23.02.2022 | 10:23

„Naiv, selbstsüchtig, egoistisch und ignorant“

Thomas Fischbacher
Thomas Fischbacher

Phil Mickelson steht aufgrund einiger Aussagen heftig in der Kritik. Der Amerikaner entschuldigt sich und will sich eine Auszeit nehmen. Die saudische Super League Golf muss prominente Absagen hinnehmen. 


Steht die viel diskutierte Super League Golf vor der Bedeutungslosigkeit? Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnte das von Saudi-Arabien unterstützte und von Greg Norman geführte Großangriff auf die etablierten Touren ein paar Weltklasse-Akteure für sich überzeugen. Norman ist CEO des Unternehmens LIV Golf Investments, das vor allem durch Geld aus Saudi-Arabien finanziert wird. Doch zuletzt hagelte es reihenweise Absagen von ganz oben.

Tiger Woods, Jon Rahm, Rory McIlroy Collin Morikawa, Justin Thomas und Brooks Koepka – sie alle hatten sich bereits zuvor gegen eine Teilnahme an der Super League mit ihren wahnwitzigen Prämien aus einem Milliarden-Topf entschieden. Dustin Johnson und Bryson DeChambeau folgten am vergangenen Wochenende.

Phil Mickelson hatte hingegen immer mal wieder Interesse an der Super League gezeigt. Der 51-jährige unterstellte der PGA Tour eine „widerwärtige Gier“. Dabei bezog er sich auf deren Umgang mit Spielern und ihren Medienrechten. In einem Gespräch mit Alan Shipnuck – der Golf-Reporter wird in Kürze eine Biographie über Mickelson veröffentlichen – gab er zu, dass ihm ein Druckmittel gegen die PGA Tour gerade recht kam.

Über das saudi-unterstützte Projekt sagte er auf der Website The Fire Pit Collective: „Dort [in Saudi-Arabien] werden Leute hingerichtet, weil sie schwul sind. Warum sollte ich das überhaupt in Betracht ziehen, wenn ich all das weiß?” Die Antwort lieferte er selbst: “Weil dies eine einmalige Gelegenheit ist, die Arbeitsweise der PGA Tour neu zu gestalten.” Die PGA Tour bezeichnete er als eine als Demokratie verkleidete Diktatur.

Kritik von McIlroy und Horschel

Worte, die wiederum anderen Golf-Größen gar nicht gefallen haben. Zum Beispiel Rory McIlroy: „Ich will niemanden treten, wenn er am Boden liegt, aber ich fand die Kommentare naiv, selbstsüchtig, egoistisch und ignorant”, erklärte der Nordire während des Genesis Invitational. „Es war einfach sehr überraschend, enttäuschend und traurig. Ich bin mir sicher, dass er zu Hause sitzt und seine Position überdenkt und überlegt, wie es weitergeht.“

Billy Horschel ergänzte in einem Podcast mit Golf Digest: “Einige der Aussagen, die er gemacht hat, sind Lügen. Ich weiß nicht, woher er seine Informationen hat […] Die Aussage über die widerwärtige Gier der PGA Tour, die scheinbar auf 20 bis 30 Milliarden Dollar sitzt, ist eine Lüge. Ich bin ja bei den PAC-Meetings dabei. Ich sehe vielleicht nicht alle Zahlen, die jemand in den Vorstandssitzungen sehen kann. Aber ich sehe genug, um zu verstehen, dass das Geld korrekt verwendet wird und dass es so verwendet wird, wie die PGA Tour es sagt.

Phil Mickelson: Entschuldigung und Auszeit

Am Dienstag zeigte Mickelson schließlich Reue. In einem langen Statement entschuldigte er sich für seine Aussagen, die er „off the records“ getätigt habe. „Auch wenn es angesichts meiner jüngsten Äußerungen jetzt nicht so aussieht, habe ich während dieses Prozesses immer im besten Interesse des Golfsports, meiner Kollegen, Sponsoren und Fans gehandelt“, erklärte er. „Ich habe Worte benutzt, die ich aufrichtig bedauere und die nicht meine wahren Gefühle oder Absichten widerspiegeln. Das war rücksichtslos, ich habe Menschen beleidigt, und meine Wortwahl tut mir zutiefst leid. Ich bin maßlos enttäuscht und werde alles daran setzen, mich selbst zu reflektieren und daraus zu lernen.“

Mickelson sprach auch von einer Auszeit, die er sich gönnen würde. „In den vergangenen zehn Jahren habe ich gespürt, wie Druck und der Stress langsam Wirkung auf mich zeigten. Ich weiß, dass ich mich nicht von meiner besten Seite gezeigt habe und dringend eine Auszeit brauche. Ich möchte denjenigen, die ich am meisten liebe, meine volle Aufmerksamkeit schenken und daran zu arbeiten, der Mann zu sein, der ich sein möchte.“ Kurz nach dem Statement verkündete sein langjähriger Sponsor KPMG die Trennung.

Super League Golf vor dem Aus?

Für McIlroy hat das Projekt Super Golf League übrigens kaum mehr eine Perspektive. „Wer ist noch übrig? Ich glaube, es gibt niemanden mehr“, sagte er. „Wen haben Sie noch, um das Feld zu füllen? Ich meine, Greg Norman müsste mitspielen, um das Feld zu aufzufüllen. Ich glaube nicht, dass sie 48 Leute zusammen bekommen können.“

Zuletzt gab es Aussagen von 17 Spielern, die eine Vereinbarung unterzeichnet hätten. Darunter Gerüchten zufolge auch Ryder-Cup-Größen wie Lee Westwood, Ian Poulter und Henrik Stenson.

Befürworter des neuen Formats soll übrigens auch der ehemalige U.S.-Präsident Donald Trump sein. Vor allem sein Schwiegersohn Jared Kushner soll mit Norman und Co. verhandelt haben. Der Hintergrund: Einige der Turniere sollen auf Trump-Plätzen stattfinden.

Wann, mit wem, in welcher Form und ob überhaupt – viele Fragen bleiben offen rund um das als revolutionär proklamierte Großprojekt, das es jedoch bereits vor dem Startschuss geschafft, mächtig Wirbel zu machen.

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