15.08.2022 | 12:18

Golfregeln – der falsche Ball

Frederike Reichert
Frederike Reichert

Golfregeln – der falsche Ball. Wie verfahren, wenn ein Spieler einen falschen Ball aus einem Divot schlägt und dieses nun vergrößert ist?


Ende Juni. Eigentlich brauchten die Golfplätze dringend Regen. Dieser kam nun mit einer Riesengewalt auf den Golfplatz – genau mitten im Turnier. Drei Stunden starker Dauerregen, die Fairways wurden richtiggehend weich. Don Jaly war mittlerweile mit seinem Flight am 17. Loch.

Alle Mitspieler lagen nahezu identisch auf dem Fairway. Ein Ball allerdings in einem frischen Divot. Euan, der kleine Schotte, der sich immer so herrlich selbst beschimpfte bei einem schlechten Schlag, eilte der Gruppe etwas voraus, ärgerte sich über den Ball im Divot und schlug ihn Richtung Grün.

Als Don Jaly an seinem Ball ankam, stellte er fest, dass Euan wohl seinen Ball gespielt hatte. Dieser hatte nun das Divot dabei deutlich vergrößert, sodass der Ball, den er jetzt an die hätte Stelle zurücklegen müssen, eine deutlich schlechtere Position gehabt hätte.

+++ Zum Thema: Golfregeln – Don Jaly und der Ball im Wald +++

Jetzt war sich Don Jaly unschlüssig, was er tun sollte. Daher wollte er den Referee bemühen. Weit und breit keiner zu sehen. Also entschied sich Don Jaly, einen zusätzlichen Regelball – 20.1c (3)zu spielen, um das Spiel nicht unnötig zu verzögern.

Er spielte einen Ball aus dem tieferen Divot und einen knapp daneben vom Fairway. Welcher Ball würde nun zählen? Vor Abgabe der Scorekarten bemühte nun Don Jaly die Spielleitung, um dann seinen richtigen Score auf der Karte einzutragen und abzugeben.

Die Golfregel 14.2d (2) Interpretation

14.2d (2) / 1: Veränderte Lage kann „nächstgelegene Stelle mit einer möglichst ähnlichen Lage“ sein.

Wird die Situation eines Spielers verändert, wenn sein Ball aufgenommen oder bewegt wurde und zurückgelegt werden muss, kann die veränderte Lage die nächstgelegene Stelle mit möglichst ähnlicher Lage im Vergleich zur ursprünglichen Lage sein, und es kann für den Spieler erforderlich sein, den Ball aus der veränderten Lage zu spielen.

Beispiel: Ein Ball kommt in einem Divotloch im Fairway zur Ruhe. Ein anderer Spieler spielt diesen Ball, da er denkt, dies sei sein Ball und macht dabei das Divotloch ein bisschen tiefer.

Gibt es kein ähnliches Divotloch innerhalb einer Schlägerlänge, ist die Stelle, die der ursprünglichen Lage am ähnlichsten ist, in dem vertieften Divotloch. Das ist eine der wenigen Interpretationen, bei der der Spieler einen Nachteil durch die Regel erhält.

Dr. Ulrike Gartz und Holger Gartz sind beide seit 2005 im Golfverband Niedersachsen-Bremen als Spielleiter tätig. Dr. Ulrike Gartz hat zudem die Prüfung zum R&A Referee 2011 mit Erfolg bestanden.

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