04.05.2021 | 17:36

Bryson versus Goose

Dr. med. Norbert Dehoust
Dr. med. Norbert Dehoust

Muss man aussehen wie Bryson DeChambeau, um einen langen Ball zu schlagen? Ein südafrikanischer Major-Sieger beweist das Gegenteil – keine Maschine und trotzdem lang.


Schon bei Tiger Woods und später auch bei Rory McIlroy hat sich der Trend zum Athletik-Training im Golfsport abgezeichnet. Längenentwicklung durch gezielten Muskelaufbau und die Entwicklung in der Golfschlägertechnologie tat ein Übriges, um die Entfernungen zum Grün schrumpfen zu lassen. Schließlich war es auch bei Amateuren enorm sexy, einen endlos langen Drive zu schlagen und die Mitspieler „kurz“ zu lassen.

Spätestens bei der Metamorphose von Bryson DeChambeau vom schlanken jungen Mann mit 88 kg Körpergewicht zu einer Drivemaschine von Bodybuilderformat mit 108 kg Körpergewicht. 20 Kilo Gewichtszunahme sind für einen Körper, der bei einer ausgewogenen Ernährung eine normale Gewichtsentwicklung durchschritten hat, kein Pappenstiel, das betrifft nicht zuletzt die Belastung der Gelenke und des Bindegewebes, die einen zusätzlichen Rucksack von 20 kg mitzuschleppen haben.

Das mag junge Golfer nicht besonders stören, aber beim Älterwerden kann sich das rächen, da insbesondere die Entwicklung zu degenerativen Gelenkerkrankungen und Abnützungsfolgen sich oft nicht mit Frühwarnzeichen ankündigen.

Aber auch in mittleren Altersklassen machen sich die Überlastungen durch Gewichtszunahme und übermäßige Trainingsintensitäten bemerkbar, insbesondere wenn die Stabilität des Bindegewebes anlagebedingt nicht die beste ist. Dies hat auch Tiger Woods leidvoll erfahren, der in seiner Karriere viele Operationen an seinem Bewegungsorgan erleben musste. Einige von denen wären möglicherweise durch einen adäquateren Umgang mit Trainingsintensitäten vermeidbar gewesen, was seiner langfristigen Performance sicher nicht geschadet hätte.

Schwungvergleich Bryson DeChambeau & Retief Goosen

Dass man langfristig auch ohne massiven Muskelaufbau einen sehr langen Ball schlagen kann, beweist Retief Goosen auf der Champions Tour, der Tour der über 50-Jährigen, mit einer Durchschnitts-Drivelänge von 300 Yards; im Vergleich zu Bryson DeChambeaus 324 Yards ein durchaus respektabler Wert für einen Golfer im Alter von 52 Jahren (!), der nach eigener Aussage statt auf Protein Shakes lieber auf ein Glas seines guten Goosen-Weins vertraut (keine allgemeine Ernährungsempfehlung).

Bei Retief Goosen entwickelt sich die hohe Schlägerkopfgeschwindigkeit aus der hervorragenden Kopplung der Abschwungbewegung, gestartet vom Unterkörper mit schneller Hüftrotation, die alles andere wie von selbst folgt, bei optimal gehaltenen Körperwinkeln. Diese Abfolge können auch Amateurgolfer in ihren Trainingsplan einbauen, indem sie versuchen, den Abschwung durch eine schnelle Beckenrotation zu starten.

Beckenrotationsdrill bei gehaltenen Körperwinkeln mit dem Baseballschläger am Impact Bag
Beckenrotationsdrill bei gehaltenen Körperwinkeln mit dem Baseballschläger am Impact Bag

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