08.07.2021 | 18:25

US Open – alles nur Karma?

Markus Scheck
Markus Scheck

Major-Durchbruch. In seinem ersten Turnier nach dem positiven Test auf das Coronavirus fing Jon Rahm in Torrey Pines mit Birdies auf den letzten beiden Löchern Louis Oosthuizen noch ab und holte als erster Spanier den Titel bei den U.S. Open.


Die Entscheidung der 121. U.S. Open war an Spannung und Theatralik kaum zu überbieten. Am Ende war es Jon Rahm, der die Entschlossenheit fand, die letzten beiden Löcher des Torrey Pines South Course mit jeweils Birdie zu beenden, um Amerikas nationale Golfmeisterschaft mit einem Schlag Vorsprung auf den Südafrikaner Louis Oosthuizen zu gewinnen.

Der Sieg war Rahms erster bei einem der vier Majors und er war damit auch der erste Spanier in der Geschichte, der jemals eine U.S. Open für sich entscheiden konnte.

Doch blenden wir zwei Wochen zurück. Am 5. Juni führte Rahm nach einer Traumrunde von 64 Schlägen (8-unter-Par) das Memorial Tournament in Ohio mit überlegenen sechs Schlägen an, bevor ein positiv ausgefallener Coronavirus-Test ihn aus seinen Sieg-Träumen warf.

Als „Rahmbo“ am 18. Grün von den Offiziellen abgefangen und über das Ergebnis des Tests informiert wurde, krümmte sich der Spanier und wischte sich die Tränen aus den Augen. Es waren dies wohl die bittersten Momente in dieser Saison auf der PGA Tour, durfte Rahm bei seiner Titelverteidigung in Muirfield Village trotz des sicheren Sieges vor Augen nicht zur Finalrunde antreten.

Strenges Protokoll

Die PGA Tour erklärte, dass sich Rahm vor dem Turnier in unmittelbarer Nähe zu einer Person aufgehalten hatte, die sich mit COVID-19 infiziert hatte und deshalb unter besonderer Aufsicht stand.

Laut Regularien durfte er lediglich unter der Voraussetzung beim Memorial antreten, sich nach jeder Runde testen zu lassen und einige Innenbereiche zu meiden. Ein Test von Samstagvormittag fiel dann leider positiv aus.

ABGEFÜHRT. Unwürdiger Abgang nach einem positiven COVID-Test von Jon Rahm beim Memorial Tournament
ABGEFÜHRT. Unwürdiger Abgang nach einem positiven COVID-Test von Jon Rahm beim Memorial
Tournament

Während die Golfwelt in Schockstarre verfiel und die meisten Fans nicht glauben konnten, was soeben passiert war, nahm es der Spanier, der wenige Wochen zuvor zum ersten Mal Vater geworden war, in einem ersten Statement fair zur Kenntnis: „Ich bin sehr enttäuscht, dass ich nicht mehr beim Memorial Tournament weiterspielen darf”, erklärte der Spanier.

„Dies gehört zu den Dingen, die im Leben passieren; diesen Momenten, in denen die Art und Weise, wie wir auf einen Rückschlag reagieren, uns als Menschen definiert. Ich bin sehr dankbar, dass es meiner Familie und mir gut geht. Ich werde alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und ich freue mich darauf, so schnell wie möglich auf den Golfplatz zurückzukehren.“

+++ Mehr zum Thema: Fotostrecke Jon Rahm +++

US Open – Jon Rahm zurück in Torrey Pines

Nach zwei negativen Tests war es dann so weit und Jon Rahm durfte vorzeitig und gerade noch rechtzeitig zu den U.S. Open die Quarantäne verlassen und nach San Diego reisen. Ein Ort, der für die Rahm-Familie eine große Bedeutung hat.

In Torrey Pines feierte die ehemalige Nummer eins der Amateur-Weltrangliste 2017 bei der Farmers Insurance Open ihren ersten PGA Tour-Titel. Und hier machte Jon seiner heutigen Frau Kelley den Heiratsantrag.

 

U.S. Open-Champion Jon Rahm mit Frau Kelley und dem zwei Monate alten Sohn Kepa
U.S. Open-Champion Jon Rahm mit Frau Kelley und dem zwei Monate alten Sohn Kepa

„Ich hatte einfach ein gutes Gefühl, als ich wusste, dass ich nach San Diego komme“, sagte Rahm, den die Landschaft und das Ambiente in Torrey Pines stark an seine Heimat im spanischen Baskenland erinnern. „Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir hierher kommen. Es musste wohl alles genau so passieren, jeder Teil der Reise.“

Dazu gehörte, so Rahm, auch das, was beim Memorial-Turnier passierte. „Ich war nicht eine Sekunde lang über irgendetwas nachtragend, und ich gebe niemandem die Schuld“, sagte er nach seinem historischen U.S. Open-Triumph am amerikanischen Vatertag. „Covid ist leider Realität.

