23.08.2026 | 11:32

Das Götzitat: Herausforderung Golf – ist das peinlich?

Golf ist schon Herausforderung genug. Wenn noch Mitspieler mit „speziellen“ Eigenheiten dazukommen, wird‘s richtig schwer
Götz Schmiedehausen
Götz Schmiedehausen

Golf ist an sich schon Herausforderung genug. Wenn dann noch Mitspieler mit „speziellen“ Eigenheiten dazukommen, wird‘s richtig schwer!


Im Golfsport gibt es ein klar definiertes Regelwerk, das in seiner (un)missverständlichen Komplexität erklärt, was im Spiel erlaubt ist und was eine Bestrafung nach sich zieht.

Zudem kann man im „Regelbuch der Etikette“ nachlesen, welcher ethische Verhaltenskodex dem „Geist des Golfspiels“ zuträglich ist.

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Doch anders als bei den Golfregeln regiert in Verhaltensfragen nur der Menschenverstand, über dessen Gesundheitsgrad sich vortrefflich streiten lässt.

Zwischen „latentem Fremdschämen“ und „unerträglichem Verhalten“ entfaltet sich eine breit gefächerte Skala der Peinlichkeit. Auf dieser hat mit Sicherheit jeder Golfer schon einmal ein paar Bruttopunkte gesammelt.

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Golfanfänger genießen Narrenfreiheit

Golfanfänger genießen einen hohen Grad an Narrenfreiheit, da Sie Gut noch nicht von Böse unterscheiden können.

Sie dürfen unsägliche Perlenzählerketten an der Tasche befestigen oder Schlägerhauben für Ihre Eisen (Schauder!) benutzen. Aber auch ein Tee an der Schnur, um Ihren quietschbunten Ball ins Spiel zu bringen, wird gerne mit sich geführt.

Golfanfänger dürfen sogar Schlägerhauben für Ihre Eisen benutzen
Golfanfänger dürfen sogar Schlägerhauben für Ihre Eisen benutzen

Ähnlich wie ein verspielter Welpe signalisieren Sie so dem Rudel: „Ich bin klein und harmlos, habt mich lieb.“

Nicht nur bei Golfnovizen, sondern leider in allen Golfschichten verbreitet, ist das Phänomen, hilflose Zuhörer mit chronischem verbalem Sprechdurchfall zu belästigen, indem man ein spontanes Referat zum Thema „Meine aufregende Golfrunde“ hält.

Sollte sich Ihr Tisch immer wieder schlagartig leeren, wenn Sie das Wort ergreifen, oder hat Ihr Gegenüber schon wieder sein müdes Haupt auf seinem Teller Spaghetti Bolognese gebettet, könnte es sein, dass Ihr letztes Golfabenteuer nüchtern betrachtet so spannend war, wie der Wandfarbe beim Trocknen zuschauen zu müssen.

Haben Sie dann nach zwei bis fünf Jahren Golf endlich die Nase aus dem Urschlamm der „Handicap- 30“-Zone erhoben und fühlen sich nun berufen, jedem Mitspieler ungefragt „wertvolle“ Schwungtipps an die Backe schmieren zu wollen, empfiehlt sich ebenfalls der einfache Ratschlag: „Kopf zu!“ Ihr halbgares Wissen über den Golfschwung ist in etwa so hilfreich wie ein Blasenpflaster bei Keuchhusten.

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Der wahre Charakter eines Golfers zeigt sich spät

Die wirklich dunklen Charakterzüge manifestieren sich jedoch meist erst im weiteren Verlauf einer Golfkarriere. Und hier beginnt die wahre Herausforderung beim Golf.

Da gibt es den egozentrischen Golf-Autisten, der sich stets so verhält, als gäbe es die Mitspieler nicht. Oder den masochistischen Choleriker, der bei jedem schlechten Schlag einen Tobsuchtsanfall auslebt.

Sehr „beliebt“ ist auch der Schummler, der im Turnier 6 spielt, 5 ansagt und 4 schreibt, gerne mal mit dem „Leder-Wedge“ eine suboptimale Balllage optimiert. Und am Ende des Tages nimmt er trotz grottenschlechter Runde den ersten Preis mit nach Hause.

Herausforderung Golf: Sehr beliebt ist der masochistische Choleriker
Herausforderung Golf: Sehr beliebt ist der masochistische Choleriker

Über die verhassten Handicap-Schoner muss kein weiteres Wort verloren werden; sie sind die niederträchtigste Zecke am Hinterteil des Turniergolfsports.

Außerhalb dieses zwar lästigen, aber doch noch harmlosen „Schonbereichs des Schambereichs“ bewegen sich die sozial unverträglichen Zeitgenossen. Diese führen sich beispielsweise jede Woche im Clubsekretariat auf, weil andere Menschen die Frechheit besitzen, auch Golf spielen zu wollen.

Endlich von der Leine gelassen, wird herumgepöbelt und das Durchspielrecht durch Warnschüsse eingefordert, die knapp hinter der vermeintlich zu langsam spielenden Gruppe einschlagen.

Wer bei Turnieren das Pech hat, mit diesen Typen spielen zu müssen, meldet sich besser krank oder bittet um Versetzung in eine andere Gruppe.

Gott sei Dank jedoch besteht Hoffnung. Denn der überwiegende Teil der Golf-Community setzt sich aus halbwegs normalen Zeitgenossen zusammen, die relativ unauffällig ihrer Leidenschaft nachgehen. Dabei zeigen sie sich Neugolfern meist freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit.

Also versuchen Sie doch wenigstens so zu tun, als wären Sie Teil dieser sympathischen Mehrheit.

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