07.12.2023 | 07:00

Golfball Rollback von USGA und R&A: Worum es geht …

Marcus Brunnthaler
Marcus Brunnthaler

Die USGA und der R&A haben am Mittwoch gemeinschaftlich bestätigt, dass es ein umfangreiches „Rollback“ hinsichtlich Golfbällen geben wird. Was das für Pros und Amateure bedeutet …


Das Thema schwelt seit einigen Monaten, genauer gesagt seit Mitte März, wird aber nun wohl konkret. Gemeint ist das „Golfball Rollback“, also das Limitieren bzw. Einschränken und Reduzieren der Performance von Golfbällen. Geplant ist dies von den beiden Golfregel-Instanzen USGA und R&A.

Den Hintergrund der Thematik erklärten USGA und R&A dabei in einem Statement vom gestrigen Mittwoch.

Darin heißt es: „Die Entscheidung zielt darauf ab, die Auswirkungen erhöhter Schlagdistanzen auf die langfristige Nachhaltigkeit des Golfsports zu reduzieren. Und dabei aber gleichzeitig die Auswirkungen auf den Freizeitsport zu minimieren.“

USGA-CEO Mike Whan (Foto: picture-alliance)
USGA-CEO Mike Whan (Foto: picture-alliance)

Wenn es also nach den beiden Regelinstanzen geht – und das tut es – sollen die Änderungen zu den Golfbällen 2028 für Profis eingeführt werden und 2030 für Amateure.

+++ Zum Thema: Neue Ballregeln für Tourpros auf dem Prüfstand +++

Welche Auswirkungen hat das Golfball Rollback?

In dem Statement heißt es dazu: „Wir erwarten, dass sich die Schlagdistanzen bei den ,längsten Spielern‘ um 13-15 Yards verringern werden.

Bei durchschnittlichen Spielern der Profitouren und der männlichen Elite im Amateursegment rechnen wir mit einer Verringerung von 9-11 Yards.

Bei einer durchschnittlichen LPGA– oder Ladies-European-Tour-Spielerin erwarten wir eine Verringerungen der Schlagweiten von 5-7 Yards.

Für die meisten Freizeitgolfer dürfte die Änderung nur minimale Auswirkungen auf die Schlagweite haben, nämlich fünf Meter oder weniger. Untersuchungen haben hierbei eine durchschnittliche Schwunggeschwindigkeit von 93 mph für männliche Golfer und 72 mph für weibliche Spieler ergeben.

+++ Zum Thema: Rory McIlroy und Tiger Woods zu den neuen Ballregeln +++

Testverfahren von Golfbällen durch USGA und R&A angepasst

Gemäß des Statements werden zukünftig auch die Parameter, mit denen die USGA und der R&A Golfbälle testen bzw. überprüfen, angepasst.

Die neuen Parameter lauten demnach:

  • Schlägerkopfgeschwindigkeit: 125 mph
  • entspricht einer Ballgeschwindigkeit von 183 mph
  • Spinrate: 2.200 U/min
  • Abflugwinkel des Balles: 11 Grad

Die bisherigen/aktuellen Bedingungen, die vor 20 Jahren festgelegt wurden, liegen bei:

  • Schlägerkopfgeschwindigkeit: 120 mph
  • entspricht einer Ballgeschwindigkeit von 176 mph
  • Spinrate: 2.520 U/min
  • Abflugwinkel des Balles: 10 Grad

Dazu weiter im Statement: „Die überarbeiteten Bedingungen basieren auf der Analyse von Daten der weltweiten Touren und des Spiels über mehrere Jahre hinweg.

Sie sollen sicherstellen, dass der ODS (Overall Distance Standard) weiterhin die Fähigkeiten der längsten Spieler des Golfsports repräsentiert. Dessen oberes Limit soll unverändert bei 317 Yards bei einer Toleranz von drei Yards bleiben.

Eine Analyse der Ballgeschwindigkeiten unter den längsten Spielern des Golfsports im Jahr 2023 hat gezeigt, dass die schnellsten zehn Spieler eine durchschnittliche Ballgeschwindigkeit von 186 mph generierten.