Wir haben viele Menschen verloren. Die Leute sagten, es sei nicht fair, aber es ist halt das, was getan werden musste. Und all das führte zu diesem Moment hier.“

Jon Rahm: Vom Heißsporn zum Familienvater

Als Jon Rahm nach der Siegerehrung am 18. Grün stand, hielt er seinen kleinen Sohn Kepa, der vor zwei Monaten das Licht der Welt erblickte, in den Armen, lächelte und sah sich zu seinen Eltern, die extra nach San Diego angereist waren, und anderen Mitgliedern seiner Großfamilie, um.

„Auch wenn der Vatertag in Spanien ein anderer Tag ist, werden wir ihn hier heute groß feiern“, sagte er, „und wir werden Spaß haben, denn auf diesem Grün stehen gerade drei Generationen von Rahms. Einer von ihnen weiß zwar noch nicht wirklich, was los ist, aber ich bin froh, dass er es in Zukunft sehen und genießen wird.“

Sohn Kepa könnte auch der Schlüssel dafür sein, dass Rahm, der in der Vergangenheit auch gerne einmal durch Heißblut und Wutanfälle aufgefallen war, so abgebrüht über die fordernden Bahnen von Torrey Pines spazierte.

„Ich glaube fest an Karma, und nach dem, was vor ein paar Wochen passiert ist, bin ich die ganze Zeit positiv geblieben, weil ich wusste, dass große Dinge kommen würden”, so Rahm nach seinem Sieg.

„Ich wusste nicht, was es genau sein würde, aber ich wusste, dass wir zu einem ganz besonderen Ort reisen. Die Tatsache, dass meine Eltern kommen konnten, dass ich früh aus dem COVID-Protokoll herauskam, gab mir das Gefühl, dass sich die Sterne genau in meine Richtung ausrichten.“

Gedenken an Seve

Rahm ist nun ein Major-Sieger, wieder die Nummer eins der Welt und um 2.25 Millionen US-Dollar reicher. Seinen Sieg widmete er der spanischen Golf-Legende Seve Ballesteros, der fünf Major-Titel holte, aber niemals die U.S. Open gewinnen konnte. Vor zehn Jahren starb Seve im Alter von 54 Jahren an einem Gehirntumor.

Seve Ballesteros
Seve Ballesteros

„Es fällt mir schwer zu erklären, was gerade passiert ist, weil ich nicht glauben kann, dass ich die letzten beiden Putts gemacht habe und nun der erste spanische Spieler bin, der die U.S. Open gewonnen hat“, so Rahm. „Das ist definitiv für Seve – ich weiß, dass er alles versucht hat und nichts mehr wollte, als dieses Turnier zu gewinnen. Er wäre sicher stolz jetzt.“

Die ewige Brautjungfer

Louis Oosthuizen kann einem langsam leidtun. Zum zweiten Mal in Folge und zum insgesamt sechsten Mal bereits landete der Südafrikaner bei einem Major-Turnier auf dem „undankbaren“ zweiten Platz.

Man ist geneigt zu sagen, zum Glück gewann der heute 38-Jährige 2010 die Open Championship in St. Andrews, denn sonst wäre sein Schicksal von geradezu tragischer Natur.

Letzten Monat musste sich Louis bei der PGA Championship noch Altmeister Phil Mickelson geschlagen geben und auch bei den U.S. Open lag er bis kurz vor Schluss in Führung.

Das Bogey auf Loch 17 nach einem verzogenen Abschlag ins Hindernis wird dem Südafrikaner wohl noch länger schmerzhaft in Erinnerung bleiben, denn am Ende fehlte genau ein einziger Schlag auf ein Stechen mit Rahm.

Louis Oosthuizen
Louis Oosthuizen

„Ja, das nervt natürlich. Und es ist enttäuschend“, sagte Oosthuizen im Anschluss. „Ich spiele eigentlich gutes Golf, aber ein Major zu gewinnen, passiert halt nicht einfach von selbst. Du musst rausgehen und richtig gutes Golf spielen. Es war gut, aber eben nicht gut genug. Aber ich werde weiter an die Major-Türe klopfen.“

Kaymer mit Lebenszeichen

Auch Deutschlands Martin Kaymer, der vor genau sieben Jahren bei den U.S. Open in Pinehurst seinen zweiten Major-Titel und gleichzeitig bis heute letzten Sieg verbuchen konnte, versuchte es mit Klopfzeichen. Nach einer schwachen Auftaktrunde spielte er sich mit einem tollen Eagle auf der 18 in Runde zwei noch in den Cut.

Martin Kaymer
Martin Kaymer

Am Moving Day ging es weiter nach vorne, in der Finalrunde wieder zurück. Am Ende sprang ein Hoffnung spendender geteilter 26. Rang heraus. Mit Amateur Matthias Schmid gab es einen zweiten Deutschen im Feld, der sich bei den Qualifikationsturnieren sensationell für das Major qualifiziert hatte.

Die Herausforderung U.S. Open war dann aber doch noch eine Nummer zu groß. Mit zwei 76er-Runden verpasste er bei +10 doch deutlich den Cut.

Damit war Schmid aber in guter Gesellschaft, denn auch so prominente Spieler wie Justin Rose, Tyrrell Hatton, Henrik Stenson sowie der Österreicher Bernd Wiesberger (um einen Schlag) hatten am Wochenende ungeplante Tagesfreizeit.

Info: www.usopen.com

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