23.09.2021 | 13:54

Samuel Ryder – Mister Ryder Cup

Golftimer
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Samuel Ryder – der Erfinder des Ryder Cup. Die gesundheitlichen Probleme eines cleveren Geschäftsmannes bescherten dem Golfsport den prestigeträchtigsten Nationen-Vergleichskampf seiner Geschichte.


Er hat nie ein Major gewonnen und Zeit seines Lebens nicht einmal an einem Profi-Turnier teilgenommen. Sein Bild hängt nicht in der World Golf Hall of Fame und sein bestes Handicap lag bei 6. Und dennoch verdient er es, in die Riege der „Größten Golfer aller Zeiten“ aufgenommen zu werden.

Nicht wegen seiner golferischen Leistungen, sondern wegen des Erbes, das er dem Golfsport und seinen Fans hinterlassen hat: Samuel Ryder war gedanklicher Vater, treibende Kraft, Namensgeber und Sponsor des Ryder Cups, dem – nach Olympia, der Fußball-Weltmeisterschaft und der Super Bowl – heute größten Sportevent weltweit.

Zuversichtlich: Das britische Team auf der Schiffsreise zur ersten offiziellen Austragung 1927 in Worcester
Zuversichtlich: Das britische Team auf der Schiffsreise zur ersten offiziellen Austragung 1927 in Worcester

Ironischerweise fand der Engländer erst in späten Jahren durch Zufall zum Golfsport: Aus gesundheitlichen Gründen riet ihm sein Pfarrer „… mehr an die frische Luft zu gehen und Bewegung zu treiben”.

Golfgeschichte einmal von der anderen Seite beleuchtet.

Cleverer Geschäftsmann

Samuel Ryder wurde am 24. März 1858 in Preston, Lancashire/England, als Sohn eines Kunstgärtners geboren. Er wuchs mit fünf Schwestern und zwei Brüdern auf und besuchte das damalige Owen’s College in Manchester, machte jedoch nie seinen Abschluss. Stattdessen begann er seinen Unterhalt mit dem Handel von Pflanzen und Samen zu verdienen und stieg später als Partner in den väterlichen Betrieb ein.

1895 zog Ryder nach St. Albans, wo er heiratete und eine Familie gründete. Während der folgenden Jahre baute er sein Unternehmen „Heath & Heather Limited“ auf, das sich auf den Verkauf und Versand von Blumen- bzw. Pflanzensamen in kleinen Päckchen – den sogenannten „Penny Seed Packets“ spezialisierte.

Acht Jahre später beschäftigte der clevere Geschäftsmann 90 Mitarbeiter, darunter seine Frau und seinen Bruder James. Er war inzwischen ein reicher und angesehener Geschäftsmann und bereiste die ganze Welt – auf Kosten seiner Gesundheit.

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Späte Fügung

Im Alter von 50 Jahren hatte Ryder ernste gesundheitliche Probleme, von denen er sich nur langsam erholte. Eines Tages machte sein Pfarrer und Freund Frank Wheeler den Vorschlag: „Was du brauchst, ist frische Luft und Bewegung. Komm mit auf den Golfplatz und wir schlagen ein paar Bälle.“

Ryder nahm die Einladung an und machte 1908 auf dem Golfplatz in Cunningham Fields seine ersten Schwünge – dies war die eigentliche Geburtsstunde des Ryder Cups.

Gesundheitlich angeschlagen, aber guter Dinge: Samuel Ryder mit Tochter Joan auf dem Weg zur Kur nach Südafrika
Gesundheitlich angeschlagen, aber guter Dinge: Samuel Ryder mit Tochter Joan auf dem Weg zur Kur nach Südafrika

Erster Vergleichskampf

Anfang der 1920er hatte es Ryder zu einem bekannten und geschätzten Geschäftsmann gebracht. Er war inzwischen Ehrenmitglied in diversen Golfclubs, spielte Handicap 6 und hatte sich ein Übungsloch in seinen Garten bauen lassen.

