05.10.2023 | 07:00

Freddy Schott: „Dann würde ich etwas falsch machen …“

Marcus Brunnthaler
Marcus Brunnthaler

Freddy Schott zählt zu den jungen Wilden der deutschen Pro-Equipe auf der DP World Tour. Im GOLF TIME-Exklusiv-Talk erzählt der 22-Jährige über sein Leben auf der Tour, seine Ziele und welche Rolle dabei unter anderem Marcel Siem zukommt …


Frederik „Freddy“ Schott verkörpert einen der aktuell jüngsten Vertreter der deutschen Professionals auf den internationalen Touren.

Mit seinen 22 Jahren hat er gerade mal sein zweites Jahr seit seinem Wechsel ins Profilager, im Januar 2021, hinter sich.

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Seitdem konnte der Düsseldorfer nicht nur jede Menge Erfahrung sammeln, sondern auch im August 2022 sensationell seinen ersten Sieg auf der Challenge Tour bei der Frederikshavn Challenge in Dänemark einfahren.

 

 

Gewinnt bei der Frederikshavn Challenge 2022 seinen ersten Titel auf der Challenge Tour: Freddy Schott (Foto: Getty Images)
Gewinnt bei der Frederikshavn Challenge 2022 seinen ersten Titel auf der Challenge Tour: Freddy Schott (Foto: Getty Images)

Seit dieser Saison hat Frederik nun einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere erreicht und spielt aktuell in Europas höchster Liga, der DP World Tour, wo er immerhin schon ein Top 10 Ergebnis – ebenfalls in Dänemark – erzielen konnte.

Bei der Porsche European Open in Green Eagle bei Hamburg wurde er eher unglücklich geteilter 14., „da war mehr drin“, wie er selbst sagt.

Wir haben den aufstrebenden Jungpro im Interview zu seinem bisherigen Werdegang, über sein Team, aber natürlich auch über seine Ziele und wie es sich anfühlt, auf der DP World Tour zu spielen, befragt.

Freddy, zunächst Gratulation zum geteilten zehnten Platz bei der Made in HimmerLand und auch bei der Porsche European Open hattest du eigentlich stark abgeschnitten. Schade, dass es bei der BMW International Open nicht geklappt hat. Wie siehst du deinen bisherigen Saisonverlauf?

Freddy Schott (Fotos: ECCO by Mike Meyer)
Freddy Schott (Fotos: ECCO by Mike Meyer)

Ja, danke, und natürlich war ich über meinen geteilten zehnten Platz in Dänemark sehr happy, und das war für mich persönlich sehr wichtig. Der Platz liegt mir, und in dieser Woche hat einfach alles gut funktioniert, vor allem während der zweiten Runde.

Bei der Porsche European Open wäre definitiv mehr zu holen gewesen, da habe ich an zwei Löchern sechs Schläge verloren, was natürlich sehr ärgerlich war. Daher sehe ich das Ergebnis mit etwas gemischten Gefühlen, aber letztlich bin ich natürlich auch mit dem 14. Platz sehr zufrieden.

Am Sonntag war dort erneut eine wirklich tolle Stimmung und es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Green Eagle ist für mich ja auch so etwas wie mein zweites Zuhause. Nicht nur, weil ich Ambassador für die Anlage bin. Es war alles in allem eine sehr emotionale Woche – wenn du am Abschlag vom Starter mit den Worten „Welcome home, Freddy Schott“, begrüßt wirst, dann ist das schon etwas ganz Besonderes.

Bei der BMW International Open war es eigentlich nur schade. Ich habe nicht schlecht gespielt, zumindest hatte sich mein Spiel nicht schlecht angefühlt, aber ich hatte von Beginn des Turniers an zu viele Chancen liegen gelassen. Am Freitag war dann der Putter einfach eiskalt und ich bekam einfach nie das Momentum auf meine Seite.

Wie zufrieden bist du insgesamt gesehen mit deiner bisherigen Saison?

Freddy Schott (Fotos: ECCO by Mike Meyer)
Freddy Schott (Fotos: ECCO by Mike Meyer)

Die ist noch etwas durchwachsen. Ich habe immer wieder gute Runden dabei, die mir zeigen, dass ich auf einem guten Weg bin, ich habe aber noch nicht das erreicht, was ich mir gewünscht habe.

Aber unabhängig von den Ergebnissen genieße ich mein erstes Jahr auf der DP World Tour in vollen Zügen, das Reisen und die vielen Erfahrungen, die ich sammele. Ich war vorher auch schon viel unterwegs, aber auf einem ganz anderen Niveau. Das ist hier schon alles ganz toll.

