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Stressfreie Rundenanalyse 08.05.2018

Arccos 360
Bequem analysieren: Arccos 360
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Nahtloses Schlag-Tracking ohne zeitraubendes Eintippen oder Aufschreiben – wie gewohnt Golf spielen und im Anschluss eine genaue Analyse der eigenen Leistung erhalten. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein.


Von Severin Oeckl

Der durchschnittliche Wochenend-Golfer will trotz seiner zeitlich begrenzten Möglichkeiten das Maximum an sportlicher Entwicklung und den größtmöglichen Erfolg erreichen. Höher, schneller, weiter – der Markt der Golf-Gadgets, Trainingshilfen und skurrilen Produkte wächst stetig. Ein ordentlicher Entfernungsmesser oder eine GPS-Uhr gehören mittlerweile zur Standard-Ausstattung jedes Mid-Handicappers. Ebenfalls beliebt: Eine der unzähligen Rundenanalyse-Apps auf dem Smartphone, um den Score nach der Runde auf Facebook zu teilen – damit auch wirklich jeder im Freundeskreis vom Birdie an der 18 erfährt.

Arccos 360

Das innovative Arccos 360 Tracking System verspricht all das noch einfacher und effizienter zu gestalten. Mit Hilfe von kleinen elektronischen Sensoren an den Griffen und dem Smartphone in der vorderen linken Hosentasche sollen die Schläge einer gesamten Runde detailliert erfasst und anschließend bewertet werden. Die Applikation greift auf die GPS-Daten von über 40.000 Golfplätzen zu und fungiert entweder als Caddie während der Runde oder als hilfreiches Statistik-Tool. Spieler mit aktuellen Cobra Schlägern – wie zum Beispiel dem King F8 Driver oder den King Forged TEC Eisen – können sich freuen, da diese schon standardmäßig mit dem COBRA CONNECT™ Powered by Arccos System ausgestattet sind. Für alle anderen Interessierten bietet das Arccos 360 Sensorsystem (UVP: 299€) das volle Rundumpaket. Im Lieferumfang sind 14 ultraleichte Sensoren enthalten, wobei einer optisch etwas von den restlichen abweicht und speziell für den Putter konzipiert wurde. Das Versprechen: Nahtloses Schlag-Tracking ohne zeitraubendes Eintippen oder Aufschreiben – wie gewohnt Golf spielen und im Anschluss eine genaue Analyse der eigenen Leistung erhalten. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch. 


Ein Selbstversuch

Gleich nach der Arbeit ging es schnurstracks auf den Abschlag. Die kleinen runden Aufsätze waren im wahrsten Sinne des Wortes im Handumdrehen montiert. Durch ein einfaches Gewinde passen die 14 Smart Sensoren auf nahezu alle handelsüblichen Schläger. Die nur zwölf Gramm schweren Aufsätze sind optisch unauffällig und beeinträchtigen das Schwunggewicht keineswegs. Nur mein Putter – mit einem überdimensionalen SuperStroke Griff inklusive Gewichtskartusche am Schaftende – verlangte etwas Improvisation. Hier habe ich den Aufsatz provisorisch mit Tape fixiert, wobei mit etwas mehr Zeit sicher eine elegantere Lösung möglich wäre. 

Nach einem kurzen Scan der einzelnen Schläger via Smartphone-Kamera und der Auswahl des zu spielenden Platzes, konnte es auch schon losgehen. Das Testgelände war der Golf Club Ebersberg und der Startschuss fiel auf Loch 10 – einem knapp 360 Meter langen Par 4. Der erste Schlag: Driver gezückt, aufgeteet, geschlagen, losgelaufen und den Bildschirm immer fest im Visier. Selbstverständlich konnte ich mein Handy nicht – wie es eigentlich vorgesehen ist – während der gesamten Spielzeit in der Hosentasche stecken lassen. Nach jedem Schlag folgte ein kurzer Blick aufs Display: „Yes, der Schlag wurde erfasst, es funktioniert!“ oder „Wow, 270 mit dem Driver... ups sind ja Yards und keine Meter“. Nachdem die Einstellungen im Nachhinein noch schnell angepasst wurden, waren auch die Längen wieder wie gewohnt – leider.

Auf den Grüns nur bedingt überzeugend

Auf den Grüns konnte das Arccos 360 System nur bedingt überzeugen und nur teilweise die richtige Anzahl an Putts anzeigen. Einzig allein Aus-, Wasser- oder Provisorische Bälle stellten die kleinen Sensoren vor eine richtige Herausforderung. Wobei hierfür jederzeit die Möglichkeit besteht, Schläge bei Bedarf während der Runde oder im Nachhinein zu bearbeiten, hinzuzufügen oder gar zu entfernen. Ein konzentrierter Blick am Ende schadet also nicht, um das erfasste Ergebnis nochmal zu kontrollieren. Auch die anfänglichen Zweifel, ob mich das iPhone in der Tasche beim Schlagen stört, waren schnell verflogen.

