16.12.2019

Die drei gängigsten Strategie-Fehler

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Welche Strategiefehler überwiegen bei Amateurgolfern? Below Par mit einer Big-Data-Analyse.


Freddy und Patrick Braun von www.belowpar.de
Zuletzt haben wir die  – laut Hersteller – „weltweit cleverste Golfuhr“ getestet. Damit sollen statistische Einblicke, die früher nur Tour-Spielern vorbehalten waren, nun auch uns Amateuren zugänglich werden. Entworfen wurde die Uhr von der britischen Firma Shot Scope. Shot Scope V2 heißt das neue Modell. Anders als bei herkömmlichen GPS- Golfuhren erhalten wir damit nicht nur die Entfernung zum Grün oder zu bestimmten Hindernissen. Wir erhalten dank GPS und Sensoren an den Schlägern nach der Runde eine detaillierte, statistische Auswertung unserer Leistung, die wir via der App (fast) immer in der Hosentasche haben. 

 Das „Performance Dashboard“ der App zeigt uns unter anderem… 
  • Wie viele Fairways und Grüns wir im Schnitt treffen, 
  • wo wir Fairways und Grüns verfehlen, 
  • wie weit ein durchschnittlicher Annäherungsschlag vom Loch entfernt liegt, 
  • wie viele Putts wir pro getroffenem Grün benötigen und 
  • aus welcher Distanz wir die meisten 1- oder 3-Putts machen. 
Einerseits wird unsere Leistung von Runde zu Runde auf diese Weise sichtbar. Andererseits lassen sich spielerische Trends erkennen. Gegebenenfalls können wir so entsprechende Änderungen vornehmen oder uns Hilfe suchen. Doch vor allem gehen wir dadurch sicher, dass wir an den Aspekten unseres Spiels arbeiten, die es am nötigsten haben. 
Wir sprechen immer wieder davon, wie wichtig es ist, im Training einem klaren Plan zu folgen. Ein Plan, der durch Zahlen, Daten und Fakten — nicht durch Anekdoten auf der Clubterrasse — inspiriert ist. Zu wissen, wie es um das eigene Spiel steht. Zu wissen, wo wir Schläge liegen lassen und warum — all das ist unheimlich wichtig. Und mit der Uhr problemlos möglich. 