Hat das etwas mit den größeren Distanzen zu den Turnieren zu tun, den höheren Anstrengungen? Oder wie erklärst du dir das?

Freddy Schott (Fotos: ECCO by Mike Meyer)
Freddy Schott (Fotos: ECCO by Mike Meyer)

Nein, ich habe überhaupt kein Problem mit dem Reisen, ich fliege sehr gerne, auch über weite Strecken.

Auch die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse machen mir nichts aus – ich mag Hitze, und Kälte stört mich auch nicht. Nein, da bin ich eigentlich ziemlich entspannt.

Ich denke, ich bin gerade noch in der Selbstfindungsphase, ich spiele jetzt mit den großen Namen und natürlich stelle ich mir da hin und wieder die Frage, ob ich schon so weit bin, da mitzuhalten. Letztlich zeigen mir aber meine guten Ergebnisse, dass ich durchaus das Zeug dazu habe.

Du hast eine sehr enge Beziehung zu Marcel Siem. Unterstützt er dich bei den Turnieren und wie verhält sich das mit den anderen deutschen Spielern?

Freddy Schott
Freddy Schott 2022

Ja, definitiv, aber natürlich mit dem einen mehr als mit dem anderen. Und ja, zu Marcel habe ich eine sehr enge Beziehung, wir mieten uns zusammen Häuser während der Turniere oder gehen gemeinsam abends zum Essen. Wir verstehen uns nicht nur auf golferischer Ebene sehr gut, sondern eben auch auf einer freundschaftlichen, wenn nicht sogar brüderlichen.

Marcel konnte mir damals schon als Amateur und Jungprofi viel mitgeben, aber gerade jetzt, da ich mittendrin bin im DP-World-Tour-Leben, erst recht. Das fängt schon bei kleinen Dingen an, wie mit Tipps zu Reisethemen, die schätze ich ungemein und bin ihm sehr dankbar dafür, weil er das ja eigentlich nicht tun müsste.

Was ist deine Erklärung dafür, warum es bei Marcel die vergangenen Monate so gut läuft?

Marcel Siem mit Familie auf Mauritius
Marcel Siem mit Familie auf Mauritius (Foto: Marcel Siem)

Ich denke, dass ihm seine neue Heimat Mauritius sehr guttut. Er kann da seinen Wunsch, Golf richtig zu leben, voll verwirklichen. Auch seine Familie ist dort sehr glücklich und ich denke, da kommen dahingehend viele Faktoren zusammen.

Er ist jetzt wesentlich entspannter, aber gleichzeitig auch disziplinierter. Ich denke, er holt jetzt das nach, was er schon immer tun wollte. Und das scheint ihm wirklich gut zu tun.

Für mich als guter Freund ist das unheimlich toll zu beobachten, ich freue mich wirklich sehr für ihn.

Zurück zu dir: Wie sieht deine weitere Saisonplanung aus?

Freddy Schott (Fotos: ECCO by Mike Meyer)
Freddy Schott (Fotos: ECCO by Mike Meyer)

Vergangenes Jahr war ja meine erste volle Saison als Profi und da habe ich für mich wirklich gemerkt, dass ich sehr gerne viel spiele. Daher bin ich keiner, der den Rhythmus fährt á la „zwei Wochen spielen, zwei Wochen Pause“ etc.

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Ich bin gerne unterwegs, ich spiele gerne viel und habe auch gemerkt, wie ich mich von Woche zu Woche weiterentwickle. Dementsprechend sieht auch meine Saisonplanung aus. Ich fliege jetzt nach Amerika und danach ist erst einmal ein kleines Sommerloch, ich werde aber so viele Turniere spielen wie nur möglich.

Ich habe richtig Lust zu zeigen, was ich kann, denn ich habe bewiesen, dass ich es kann, und möchte mehr davon.

Gib uns einen Einblick in dein Team. Wie stellt sich das zusammen?

Freddy Schott (Foto: Getty Images)
Freddy Schott (Foto: Getty Images)

Mein Manager Dirk Schimmel und im Team Alexander Roggenkamp von Ethos unterstützen mich in allen administrativen Angelegenheiten, in der Planung etc. Aber sie haben auch immer ein offenes Ohr für alle möglichen Belange und machen einen Mega-Job.

Mein Trainer ist Lars Thiele aus dem Düsseldorfer Golfclub, mit dem ich jetzt schon fast neun Jahre zusammenarbeite und der mich und meine Strukturen gut kennt.

Dann betreut mich Norbert Freier als Physiotherapeut, der mich auch bei den Turnieren in Europa fast immer begleitet.

