17.09.2021 | 19:32

Matthias Schwab – Druck im Golfsport

Matthias Schwab
Matthias Schwab

Matthias Schwab über Druck im Golfsport – den es eigentlich gar nicht gibt. Und wenn doch, wie er damit umgeht …


Sie werden es nicht glauben! Aber alle, die über Druck im Golfsport reden, wissen oder verstehen nicht, dass der Profi-Golfer selbst wenig Druck verspürt. Vor allem dann, wenn er so organisiert ist, wie ich es bin: Studienabschluss als 23-Jähriger (ich war schon fast 23 Jahre alt, als ich Profi wurde) an der renommierten US-Vanderbilt University, Nashville, Tennessee, in Wirtschaft mit Schwerpunkt Marketing.

Das bedeutet, ich könnte jederzeit in einem anderen Job arbeiten als Eigentümer des Apartmenthauses www.apartment-matthiasschwab.com. Mit diesem Vermietungsbetrieb könnte ich mein Leben ohne Golf gestalten. Also, weshalb sollte ich mir Druck aufbauen? Auf meinen ersten Sieg kann ich gerne noch warten. Natürlich wäre es schön, hätte ich ihn schon „eingefahren“.

+++ Passend zum Thema: Matthias Schwab – “da bin ich konsequent …” +++

Matthias Schwab über Druck: Bleib cool . . .

Meine größte Stärke als Golfer ist meine Coolness. Cool zu sein heißt für mich, steady zu sein, also stetig, jeden Schlag gleich anzugehen: gleich ruhig, gleich konzentriert, immer deinem Plan zu folgen, dich nicht beirren zu lassen von dem, was vorher war oder rundherum ist. Natürlich: Wenn das letzte Loch besonders schlecht war, ärgerst du dich.

Möchtest am liebsten mehr riskieren, um den Fehler wieder gutzumachen. Doch das wäre der größte Fehler. Das Risiko wird unkalkulierbar: Einmal geht’s gut, zehnmal geht’s in die Hose – kein guter Deal. Bleib geduldig, bleib bei deinem Plan – ich gehe mit einem Plan für jedes Loch in jede Runde – deine Chance kommt.

Es ist einfach dumm, beim nächsten Loch die ganze Runde retten zu wollen. Wenn das Loch besonders gut war, wird es noch schwieriger. Du wirst euphorisch, willst dem Lauf folgen, aber auch hier gilt: Bleib bei deinem Plan! Coolness heißt vor allem Selbstdisziplin und Geduld.

Chancen

Mit siebzehn habe ich beim British Amateur in Royal Troon, dem weltweit wichtigsten Turnier für Amateurgolfer, den Sieg an den letzten beiden Löchern verspielt. Der Sieg hätte einen riesigen Karrieresprung bedeutet, ganz neue Chancen, Einladungen zu den größten Turnieren der Welt.

Habe ich mich geärgert, dass ich das alles so knapp verpasst habe? Ja! Aber nur kurz. Habe ich an mir gezweifelt, weil ich gerade im bis dahin wichtigsten Moment meiner Karriere versagt habe? Nein! Warum ich die Enttäuschung so schnell überwunden habe? Weil ich in den Tagen davor viele Chancen zum Scheitern hatte – und immer alles richtig gemacht habe. Ich spielte sechs Tage lang mit den besten Amateuren der Welt mit. Leistung war objektiv gut – nur die Krönung fehlte.

Positiv bleiben

Ist etwas nicht gut gelaufen, musst du analysieren: Was ist passiert, warum ist es passiert? Kritisch sein, Fakten checken, aber dann ist Schluss. Viele analysieren sich in den Wahnsinn, müssen für alles eine Erklärung finden – selbst wenn es da keine gibt. Gewisse Dinge lassen sich eben nicht erklären. An einem Tag spielst du sieben Löcher in Folge schlecht, am nächsten auf den gleichen sieben Löchern unter Par.

Obwohl du alles gleich gemacht hast: gleich geschlafen, das Gleiche gegessen, gleich aufgewärmt. Warum? Du weißt es nicht. Niemand weiß es. Also investiere nicht zu viel Energie in die Analyse. Investiere sie in die Konzentration, in den nächsten Schlag. Und vor allem: Bleib positiv. Glaub an dich.

Setze deinen Weg fort. Der Erfolg wird sich einstellen. Voraussetzung ist, dass du dafür sorgst, dass du mit dem richtigen Umfeld am richtigen Weg bist.

Matthias Schwab – vom Amateur zum Profi

Die Umstellung vom Amateur zum Profi ist für einen Golfer riesig. Klar, die Konkurrenz ist viel härter, aber vor allem ändert sich deine Rolle völlig. Plötzlich hast du extrem viel Verantwortung. Nicht nur für dein Spiel, sondern auch für dein Team – bei mir sind das gut sechs Leute – und für jede deiner Entscheidungen.

Ich bin seit dem Schritt ins Profilager 2017 selbst letztverantwortlich für alles, was ich mache: Training, Ernährung, Flugplanung, Turnierauswahl, Lebensweise, Freunde, Management usw. Natürlich ist jeder der sechs in meinem Team ein Experte und ich höre sehr genau auf seinen Rat, aber die letzte Entscheidung muss immer ich treffen.

Als Profi gibt es keine Ausreden. Und das ist gut so. Weil ich weiß, ich habe am Ende alles selbst in der Hand. 2014 und 2015 waren meine härtesten Jahre. Schmerzen bei jedem Schwung, unzählige Arztbesuche, viele verschiedene Ratschläge, die lange nichts geholfen haben.

Elf Monate ohne Sport, an Golf nicht zu denken, Angst vor dem Karriereende. Student an der Vanderbilt Universität mit einem Stipendium der Universität. Meine Eltern hätten mir mein Studium nicht finanzieren können. Der Headcoach der Universität hielt 100%ig an mir fest. Das gab mir Kraft für den Moment und gibt mir Kraft für die Zukunft.

Wo soll ich mir da noch Druck aufbauen? Heute hilft mir diese Zeit. Sie hat mir beigebracht, über den Dingen zu stehen. Wenn es auf einer Runde oder bei einigen Turnieren nicht so gut läuft, wie man es sich vorstellt, ist das nicht ideal – aber ich könnte ebenso gut gar nicht mehr spielen. Sich das bewusst zu machen, macht dankbar und zufrieden.

Druck?

Sind Sie erstaunt, hier wenig über „Druck“ gelesen zu haben? Vermutlich ja. Aber von Druck reden in erster Linie nur Journalisten und Fans, die die Sportler und den Sport nicht verstehen. Denn Sportler, die einen Plan für die Zukunft haben und den Plan leben und durchziehen, brauchen sich keinen „Erfolgsdruck“ aufbauen. Sie gehen ihren Lebensweg.

Viele haben das schon sehr eindrucksvoll vorgezeigt. Ein Tipp für Sie zum Schluss: Machen Sie sich auch nicht zu viel Druck in Ihrem Leben. Leben Sie das Leben. Erholen Sie sich beispielsweise im schönen SalzburgerLand und genießen Sie den Golfsport u. a. m.

Info: www.matthiasschwab.com

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