Die drei gängigsten Strategie-Fehler 

Doch Shot Scope sammelt nicht nur unsere, sondern auch die Spieldaten anderer Golfer und Golferinnen. Über 30 Millionen Schläge wurden mit der Uhr bereits aufgezeichnet. Shot Scope speichert diese Daten und veröffentlicht Trends und Tipps auf der Firmenwebsite. Erst vor kurzem veröffentlichte Shot Scope ein neues eBook, das zehn gängige Strategie-Fehler identifiziert und diese mit den Daten der Uhr untermauert. 
Drei dieser Fehler möchten wir uns in den kommenden Abschnitten widmen, sodass Sie Ihren Ball zukünftig cleverer über den Platz bewegen können — auch ohne die Uhr zu besitzen. 
#1: Schläge ins Grün bleiben zu kurz 
Shot Scope unterteilt die Daten im eBook in 5 verschiedene HCP-Klassen: HCP 2, 8, 14, 20 und 26. Dass Spieler höheren Handicaps nicht jedes Grün in Regulation treffen, ist nichts Neues. Doch die genauen Zahlen dahinter hört der ein oder andere vielleicht zum ersten Mal. 
Spieler mit HCP 2 treffen pro Runde 61% aller Grüns in Regulation. Spieler mit HCP 14 treffen im Schnitt 29% aller Grüns und Spieler mit HCP 26 nur noch 18% aller Grüns in Regulation. 
Grüns in Vorgabe nach Handicapklassen
Der Grund für verfehlte Grüns ist laut Shot Scope recht simpel: 80% aller Schläge ins Grün bleiben zu kurz. In anderen Worten: Ein Spieler mit HCP 20 verfehlt pro Runde 14 Grüns. 11 davon erreichen das Grün gar nicht erst. Ein Wert, der einerseits ziemlich verblüffend, allerdings auch leicht zu beheben ist.
Allein durch eine genaue Kenntnis der eigenen Schlaglängen lässt sich hier viel bewegen. Sie kennen Ihre Schlaglängen nicht? Ziehen Sie einen Schlaglängentest bei Ihrem Pro in Betracht (vorausgesetzt Ihr Pro ist im Besitz eines Trackmans oder einem ähnlichen Messgerät). 
Bedenken Sie zudem, dass es keine Pluspunkte für 110% Schwünge gibt. Greifen Sie lieber zu einem längeren Schläger und nehmen Sie den Fuß dabei etwas vom Gas. 72% aller Hindernisse befinden sich laut den GPS Daten der Uhr vor dem Grün. Nur 28% aller Hindernisse befinden sich hinter dem Grün. Natürlich sind diese Werte von Platz zu Platz unterschiedlich. Trotzdem lohnt es sich, sich dieser Tendenz bewusst zu werden, im Notfall den längeren Schläger aus der Tasche zu ziehen und den Fokus auf der Range nicht ausschließlich auf die Richtung des Balles zu legen. Über 30 Millionen analysierte Schläge lügen nicht: Der Schlüssel zu einem besseren langen Spiel liegt größtenteils in der Distanzkontrolle. 
#2: Big Numbers machen uns einen Strich durch den Score 
Doppelbogeys und aufwärts bezeichnet Shot Scope als „Big Numbers“. Diese sind fatal für Score und Moral und oft das Resultat einer falschen Strategie. 
Wir definieren eine „falsche Strategie“ als eine Entscheidung bei welcher wir unser Können überschätzen. Vielleicht, weil wir unseren Mitspielern etwas beweisen wollen. Vielleicht, weil wir das Gefühl haben, die verpasste Chance auf dem letzten Loch sofort wieder ausgleichen zu müssen. Oder vielleicht, weil wir glauben, Birdies seien notwendig, um niedrig zu scoren. 
Ein Blick in die Shot Scope Datenbank verrät: Weniger Big Numbers, nicht mehr Birdies, sind der Schlüssel zu einem tieferen Score. Ein Spieler oder eine Spielerin mit HCP 8 macht kaum mehr Birdies, als ein Spieler oder eine Spielerin mit HCP 26. Selbst ein Spieler mit HCP 2 macht im Schnitt „nur“ rund 2 Birdies pro Runde. Wirft man jedoch einen Blick auf die durchschnittliche Anzahl der „Big Numbers“, so wird der Unterschied deutlich: Je besser ein Spieler, desto besser vermeidet er Doppel- und Triplebogeys.
Doppel-Bogeys und Birdies im Vergleich…
Für viele klingt das logisch. „Natürlich macht ein guter Spieler weniger Doppelbogeys, sonst wäre er ja kein guter Spieler.“ Doch hier steckt mehr dahinter, als man zunächst wahrnimmt. Gute Spieler machen nicht deshalb weniger Doppelbogeys, weil sie jeden Ball perfekt treffen und wie an der Schnur gezogen in Richtung Fahne schießen. Auch niedrige HCPs machen Fehler. Doch niedrige HCPs planen ihre Schläge entsprechend und überlegen sich genau, wo sie aggressiv sein können und wo sie lieber einen Gang zurückschalten sollten. 
Amateure höheren HCPs spielen jede Fahne gerne direkt an. Und finden sich mit dem nächsten Schlag dann in Situationen wieder, die ihre Chancen auf ein Par oder ein Bogey an diesem Loch deutlich schmälern. Ein gutes Beispiel hierfür sind nahe am Grünrand stehende und eng verteidigte Fahnen. Diese mit einem mittleren oder langen Eisen direkt anzugreifen, ist nicht die beste Idee. Die Mitte des Grüns reicht hier vollkommen aus. 
 #3: Variation im kurzen Spiel führt zu Erfolg 
Erinnern Sie sich? Selbst Spielermit HCP 2 treffen nur 61% aller Grüns in Regulation. Der Durchschnitt auf der PGA Tour liegt bei rund 69%. Das heißt, auch Profis verfehlen pro Runde zwischen 5 und 6 Grüns. Jedes Bogey kostet auf der Tour bares Geld — Chips, Pitches und Bunkerschläge sollten deshalb besser sitzen. Je höher unser Handicap, desto öfter halten wir ein Wedge in der Hand. Und desto eher profitieren wir von einer cleveren Strategie ums Grün herum. Ein Blick auf die Shot Scope-Daten verrät, dass es nicht allein die Fähigkeiten sind, die niedrige von höheren Handicaps unterscheiden.
Wo und wann wir welchen Schläger verwenden, ist ebenso wichtig. Laut Shot Scope verwendet ein Spieler mit gutem kurzen Spiel alle Wedges, die er im Bag hat. Selbst der Putter (Texas Wedge) und die niedrigen Eisen kommen zum Einsatz. Alle Schläger werden ähnlich häufig verwendet. Spieler mit ausbaufähigem Kurzspiel greifen dagegen häufig zum gleichen Schläger — oft zu ihrem Lob Wedge.
Doch mit dem Lob Wedge anzunähern, ist nicht immer einfach, denn der Ball fliegt viel und rollt wenig. Damit der Ball tot am Loch zur Ruhe kommt, muss er einen Großteil der Strecke fliegen. Wer den Ball nicht optimal trifft, darf nach ein paar Metern gleich nochmal ran. Zwar entwickelt niemand von heute auf morgen einen Tiger-ähnlichen Touch. Doch wir können es uns ums Grün herum deutlich einfacher machen, wenn wir die Strategie guter Spieler modellieren. Gute Spieler passen ihre Schlägerwahl ihrem Umfeld und der jeweiligen Situation an, nicht umgekehrt.  

Das ist wichtig: 
  • Selbst Spieler mit mittlerem Single-HCP treffen nur rund die Hälfte aller Grüns in Regulation. 
  • 80% aller Schläge, die das Grün verfehlen, bleiben zu kurz. 
  • Wir spielen besser, wenn wir Kunstschläge vermeiden und unsere Strategie unserer Leistung anpassen. 
  • „Doppelbogeys minimieren, nicht Birdies maximieren“ sollte der meisten Amateure sein 
  • Gute Spieler passen ihre Schlägerwahl ums Grün herum der jeweiligen Situation an, nicht umgekehrt.

Freddy und Patrick Braun sind Brüder, Plus- und Singlehandicapper (+1,4 & 3,6), Bundesliga-Spieler und die Köpfe hinter der Golftrainings-Website BelowPar.de. Freddy spielte vier Jahre lang College Golf in den USA, wo er mit der Wilmington University bei den nationalen Meisterschaften 2016 unter die Top 8 Teams des Landes kam. Während seiner Zeit in den USA lernte er unter anderem von PGA-Tour-Trainern und gewann mehrere Turniere mit dem Team.

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