier Touren (Berlin, Hamburg, München, Stuttgart) können sich die Nachwuchsgolfer Punkte erspielen, die zur Teilnahme an Turnieren in aller Welt berechtigen.
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The Short Game: Must-have-seen-Doku auf Netflix
Bei uns sprang der Golffunke vor fünf Jahren auf die nächste Generation über, als ich meiner damals sechsjährigen Tochter den (herausragenden) Dokumentarfilm „The Short Game“ auf Netflix zeigte, in dem es um die U.S. Kids Golf Weltmeisterschaft geht.
Umgehend war der Wunsch geboren, an diesem Turnier teilnehmen zu wollen. Leider entpuppte sich die Umsetzung schnell als schier bodenloser Kaninchenbau, denn die Startplätze für dieses Event sind so heiß begehrt, dass selbst von Grundschülern (je nach Geschlecht und Alter) ein Spielniveau zwischen Single-Handicap und Scratch-Golf verlangt wird, um die Qualifikationshürden zu nehmen.
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Golf das reinste Kinderspiel: Tipps für die Eltern …
Im Laufe der zahllosen Stunden, die ich mit meinen Töchtern im Kinder-Golfsport unterwegs war, habe ich mir einen Erfahrungsschatz erarbeitet, den ich gerne mit allen angehenden Golfer-Eltern teilen möchte.
1. Zu jung gibt es nicht. Qualifizierte Golflehrer können schon mit dreijährigen Kindern arbeiten und wertvolle Grundlagen im Bewegungsgedächtnis schaffen.
2. Ihr Kind wird nur dann zum „Natural Born Golfer“, wenn es ausschließlich von einem Pro, und nicht vom Mid-Handicap-Papa, geleitet wird.
3. Ihre alten Möhren, die seit fünf Jahren in der Garage vor sich hinrosten, gehören nicht in die Golftasche Ihres Kindes. Kaufen Sie spezielle Kinder-Golfschläger oder Sie verbringen Ihre möglichen Golf-Wochenenden alsbald auf den Tribünen von Fußballplätzen oder Reiterhöfen.
4. Viele Kinder spielen anfangs nur deshalb Golf, weil sie den Eltern gefallen wollen. Wenn Ihr Nachwuchs mal keine Lust auf Training oder das Turnierwochenende hat, müssen Sie dies respektieren. Häuft es zu viele negative Erinnerungen an, könnte es irgendwann feststellen, dass es Golf eigentlich nie wirklich gemocht hat.
5. Kinder adaptieren ungefiltert, was die Eltern ihnen vorleben, im Guten wie im Schlechten. Wenn Sie auf Regeln und Etikette pfeifen, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihre Unsportlichkeiten auf Ihr Kind abfärben.
6. Wenn Sie bei Turnieren als Caddie fungieren, ist das Kind IHR Chef! Die finale Entscheidung hinsichtlich Taktik oder Schlägerwahl muss beim Spieler liegen, auch wenn dieser erst sechs Jahre alt ist. Ihre Rolle ist die des Beraters, Seelsorgers und begeisterten Fans.
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Quality Time mit Ihren Kindern
Statistisch gesehen haben Sie bis zum zwölften Geburtstag Ihres Kindes schon 90 Prozent Ihrer gesamten gemeinsamen Zeit im Leben miteinander verbracht. Doch wenn Sie die oben genannten Fallstricke umgehen, könnte es passieren, dass Sie dank Golf noch deutlich mehr „Quality Time“ mit Ihren Kindern erleben dürfen. Dann wird Golf doch noch das reinste Kinderspiel …
Gleichzeitig werden Sie miterleben, wie sie Ihren „feuchten Traum“ leben! Nämlich, was gewesen wäre, hätten Sie doch schon in jungen Jahren mit dem Golfsport begonnen.


