31.08.2021 | 14:36

Struktur für das eigene Training

Golftimer
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Durchgeplantes Golferleben – Tour-Spieler Jonas Kölbing berichtet über Arbeitsorganisation und Kontrolle im Alltag eines Golf-Profis.


Jonas Kölbing ist seit 2015 Playing Pro und hat es als Amateur auf ein Handicap von +4,1 gebracht. Seine größten Erfolge bisher: die Karte für die Challenge Tour und geschaffte Cuts bei der BMW International Open sowie der Porsche European Open. Zudem errang er den Titel bei der Deutschen Meisterschaft der Professionals 2015.

In seinem Buch Mein Golf – Wie ich lerne, den Affen zu lieben geht es darum, was gute Spieler machen müssen, um höchstes Niveau zu erreichen.

Im folgenden Auszug berichtet der Tour-Pro über seinen persönlichen Businessplan, Struktur im Trainingsalltag und wie er vorgeht, wenn die Schlagfläche nicht mehr square am Ball steht.

Struktur für das eigene Training

Mein Golfleben ist heute entschieden strukturierter als vor noch nicht allzu langer Zeit. In Tages- und Wochenplänen ist jetzt festgeschrieben, was als nächstes zu tun oder eben auch zu lassen ist. Und die Kontrolle wird zu einem ausschlaggebenden Instrument. Wie strukturiert mein Training auf der Range inzwischen geworden ist, hier ein Beispiel: immer schon habe ich ein Problem mit meinen Tee Shots. Ich weiß inzwischen, dass der Hauptgrund für krumme Bälle vom Abschlag an meiner Schlagfläche liegt, die im Treffmoment nicht „square“ ist.

Um hier zu besseren Ergebnissen zu kommen, notierte ich bestimmte Maßnahmen, von denen ich glaube, dass sie geeignet sind, das Problem zu lösen. Darunter fallen zum Beispiel ruhigere Hände, eine Schwungbewegung in „sync“ und eine geänderte Ballposition, um einige Beispiele zu nennen. Ich gehe dann konzentriert die einzelnen Punkte durch und notiere mir nach dem Training die jeweilige Wirkung. Für die nächste Einheit nehme ich dann das mit, was mir erfolgversprechend schien und verwerfe, was offensichtlich nichts gebracht hat. Selbstverständlich halte ich alles schriftlich fest und richte die folgenden Aktivitäten in meinen Tagesplänen darauf aus. Ich kann dann förmlich ablesen, wie es um meinen Erfolg bestellt ist. Wie sich meine Schlagfläche hält, in welche Richtung sich mein Schwung entwickelt.

Tour-Pro und Buch-Autor: Jonas Kölbing

Wie ein Controller im Unternehmen

Ich studiere Videos von meinem Schwung, beobachte die Flugkurven meiner Bälle und habe die Daten des Trackman vor Augen, sodass mir ausreichende Beurteilungskriterien zur Verfügung stehen. Auch wichtig während solch intensiven Trainings ist für mich mein „Fitness-Strap“, der mir zu jeder Zeit sagt, wie hoch die körperliche Belastung ist. Wie ein Controller in einem Unternehmen kann ich bei Erstellung der Pläne für den nächsten Tag oder die nächste Woche analysieren, wieviel Zeit ich in die Problemlösung investiert habe, wie hoch die physische Belastung war – die Batterien müssen ja voll bleiben – und vor allem kann ich mehr oder weniger genau ablesen, ob ich bei der Lösung meines Problems zumindest mal auf der richtigen Spur bin.

Ich entscheide darüber, wie viele Einheiten sich beim nächsten Training mit der Schlagfläche beschäftigen und ob ich dabei mehr oder weniger Zeit aufwenden muss. Gut erkennen kann ich auch, ob ich die Lösung allein finden werde oder ob ich externe Hilfe brauche. Ich kann die Zeit für die Regeneration planen, da mir ja die Daten für die Belastung vorliegen. Nach Ende eines Tages notiere ich auf meinem Tagesplan das Programm für den nächsten Tag und lösche, was ich nicht mehr brauche. Jeden Morgen schaue ich auf die Tafel, sehe die Aufgaben, die auf mich zukommen, mache mir meine Ziele bewusst und beschäftige mich mit den Wegen dahin. Ich sage hier ausdrücklich, dass der Tag, seit ich mich dieser Vorgehensweise verschrieben habe, stets mit guten Gefühlen beginnt. Diese haben, wie ich meine, ihre Wurzel in der Gewissheit, dass das was ich jetzt mache, gut ist für mich. Daraus wiederum wächst eine deutlich spürbare Zuversicht, schon bald zumindest einiges in meinem Spiel besser zu machen.

Mein Tipp für den Trainingsplan

Erstelle eine Art „Businessplan“, so als würdest du ein Unternehmer sein. Denke über deine Ziele nach, definiere diese und frage dich, wie du sie erreichen willst. Brauchst du Hilfe oder kannst du das alleine schaffen?

  • Denk immer dran, dass deine Arbeit langfristig Erfolg haben muss. Kontrolliere deine Ziele im Verhältnis zu deinem Aufwand.
  • Vergiss dabei nie, dass es nicht nur um Golf geht, sondern auch gesundheitliche Aspekte, Regeneration und natürlich Freunde und Familie eine Rolle spielen.
  • Meine Erfahrung zeigt mir mittlerweile, dass ich meine Trainingsplanung nur konsequent ausführen kann, wenn ich zudem 100% Zeit für mich habe und keine störenden Faktoren mich belasten. Zum Beispiel: sobald Freunde mit mir zum Golfspielen gehen, konzentriere ich mich mehr auf sie und den Spaß dabei, weil ich diese Gelegenheit nicht nutzen will, nur mein Spiel und meine Ansprüche an das Spiel im Auge zu haben. Auch fertig zu spielen, macht oftmals keinen Sinn, denn wem vergeht nicht die Lust bei 6-stündigem Dauerregen.
  • Notiere dir Fortschritte jeglicher Art in deinem Wochenkalender und übertrage Ergebnisse und neue Erkenntnisse mit den daraus erwachsenen Trainingseinheiten Tag für Tag auf die Tafel. Ich habe einen geschärften Blick für alle Details. Dem verdanke ich die realistische Einschätzung, ob mein Handeln in die richtige Richtung geht und lerne dabei, wo es etwas zu ändern gibt.
  • Für mich extrem hilfreich ist, dass mein geschriebener Plan zu Hause an einer Stelle hängt, die ich ständig im Blick haben muss. Das Planen und seine Bedeutung wird mir dadurch stets ins Bewusstsein gebracht.

 

Mein Golf - wie ich lerne, den Affen zu lieben - von Jonas und Alexander Kölbing
Mein Golf – wie ich lerne, den Affen zu lieben – von Jonas und Alexander Kölbing

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