Am Wochenende folgte dann die erste 18-Loch Runde: Mit einer 77 sehr solide gespielt und deutlich seltener das Handy gezückt. Die ersten 2 Löcher noch kurz gecheckt, ob es auch wirklich funktioniert und dann wurde – fast ohne einen Gedanken an das Messergebnis und die hoffentlich super informativen Daten zu verlieren – weitergespielt. Daheim angekommen lag ich selbstverständlich mit geöffneter Arccos App auf der Couch und ging Schlag für Schlag die gesamte Runde durch. Nahezu alles wurde erfasst. Zeitgleich mit dem Abspeichern des Scores gratulierte mir das System schon zur ersten absolvierten Runde und einige „Rekorde“ wurden angezeigt: Weitester Abschlag, getroffene Grüns (GIR), wenigste Putts/Runde und und und... sogar die Spieldauer wurde gemessen (2:47 – allein und Early Bird). Neben den positiven Ergebnissen der Rundenstatistik konnte ich auch einige aufschlussreiche Erkenntnisse gewinnen: 66,7% meiner Annäherungsschläge blieben zu kurz und die Drives landeten sowohl links (28,6%) als auch rechts (21,4%) vom Fairway.

Arccos als virtueller Caddie

Neben dem Tracking der einzelnen Schläge via GPS kann die App auch als Caddie genutzt werden. Mit der zu spielenden Länge unter Berücksichtigung des Höhenunterschieds (Slope), übersichtlichen Luftbildaufnahmen der Spielbahnen und der Windstärke – sowie Richtung stellt das Arccos 360 System alle wichtigen Informationen bereit. Die Genauigkeit der Wind- und Slopedaten wurden nicht getestet.





Tour Analytics

Nach einigen gespielten Runden entfaltet das Programm immer mehr sein außergewöhnliches Potential. Unter dem Reiter Tour Analytics ist eine Einteilung meines Handicaps in fünf verschiedene Bereiche (Abschlag, Annäherung, Chipping, Bunkerspiel und Putting) zu finden. Man kann somit als Spieler genau erkennen, wobei Schläge verloren und gewonnen werden. Idealerweise wird das Training darauf basierend angepasst, um an den Schwächen zu feilen. Nach den häufig zu kurz gelassenen Eisenschlägen wurde in meinem Fall natürlich besonders die Längenkontrolle ins Auge gefasst.







Smart Distance

Außerdem ist eine Auflistung der eigenen Schläger und deren durchschnittliche Länge Teil des Arccos 360 Tracking Systems. Der Traum ist es natürliche ein stufenartiges Gapping beginnend beim Driver mit konstanten 10-15 Meter Abständen zum jeweils kürzeren Schläger zu haben. Leichter gesagt als getan: Die App offenbart mir, dass mein Hybrid (19°), das Eisen 4 und das Eisen 5 nahezu dieselbe Durchschnitts-Distanz aufweisen. Die Daseinsberechtigung einiger Spielgeräte wurde nach diesem Schock natürlich hinterfragt.





Auch die Arccos-Statistiken von Tour-Stars und bekannten Golfern – wie Jamie Sadlowski, Rickie Fowler oder Billy Horschel – sind mit nur wenigen Klicks in der App zu finden. Interessant und deprimierend zugleich: Billy Horschels Handicap liegt laut dem Tracking-System bei +5 und Sadlowskis weitester Abschlag bemisst sage und schreibe 515 Meter.


Fazit

Basierend auf meinen Erfahrungen lässt sich nur das teilweise ungenaue Erkennen der Putts kritisieren. Es empfiehlt sich außerdem die Plätze im Vorhinein runterzuladen, da man sonst auf eine gute mobile Verbindung angewiesen ist und das Datenvolumen sowie die Akku-Laufzeit natürlich auch darunter leidet. Alles in allem hält das Produkt, was es verspricht und ist kinderleicht zu bedienen.

Ob sich durch Arccos das Handicap insgesamt schneller verbessert als ohne bzw. als mit herkömmlichen Analyse- und Messmethoden bleibt fraglich. An schlechten Tagen kann das ständige Erfassen der Schläge zweifelsohne sehr schmerzhaft für das Selbstbewusstsein sein und somit eher eine kontraproduktive Wirkung erzielen. Zusammenfassend ist das Tracking System für alle Statistik-Freaks und ambitionierte Spieler – die einen Überblick über die eigenen Fähigkeiten bekommen wollen – bestens geeignet. Anfänger beziehungsweise Golfer mit höheren Handicaps werden auf Grund der fehlenden Konstanz nur wenig von den Auswertungen profitieren können.


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