08.08.2021 | 16:20

DeChambeau in der Kritik

Thomas Fischbacher
Thomas Fischbacher

Bryson DeChambeau glänzt nicht nur mit tiefen Runden, sondern versorgt die Golfwelt immer regelmäßiger mit weniger schönen Schlagzeilen. Unter den Kritikern ist auch Bernd Wiesberger.


Er versteht es, Schlagzeilen zu produzieren. Bryson DeChambeau ist aktuell wohl der Golf-Profi, über den in der Welt dieses Sports am meisten und kontroversesten diskutiert wird. Seit sich dieser hochbegabte Physik-Absolvent auch durch die Hulkwerdung und dem in der Folge enorm kraftvollen Schwung in die absolute Weltspitze gespielt hat, schafft er es in stolzer Frequenz aufzufallen. Bisweilen absichtlich, oft nicht. Mal auf dem Platz, immer öfter aber auch abseits.

Dabei wirkt der 27-jährige U.S. Open-Gewinner von 2020 vor allem in der jüngeren Vergangenheit nicht immer glücklich. Natürlich steht einer der interessantesten Typen der Szene im Fokus, aber derart viel Wirbel zu entfachen, ist wirklich erstaunlich.

Folgende Ereignisse stechen heraus: Die öffentlich ausgelebte Abneigung zwischen ihm und Brooks Koepka, die allerdings eher von letzterem befeuert wird. Eine plötzliche Trennung von Langzeit-Caddie Tim Tucker, die viele Spekulationen nach sich zog, die harsche Driver-Kritik an seinem Ausrüster mit anschließend öffentlich kassierter Retour-Backpfeife und die kurzfristige Absage für die Olympischen Spiele wegen einer COVID-19-Erkrankung inklusive einer fragwürdigen Begründung, weshalb er nicht geimpft ist.

+++ Bryson: verrückter Wissenschaftler und Muskelprotz +++

Bryson DeChambeau: Kritik wegen ausbleibendem Fore-Ruf

Zu guter Letzt brennt ein Thema wieder, das bereits in der Vergangenheit immer wieder aufkam. Und zwar immer, wenn der Weitenjäger seine Bälle neben die Spielbahn in Richtung der Zuschauer donnert. Bei der Open Championship fragte ihn ein Reporter, weshalb er nicht „Fore“ schreit, wenn sein Ball Zuschauer gefährden könnte. Eine Frage, die anscheinend einen Nerv traf. „Sehr kontrovers“ wäre diese Frage, und bedauerlich, dass sie überhaupt gestellt werden müsse. „Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen“, entgegnete er. „Es gibt viele Leute am Abschlag, die „Fore“ rufen. In 99 Prozent der Fälle tue ich es, aber leider denken die Leute, ich tue es grundsätzlich nicht.“

Beim WGC FedEx St. Jude Invitational verbreitete sich ein Video von DeChambeau auf Twitter, in dem nach Querschläger erneut der „Fore“-Ruf ausbleibt. Die European Tour-Spieler Richard Bland, Edoardo Molinari und Bernd Wiesberger hielten sich mit Kritik nicht zurück. „Vielleicht muss sich erst jemand ernsthaft verletzen“, erklärte Bland. „Es sollte nicht so schwer zu verstehen sein“, fügte Molinari an und Bernd Wiesberger forderte sogar, den Amerikaner mit Strafschlägen zu belegen.

DeChambeau beim WGC: Glanz auf dem Platz

DeChambeau sprach in der WGC-Woche übrigens nicht mit den anwesenden Journalisten, führte lediglich die offiziellen Interviews der PGA Tour. Auch er hat offensichtlich Interesse daran, die Frequenz an Schlagzeilen mit ihm in der Hauptrolle, in denen es nicht um Golf geht, ein wenig zu verlangsamen.

Dabei hätte er so viel zu erzählen gehabt. Denn auf dem Platz des TPC Southwind beim lukrativen WGC zeigte die aktuelle Nummer sieben der Welt in großen Teilen ihr ganzes Können: Kraftvolle Abschläge, unwirklich präzise Eisenschläge und ein messerscharfes kurzes Spiel.

Ohne jede Frage ist dieser Amerikaner aktuell einer der begabtesten Golfer weltweit. Das Potential ist da, um Majors in Serie zu gewinnen. Auf die eigene, wissenschaftlich-orientierte und manchmal auch schrullige Art und Weise. Schaden würde es auf der Jagd nach weiteren großen Titeln ganz sicher nicht, die Aufmerksamkeit wieder mehr in Richtung des Golfspiels zu lenken.

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