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Coverstory: 42. Ryder Cup DER FIGHT
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Vergiftete Geschenke 10.09.2018

Vergiftete Spenden
Vergiftete Spenden
Adriaan Alexander Straten berät mit seinen Netzwerken golfpilot.de und golfbrand.de seit 1989 Golfanlagen
Adriaan Alexander Straten berät mit seinen Netzwerken golfpilot.de und golfbrand.de seit 1989 Golfanlagen
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Weshalb gut gemeinte Spenden für einen Golflclub oft zur finanziellen Belastung werden können.


Adriaan A. Straten

Ach, wie schön ist es doch in der Gewissheit zu leben, dass Generationen nach einem Ableben sich an jenen erinnern werden.Manche bauen sich dazu ein Haus, andere errichten ein Denkmal, also zum Beispiel ein großes Haus mit Namen darauf. Andere, viele andere spenden Dinge. Dinge, die wieder andere sich hinstellen und voller Dankbarkeit den häufig in Messing geprägten Namen des Spenders, bzw. der Spenderin, lesen. Wie großzügig und gemeinnützig das Spenderherz doch sein kann.

Die andere Seite der Medaille wird vom Spender, und denen, die die Spende annehmen, häufig nicht bedacht. Gerade Golfplätze sind prädestiniert, Friedhöfe der Eitelkeiten zu werden. Allein die vielen Bänke, Sitzgelegenheiten und andere Annehmlichkeiten, die auf dem Golfplatz verteilt werden, verursachen zusätzlichen Pflegeaufwand. 

Sei es das Mitglied, das einer Golfanlage eine Palette große Handtücher spendet, da die vorhandenen seiner Auffassung nach zu klein sind. Großzügige Geste, ja sicher. Nachdem ihn der Golfmanager darauf hinwies, dass nun nicht mehr 20 Handtücher in eine Waschmaschine passen, sondern nur noch 8 Handtücher, was gerade nach gut besuchten Turnieren ein Problem darstellt, hat der Spender seine Spende um eine weitere Waschmaschine und einen weiteren Trockner erhöht. Auch das ist großzügig. Die Prozesskosten für häufigeres Waschen mit einhergehenden Personal-, Energie- und Wasserkosten verbleiben bei der Golfanlage.

Zurück zum Spendenbestseller, der Sitzbank: Das routinemäßige Freischneiden von Sitzbank-Flächen verursacht erheblichen zusätzlichen Pflegeaufwand im Greenkeeping. Anfahrt Zeit: 10 Minuten, Freischneiden 10 Minuten, Abfahrtzeit 10 Minuten, macht mit Rüstzeiten rund eine halbe Stunde für eine Sitzbank. 

Nicht so schlimm? Naja!

Um dorthin zu kommen, braucht der Greenkeeper einen Gator (kleines Transportfahrzeug mit Laderampe), Anschaffungspreis rund 27.000 EUR. Nun gut, das Fahrzeug steht ohnehin im Fuhrpark. Kalkulatorisch müssen wir es trotzdem berücksichtigen. Der Freischneider mit EUR 650 Anschaffung ist zu vernachlässigen. Aber auch der hat nur eine begrenzte Lebensdauer. Also nehmen wir ihn doch hinein in unsere kleine Kalkulation. Der Mitarbeiter (Platzarbeiter) kostet uns rund 20 EUR die Stunde, und für die Maschinen kalkulieren wir mal 23,50 EUR pr Stunde, so kommen wir auf einen Stundensatz von EUR 43,50. Das Freischneiden einer Bank kostet somit rund EUR 21,75. 

Damit auf der Golfanlage es über die Saison schön und gepflegt ausschaut, sollte die Bank spätestens alle drei Wochen freigeschnitten werden. Bei einer Saison von März bis Oktober (8 Monate = 32 Wochen / 3 Wochen = 11 x Freischneiden) kommen wir auf EUR 239,25 p.a. ohne Pflegeaufwand für die Bank, das Einwintern in der Halle und das wieder zur Saison Ausbringen auf den Platz. Geben wir hierfür noch einmal moderate zwei Stunden á EUR 21,75 dazu, liegen wir bei EUR 282,75 p.a., also sagen wir mal rund EUR 280,00 p.a. in diesem Beispiel.

Bei zehn Jahren Gedenken an die Spende hat die Golfanlage (Betreiber oder Club) zusätzlich ca. EUR 2.800 pro gespendeter Bank auf dem buchhalterischen Konto für die Prozesskosten pro Sitzbank. Bei zehn gespendeten Sitzbänken liegt die Belastung bereits bei ca. EUR 28.000, sofern diese in gepflegtem Zustand gehalten und präsentiert wurden.

Die Mitgift für jede gespendete Bank sollte somit mind. EUR 2.800,00 bar betragen, damit nicht von einem vergifteten Geschenk gesprochen werden kann. Denn über Tote soll man ja nicht schlecht sprechen und/oder möchten sie als Golfer über eine Umlage bei einem GolfClub e.V. oder eine Beitragserhöhung bei der Betreibergesellschaft "Spenden" mitfinanzieren?

Sofern die Bänke, Handtücher, Holzhütten etc. vom Golfanlagenbetreiber bzw. wirtschaftlich verantwortlichem Golfclub gewünscht oder erbeten wurden, um Anschaffungskosten für eine als notwendig erachtete Infrastruktur auszulagern, ist eine Mitgift freilich obsolet.

Quelle: Zahlen beispielhaft

Adriaan Alexander Straten berät mit seinen Netzwerken golfpilot.de und golfbrand.de seit 1989 Golfanlagen



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