Gleichzeitig lag die durchschnittliche Ballgeschwindigkeit der am schnellsten schwingenden 25 Spieler bei 183,4 mph. Die am schnellsten schwingenden Spieler hatten wiederum eine durchschnittliche Schlägerkopfgeschwindigkeit von 190 mph.“

+++ Zum Thema: TaylorMade zu den Golfballregel-Änderungen +++

Wie lange kann man die aktuellen Golfbälle noch spielen?

Aktuelle Golfbälle, die im Jahr 2027 noch zugelassen sind, können von Amateurgolfern laut Statement also bis 2030 weiterhin verwendet werden.

Darüber hinaus erklärte die USGA: „Es wird erwartet, dass ein erheblicher Teil der derzeit auf dem Markt befindlichen Golfballmodelle auch nach den  Änderungen konform bleiben werden.

Und ebenso mehr als 30 Prozent aller Golfballmodelle, die derzeit für die Prüfung auf Regelkonformität eingereicht worden sind.“

Weitere Parameter auf dem Prüfstand

Zusätzlich zu den neuen, angepassten Testverfahren für Golfbälle wollen die beiden Regel-Dachverbände auch noch einige weitere Themen näher unter die Lupe nehmen.

Dazu zählt die Erweiterung des Testansatzes, um den sogenannten ‚Driver Creep‘ besser zu erkennen. Dieser kann dazu führen, dass Driver die in den Equipment-Regularien festgelegten Grenzwerte überschreiten.

Dabei handelt es sich um eine Änderung der Testmethodik für eingereichte Driver. Das Ziel: Modelle zu identifizieren, die grundsätzlich innerhalb der aktuellen Toleranzgrenzen liegen. Die aber CT-Werte (Characteristic Time) aufweisen, die durch regelmäßigen Einsatz dazu tendieren, die Grenzwerte zu überschreiten.

Zudem ist die weitere Beobachtung von Drivern hinsichtlich möglicher zusätzlicher Optionen in Bezug auf die Distanz vorgesehen. Insbesondere soll die Fehlerverzeihung von Drivern untersucht werden und wie sich diese bei außermittigen Schlägen verhalten.

Dies soll einen fortlaufenden Prüfungsprozess darstellen. Die USGA bzw. der R&A wollen dabei weiterhin den Input der Hersteller einholen. Und dahingehend weiter mit ihnen zusammenarbeiten, um Merkmale von Driver-Designs zu identifizieren, die beispielsweise Treffer im Sweet Spot gegenüber schlecht getroffenen Schlägen überproportional positiv beeinflussen.

+++ Zum Thema: Robotest – die längsten Driver 2023, Teil 1 +++

Golfball Rollback: Schwierige Entscheidungen …

„Entscheidungen zu fällen ist immer schwierig“, so Mike Whan, CEO der USGA. „Während Tausende behaupten werden, wir hätten zu viel getan, wird es ebenso viele geben, die sagen, wir hätten nicht genug getan, um das Spiel langfristig zu schützen.

Aber von Anfang an waren wir bestrebt, unvoreingenommen das zu tun, was für das Spiel richtig ist. Nichtstun keine Option. Und wir würden unserer Verantwortung hinsichtlich der Zukunft des Spiels nicht gerecht werden, wenn wir jetzt nicht entsprechende Maßnahmen ergreifen würden.“

Martin Slumbers, CEO R&A (Foto: picture-alliance)
Martin Slumbers, CEO R&A (Foto: picture-alliance)

Martin Slumbers, CEO des R&A dazu: „Wir sind davon überzeugt, dass diese Entscheidung einer der wichtigsten Wege ist, um eine nachhaltige Zukunft für den Golfsport sicherzustellen.

Auch um die Integrität des Spiels zu schützen und unserer ökologischen Verantwortung gerecht zu werden. Die Maßnahmen sind sorgfältig erwogen und kalibriert, wobei wir den für die Golfindustrie so wichtigen Grundsatz des ‚einen Spiels‘ beibehalten.

Wichtig ist auch, dass die Auswirkungen auf Freizeitgolfer auf ein absolutes Minimum beschränkt sein werden. Wir handeln jetzt, weil wir sicherstellen wollen, dass künftige Generationen die einzigartige Erfahrung des Golfsports genauso genießen können wie wir selbst.“

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