Das Tempo ist der Schlüssel 21.11.2017

Fokus auf die Linie: Jason Day
Fokus auf die Linie: Jason Day
Ein gutes Team: Jason Day mit seinem Ex-Caddie und Schwungcoach Colin Swatton
Ein gutes Team: Jason Day mit seinem Ex-Caddie und Schwungcoach Colin Swatton
Ein gutes Team: Jason Day mit seinem Ex-Caddie und Schwungcoach Colin Swatton
Ein gutes Team: Jason Day mit seinem Ex-Caddie und Schwungcoach Colin Swatton
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Der australische PGA-Tour-Star Jason Day erklärt die richtige Reihenfolge bei der Putt-Routine und verrät seinen Lieblings-Trainings-Tipp auf dem Grün.

Sie werden bei mir selten einen Dreiputt sehen. Vergangenes Jahr war ich auf Platz 15 der PGA-Tour-Statistik im Dreiputt-Vermeiden – mit nur 25 Dreiputts auf 1.242 Löchern. In der Einputt-Statistik landete ich mit 43,64 Prozent auf Rang sechs.

Aber die Statistik, auf die ich am stolzesten bin, ist die „Schläge gewonnen beim Putten“-Statistik. Im Vergleich zum Rest des Spielerfeldes habe ich durchschnittlich mehr als einen Schlag pro Runde gewonnen. Vier Schläge über vier Runden, das ist überragend.

Distanzkontrolle

Der Schlüssel für diese beeindruckenden Putting- Statistiken heißt: Distanzkontrolle. Ich möchte nie einen Putt zu kurz lassen. Denn: Man kann den Putt nicht einlochen, wenn der Ball nicht bis zum Loch rollt, richtig?! Das bedeutet aber nicht, dass ich den Ball einfach mit Schwung in Richtung Loch putte.

Es gilt vielmehr das richtige Tempo zu finden, damit der Ball das anvisierte Break nimmt und man einfache, stressfreie Tap-ins hat, sollte man das Loch verpassen. Ich möchte keinen meiner Putts mehr als 30 Zentimeter zu lang sehen. Das ist meine Philosophie beim Putten.



Die folgenden Tipps werden Ihnen helfen, auch Ihre Puttstatistik deutlich zu verbessern:

  • VERFEINERN SIE IHR GEFÜHL
    Putten ist eine Kunst. Ein Großteil meines Erfolgs dabei basiert auf Gefühl. Wenn ich zum Beispiel jemandem das Putten beibringe, frage ich ihn zuerst, was er für den wichtigsten Aspekt beim Putten hält. Hoffentlich antwortet derjenige dann mit „Geschwindigkeit“. Denn ohne die Geschwindigkeit für den jeweiligen Putt zu kennen, kann man die perfekte Linie nicht identifizieren. Wählt man die Linie, bevor man das Tempo bestimmt, puttet man zu schnell oder zu langsam und hat zudem ständig das Gefühl, die falsche Linie gewählt zu haben. Das führt zu Inkonstanz.

  • SEIEN SIE AGGRESSIV
    Sehr viele Amateure lassen Putts zu kurz, weil sie Angst haben, den Ball zu fest zu putten. Aber alle guten Putter, die man auf der Tour sieht, sind – generell betrachtet – aggressiv auf den Grüns. Dieses Selbstvertrauen bekommt man durch viel Training. In einer regulären Woche ohne Tour-Event verbringe ich jeden Tag zwei Stunden auf dem Putting-Grün. Im Vergleich dazu trainiere ich nur rund eine Stunde mit den langen Schlägern.

  • VERTRAUEN SIE IHRER LINIE
    Der beste Rat, den ich Amateuren gebe, ist, ihrer gelesenen Puttlinie und ihrem Instinkt zu vertrauen und bewusst hinter ihrer Einschätzung von Tempo und Linie zu stehen, wenn sie den Putt ausführen. Überdenkt man seine Entscheidung, manipuliert man sich selbst beim Schlag und wird nie konstant putten.

  • MEIN LIEBLINGSDRILL
    Um meine Geschwindigkeit und Distanz zu kontrollieren, putte ich Bälle aus 4, 5 und 9 Metern in einem flachen Bereich des Putting-Grüns. Aus diesen Entfernungen geht es nur ums Gefühl. Du versuchst natürlich, jeden Putt zu lochen, aber du versuchst auch, den Ball so nah wie möglich ans Loch zu putten. Mein Ziel ist immer, dass der Ball nie mehr als sechs Umdrehungen über das Loch hinausrollt, wenn ich es verpasse.



Deswegen habe ich meine Routine geändert

Mindestens ein halbes Dutzend Mal pro Runde habe ich meinen (mittlerweile Ex-, Anm. d. Red.) Caddie Colin Swatton einen Putt für mich lesen lassen und ihn nach seiner Meinung gefragt. Anfang des Jahres 2015 schlug er dann vor, dass ich fortan alle Putts selbst lesen sollte. Meine erste Reaktion damals war: „Was?!“

Doch er meinte, dass mich diese Herangehensweise herausfordern würde, mehr Informationen zum jeweiligen Putt aufzunehmen und ich mich dadurch mehr mit dem Schlag identifizieren könnte. Der Punkt, den Col ansprach, war, dass er mit seiner Einschätzung einer Puttlinie entweder meine bestätigt oder Verwirrung entsteht. Natürlich möchte man Zweiteres unbedingt vermeiden.

Keiner kennt das eigene Gefühl

Wir sind beide gut beim Lesen eines Grüns und beim Bestimmen einer Puttlinie. Der Unterschied ist aber, dass Col nicht weiß, wie ich mich fühle, wenn ich über dem Ball stehe, und wie fest ich den Ball putten möchte. Wenn ich den Putt dann zu kurz lasse, weil ich in der Ansprechposition ein etwas anderes Gefühl habe als er dachte, fördert das die Unsicherheit. War es meine oder seine Einschätzung, die nicht stimmte?

Es ist keine Kritik an Swatto; er hat etwas herausgefunden, das mir geholfen hat, mehr Selbstvertrauen aufzubauen – damit kein Zweifel aufkommt, wenn ICH über dem Ball stehe.
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