02.03.2018

Weniger Länge, mehr Spektakel?

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Viele Legenden wollen die Tour-Profis in Zukunft mit gedrosselten Bällen abschlagen lassen. Aber funktioniert die Formel „Weniger Länge, mehr Spektakel“?

Jack Nicklaus will ihn, Gary Player und Tiger Woods wollen ihn auch: den gedrosselten Ball auf der Tour. Die Bälle fliegen zu weit. Und dies ist laut Experten die Quelle allen Übels. Nicklaus erneuerte nun dieses Anliegen. Er wünsche sich, dass Golfbälle ähnlich wie Golfplätze in verschiedene Kategorien einstufen lassen. Ein 70-Prozent-Ball auf kürzeren, ein 80- oder 90-Prozent-Ball auf längeren und schwierigeren.
Durch die Drosselung könnten die Profis wieder auf alten Klassiker-Plätzen abschlagen, die mittlerweile zu kurz sind, um die Weitenjäger von heute ernsthaft zu fordern. Per neuer Regel soll den Weitenjägern Einhalt geboten werden. Auch die Verbände beschäftigt das Ballthema.
Die Begründung: Die Layouts seien heute länger, was die Rundenzeiten in die Höhe treibt und die Pflegemaßnahmen teurer macht, was wiederum die Amateurgolfer bezahlen. Darin sieht der 18-malige Major-Sieger den Hauptgrund für ein sinkendes Interesse der Allgemeinheit am Golfsport begründet.
Spiel kann anders beschleunigt werden
Es gibt aber andere, viel entscheidendere Maßnahmen, die Spielgeschwindigkeit zu erhöhen. Die längeren Wege spielen dabei nur eine Nebenrolle. Die 5-Stunden-30-Minuten-Runden auf der Tour entstehen eher durch extensive Schlagvorbereitung, die bisher nicht konsequent sanktioniert wird. Durch die Birdie Books beispielsweise, durch die die Profis jeden Quadratzentimeter des Grüns sezieren. 
Der Golfsport hat in der Spitze seit den 90er-Jahren Jahren einen enormen Sprung gemacht, die besten Spieler der Welt sind in weiten Teilen austrainierte Athleten, die den Schläger deutlich schneller schwingen können. Technische Möglichkeiten und neues Material unterstützen diesen Effekt. Es ist nicht notwendig, dieses Niveau durch Einschränkungen des Equipments künstlich zu senken.
Merion, das Paradebeispiel
Plätze wie Merion bei Philadelphia zeigen aber, wie sich ein historischer Platz gegen die Longhitter wehren kann, ohne dabei immer länger zu werden. Justin Rose gewann dort 2013 die U.S. Open, der Platz spielte sich keine 7.000 Yards lang und war während des Turniers weich, was normalerweise niedrigere Ergebnisse zur Folge hatte. Am Ende gewann Rose jedoch mit Even Par.
Golfplätze haben – falls gewünscht – andere Möglichkeiten, sich gegen die enorme Qualität der Tour-Profis zu wehren. Zum Beispiel durch engere Fairways, strafenderes Rough, niedrigere Pars, clever platzierte Hindernisse, harte Grüns oder tückische Fahnen-Positionen.
Überhaupt ist die Ambition, das Ergebnis zu Par auf dem gleichbleibendem Niveau zu halten, ein Irrweg. Was ist so schlimm daran, wenn sich die Ergebnisse im Laufe der Zeit verbessern? Wenn die Dustin Johnsons dieser Welt in der Lage sind, den Ball über 300 Meter lang und gleichzeitig in einem 30 Meter breiten Korridor landen zu lassen, dann verliert eben auch ein einst gefürchteter Golfplatz an Schrecken. Der Zuschauer aber staunt doch über die Hiebe von heute. Birdies steigern das Spektakel, Tour-Golf aus den 90er Jahren eher nicht.
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