18.02.2024 | 13:13

John Henry Taylor – der Golf-Magier

Marcus Brunnthaler
Marcus Brunnthaler

John Henry Taylor. Fünffacher Open-Champion, Golfplatz-Designer und erster Präsident der British PGA. Der Engländer mit den magischen Annäherungen verkörpert einen Meilenstein in der Ära der großen Golfer des 20. Jahrhunderts.


Eigentlich wollte John Henry Taylor eine Karriere bei der Royal Navy einschlagen. Wegen Kutzsichtigkeit und seiner ausgeprägten Plattfüße wurde dieses Vorhaben jedoch kurzerhand im Keim erstickt.

Zum Wohle des Golfsports, wie sich herausstellen sollte, denn die Golfwelt wäre um einen ihrer größten und nachhaltig bedeutendsten Heroen ärmer gewesen.

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Wahrscheinlich wäre – zumindest in Europa – einiges anders gelaufen, hätte der Engländer damals tatsächlich bei der Marine angeheuert.

John Henry Taylor (Foto: picture-alliance)
John Henry Taylor (Foto: picture-alliance)

Fest steht, dass John Hennry Taylor während seiner professionellen Laufbahn fünf Mal die Open Championship gewann und zusammen mit Harry Vardon und James Braid den Golfsport in „good old Europe“ über 20 Jahre als das „große Triumvirat“ dominierte.

Taylor war zudem der erste Engländer überhaupt, der die Open Championship für sich entschied. Darüber hinaus erfolgreicher Ryder-Cup-Kapitän und nicht zuletzt treibender Motor hinter der Gründung der British PGA.

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John Henry Taylor: Kurzsichtig, plattfüssig

Die Erfolge John Henry Taylors sind auf den ersten Blick tatsächlich verwunderlich. Wer würde einem Kurzsichtigen mit Plattfüßen zutrauen, es zu einem der größten Golfer seiner Zeit zu bringen?

John Henry Taylor (g. l.) nach dem siegreichen Ryder Cup 1933 in Southport, England. Am Mikrofon: Walter Hagen, der Kapitän des U.S.-Teams; links daneben der Prince of Wales (Foto: picture-alliance)
John Henry Taylor (g. l.) nach dem siegreichen Ryder Cup 1933 in Southport, England. Am Mikrofon: Walter Hagen, der Kapitän des U.S.-Teams; links daneben der Prince of Wales (Foto: picture-alliance)

Tatsächlich war Taylor für vieles bekannt, nicht aber für seinen eleganten Schwung. Er brillierte durch seine außergewöhnliche Präzision, vor allem im kurzen Spiel.

Bei seinem ersten Open-Championship-Sieg 1894 im Royal St. George‘s ließ Taylor an den „blinden Löchern“ die Richtungspfosten entfernen, da er diese wiederholt traf.

Dieser erste seiner insgesamt fünf Open-Championship-Erfolge bescherte ihm den großen Durchbruch. Es war für ihn nicht nur der Ritterschlag zum Major-Sieger, Taylor war damit auch der erste Engländer in der Geschichte des Golfsports, der die Open gewonnen hatte.

John Henry Taylor (Foto: picture-alliance)
John Henry Taylor (Foto: picture-alliance)

Was ihm persönlich ganz besondere Genugtuung verschaffte. Denn: John Henry Taylor war durch und durch Engländer und akzeptierte durchaus, dass die Wiege des Golfsports in Schottland lag.

Er sah den Golfsport aber dennoch als einen rein englischen Sport, mit all seiner Moral und Etikette.

Das spiegelte sich auch in seinem Spiel wider, vor allem bei den Annäherungen. Für die schottische Variante, den Ball flach und mit Roll auf das Grün zu spielen, hatte er nichts übrig.

Taylor bevorzugte den hohen Pitch mit wenig Roll. Gründe dafür finden sich in den Golfanfängen Taylors.

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Sandspiele am nahegelegenen Strand

Als Sohn einer Familie aus ärmlichen Verhältnissen war Taylor infolge des frühen Todes seines Vaters bereits als Kind gezwungen, Geld für sich und seine Mutter zu verdienen.