Mein Mentalcoach ist Holger Fischer, der schon letztes Jahr eine Riesenrolle für mich spielte. Gerade auf der Challenge Tour, wo du viel mehr noch auf dich alleine gestellt bist. Ich würde heute nicht in eine Turnierrunde gehen, ohne mit ihm vorher gesprochen zu haben.

Nicht zu vergessen mein Caddie Steve Brotherhood, der schon mit Paul Broadhurst und Steve Webster zusammengearbeitet hat und auf viel Erfahrung und auch Turniersiege zurückblicken kann. Ich schätze sehr an ihm, dass ich mich auf ihn voll verlassen kann. Und natürlich gehören auch meine Eltern zum Team, die voll hinter mir stehen und mich unterstützen seit dem ersten Tag, als ich mich dazu entschlossen hatte, Golf ernsthaft bzw. professionell anzugehen.

Meine Mutter ist mit mir durch die halbe Welt gereist und ich verdanke ihr und meinem Vater alles.

Du hast damals im Golfclub Op de Niep mit dem Golfsport begonnen. Erzähl uns ein wenig über deine Anfänge …

Freddy Schott (Foto: Getty Images)
Freddy Schott (Foto: Getty Images)

Ja, das stimmt, der Club war damals 20 Minuten von uns entfernt und meine Eltern dort Mitglied. Damals war ich zwei Jahre alt und im Alter von acht Jahren durfte ich dann auch mit den Größeren trainieren. Und Op de Niep ist ein Par-75-Platz, da ist es erst einmal wichtig, dass du den Ball weit schlagen kannst.

Ich kam dann auch in den NRW-Kader nach Neuss bzw. Hummelbachaue, damals noch unter der Leitung von Benjamin Schlichting.

Und mit 13 oder 14 Jahren bin ich auch da hin gewechselt. Als Benjamin dann wegging, habe ich Lars Thiele im Kölner Golfclub kennengelernt und bei ihm trainiert, der aber dann wiederum nach Düsseldorf wechselte – und dann bin ich da eben auch mitgegangen und bin dort seither Mitglied.

Erzähl uns etwas über deinen Sieg, vergangenes Jahr auf der Challenge Tour. Wie hast du den erlebt?

Das war einfach unglaublich. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass ich es in mir habe, dass ich ganz nah dran bin. Und dann in Dänemark und lustigerweise auch noch in dem Ort Frederikshavn zu gewinnen, war einfach unwirklich.

Ich erinnere mich, dass ich am Mittwoch mit den Jungs auf dem Putting Grün stand und scherzte, was sie denn wollten, natürlich würde ich das Turnier gewinnen, denn sie haben es ja sogar nach mir benannt (Frederikshavn Challenge, Anm. d. Red.).

Und dann gewinne ich das Turnier tatsächlich – wie gesagt, das war einfach unglaublich und ein unvergessliches, unbeschreibliches Gefühl.

Schwenken wir über zu deinem Equipment, wie sieht das aus?

Ich bin jetzt seit über drei Jahren bei PING unter Vertrag, der persönliche Touch bei dieser Marke hat mich einfach von Beginn an begeistert.

Ich spiele vom Driver bis zum Putter alle Schläger von PING: Als Driver den G430 Max, als 3er-Holz das G430 LST, dann habe ich die i-Crossover Driving Irons als #2 und #3 im Bag, vom Eisen 4 bis zum Pitching Wedge die i59 Eisen.

Als Wedges habe ich drei PING Glide Forged Pro Wedges mit 50°, 56° und 60° Loft im Bag. Last but not least als Putter den PING Ketsch 2.0 und als Ball den 2023er Titleist Pro V1.

Was die Schuhe angeht, bin ich bei ECCO und trage da am liebsten den Classic Hybrid, der ist einfach superbequem und sieht auch toll aus. Und bei der Bekleidung bin ich bei Ralph Lauren, da fühle ich mich sehr gut aufgehoben und die Styles gefallen mir auch einfach sehr gut.

Wie ist deine Meinung zur aktuellen LIV-Thematik?

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass alles gut ist, was den Sport wachsen lässt, und man muss einfach mal abwarten und sehen, was da in den kommenden Monaten passieren wird.

Abschließend: Wie sehen deine kurzfristigen, deine mittelfristigen und deine langfristigen Ziele aus?

Mein kurzfristiges Ziel ist sicherlich, die Saison gut zu spielen und erfolgreich abzuschließen, also die Tourkarte zu sichern.

Mittelfristig würde ich sehr gerne gewinnen. Für mich heißt das also in den nächsten ein, zwei Jahren.

Und langfristig möchte ich einfach zur absoluten Elite im Golfsport gehören. Das ist es, wofür ich arbeite, und wenn ich das nicht als Ziel äußern würde, dann würde ich wohl etwas falsch machen …

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