Für 1.000 Pfund Jahressalär hatte er zudem den Pro Abe Mitchell als Privat-Trainer engagiert. Bei einem inoffiziellen Vergleichskampf zwischen amerikanischen (angereist für die British Open im Royal Lytham & St. Annes) und britischen Pros am 4. und 5. Juni 1926 in Wentworth kam Ryder die Idee eines jährlich ausgetragenen Turniers gleichen Formats.

Dabei muss erwähnt werden, dass bereits zuvor, 1921, ein ähnlicher Vergleichskampf in Gleneagles, Schottland, ausgetragen worden war, den die Briten mit 9 zu 3 gewonnen hatten.

Erstaustragung 1927: Das Britische Team mit Samuel Ryder vor den Matches
Erstaustragung 1927: Das Britische Team mit Samuel Ryder vor den Matches

Bei der Austragung 1926 fungierten Ted Ray und Walter Hagen als Kapitäne der jeweiligen Teams. Durch Ryders Einfluss war auch sein Freund und Trainer Abe Mitchell im Team der Briten am Start und schlug sich mit Bravour.

Am Ende fügte das britische Team den Amerikanern eine vernichtende Niederlage mit 13,5 zu 1,5 gewonnenen Matches zu.

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Offizielle Geburtsstunde

Im Anschluss an das Event diskutierten Ryder, Mitchell, Walter Hagen und der Amerikaner Emmett French bei einer Tasse Tee die in Ryder gärende Idee eines Wettkampfes.

Das Ergebnis: Man einigte sich auf ein Format, Regeln und eine Austragung alle zwei Jahre – der Ryder Cup war geboren.

Die ersten Matches sollten am 3. und 4. Juni 1927 im Worcester Country Club, Massachusetts, stattfinden und Ryder übernahm die ihm nahegelegte Aufgabe, bis dahin eine geeignete Trophäe zu präsentieren.

Die Ryder Cup-Trophäe mit Abe Mitchel darauf
Die Ryder Cup-Trophäe mit Abe Mitchell darauf

Er tat dies ein Jahr später im Rahmen eines Galadinners vor Abreise des britischen Teams in die USA: Der knapp 48 Zentimeter hohe, goldene Pokal der Goldschmiede „Mappin & Web“ hatte Ryder 250 Pfund gekostet. Er zeigt seinen Freund und Trainer Abe Mitchell auf dem Deckel im Setup.

Mitchell war emotional aufs Höchste gerührt und dankte es Ryder mit den Worten: „Was du getan hast, Sam, ist größer als jede Ehrung, die ich mir nur vorstellen kann.“

Die ersten offiziellen Ryder Cup Matches gewannen überraschend die Amerikaner mit 9,5 zu 2,5. Samuel Ryder erlebte noch zwei erfolgreiche Austragungen aus Sicht der Briten, 1929 in Moortown und 1933 in Southport bzw. Ainsdale, wo neben 15.000 Zuschauern auch – zum großen Stolz Ryders – der Prince of Wales anwesend war.

Britischer Triumph 1929: Samuel Ryder (l.) übergibt Kapitän George Duncan den Cup
Britischer Triumph 1929: Samuel Ryder (l.) übergibt Kapitän George Duncan den Cup

Samuel Ryder starb am 2. Januar 1936 infolge einer inneren Blutung. Er wurde auf dem Hatfield Road Cemetery in St. Albans mit seinem geliebten 5er-Eisen beerdigt.

Samuel Ryder

Samuel Ryder (24.3.1858 - 2.1.1936)
Samuel Ryder (24.3.1858 – 2.1.1936)
  • geb. 24.3.1858, Preston, England
  • gestorben 2.1.1936, London, England
  • bestes Handicap: 6
  • Errungenschaft: Ideengeber, treibende Kraft und Sponsor des nach ihm benannten Ryder Cups. Ehrenmitglied des Verulam GC, St. Albans, Vizepräsident des Stratford-upon-Avon GC, Bürgermeister von St. Albans von 1905–1913. Erfinder der „Penny Seed Packets“

Info: www.rydercup.com

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