Er tat dies zunächst als Schuhputzer auf den Links von Westward Ho, bekam aber bald eine Stelle als Caddie und später als Greenkeeper.

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Open Championship 1896 in Muirfield: Harry Vardon (2. v. r.) liest seine Puttlinie im Stechen gegen John Henry Taylor (3. v. r.); Vardon sollte kurz darauf seine erste von sechs Open gewinnen (Foto: picture-alliance)
Open Championship 1896 in Muirfield: Harry Vardon (2. v. r.) liest seine Puttlinie im Stechen gegen John Henry Taylor (3. v. r.); Vardon sollte kurz darauf seine erste von sechs Open gewinnen (Foto: picture-alliance)

Damals bauten die Caddies, die natürlich nicht auf dem Golfplatz spielen durften, an dem nahe gelegenen Strand ihre eigenen Löcher aus Sand und spielten dort.

Da die Bälle dort nur schlecht rollten, war die beste Spielvariante an die imaginären Fahnen ein kurzer, hoch gespielter Ball.

Taylor perfektionierte diesen Schlag später mit dem für ihn typischen sogenannten Mashie.

Trotz seiner tiefen Verbundenheit mit seiner Heimat England war es ironischerweise ein Schotte, der erstmals auf das große Potenzial John Henry Taylors aufmerksam wurde und es bekannt machte.

John Henry Taylor (Foto: picture-alliance)
John Henry Taylor (Foto: picture-alliance)

Der seinerzeit legendäre Andrew Kirkaldy verlor im Jahr 1891 ein Challenge-Match gegen Taylor und prophezeite dem damals 20-Jährigen, der gerade erst in das Profilager gewechselt war, viele Open-Siege.

„Wir werden noch viel von Taylor zu sehen bekommen. Dann werden alle verstehen, warum er mich geschlagen hat …“
Andrew Kirkaldy

Zitat Kirkaldy: „Wir werden noch viel von John Henry Taylor zu sehen bekommen. Dann werden alle verstehen, warum er mich geschlagen hat und warum er die Besten unserer Ära besiegen wird.“

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John Henry Taylor: Teil des großen Triumvirats

Und tatsächlich sollte es genauso kommen. Drei Jahre später gewann Taylor seine erste Britsh Open, vier weitere sollten 1895, 1900, 1909 und 1913 folgen.

Es war die Zeit, als Taylor zusammen mit dem Schotten James Braid und Harry Vardon die Golfära als das „große Triumvirat“ dominierte.

Von 1894 bis 1914 teilten die „großen Drei“ insgesamt 16 der 20 möglichen Open-Championship-Titel unter sich auf. Davon gewann Braid fünf, Vardon sechs und Taylor die bereits erwähnten fünf.

John Henry Taylor (Foto: picture-alliance)
John Henry Taylor (Foto: picture-alliance)

Sie alle verband eine große Freundschaft und die Liebe zum Golfsport.

Diese Liebe brannte in Taylor aber vielleicht doch ein wenig heißer als in seinen Kollegen. Er spielte Turniergolf, solange er dazu körperlich in der Lage war.

So trat er noch im Alter von 55 Jahren bei der Open 1924 an und belegte den vierten Platz.

Eine seiner größten, nachhaltigen Errungenschaften war aber die Gründung der British PGA, deren erster Präsident Taylor war.

1933 gewann er als Kapitän des Europäischen Teams den Ryder Cup, ohne selbst gespielt zu haben.

Seinen Ruhestand widmete John Henry Taylor dem Designen von Golfplätzen, darunter Royal Birkdale, Heaton Park oder Andover.

Taylors Tod 1963, kurz vor seinem 92. Geburtstag, markierte das Ende der Ära der großen, im 19. Jahrhundert geborenen, Golfer.

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John Henry Taylor: Kurzbio

  • Geboren: 19.3.1871 in Northam, England
  • Gestorben: 10.2.1963 in Northam, England
  • Open Championship: 1894, 1895, 1900, 1909, 1913
  • World Golf Hall of Fame: 1975
  • Weitere Errungenschaften: Gründungsmitglied und erster Präsident der British PGA; Gründer der Artisan Golfers und Public Golf Courses Association. Siegreicher Ryder-Cup-Captain 1933, Ehrenmitglied des R&A seit 1949
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