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Coverstory: Bernd Wiesberger DAS COMEBACK
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Expedition Europa 19.05.2016

Die Flaggschiff- Filiale in Bielefeld mit völlig neuem Store-Konzept: Zusätzlich zu 1.000 qm Verkaufsfläche gibt es eine 600-qm-Indoor Range mit Foresight Golf Simulator in 4k Qualität
Die Flaggschiff- Filiale in Bielefeld mit völlig neuem Store-Konzept: Zusätzlich zu 1.000 qm Verkaufsfläche gibt es eine 600-qm-Indoor Range mit Foresight Golf Simulator in 4k Qualität
Die Indoor Range in der Golf House-Filiale Bielefeld
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Im Foresight Golf-Simulator kann der Schwung genau analysiert werden
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Golf House-Geschäftsführer Frank Ewers
Golf House-Geschäftsführer Frank Ewers
Die top-moderne Golf House-Filiale Hannover präsentiert sich vornehmlich in den Golf House-Farben Grün und Weiß. Die Verkaufsfläche erstreckt sich rund um den Kassenbereich, der mit einer gemütlichen Lounge zur entspannten Shopping-Pause einlädt
Die top-moderne Golf House-Filiale Hannover präsentiert sich vornehmlich in den Golf House-Farben Grün und Weiß. Die Verkaufsfläche erstreckt sich rund um den Kassenbereich, der mit einer gemütlichen Lounge zur entspannten Shopping-Pause einlädt
Aufgeräumt: Im Verkaufsraum der Golf House-Filialen lässt sich ausgiebig stöbern
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Die Qual der Wahl: Das Putter-Sortiment
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Drei Bs beschreiben die Unternehmensphilosophie: „Beraten – Betreuen – Begeistern“. Um dieser selbst gesteckten Vorgabe gerecht zu werden, beschreitet Golf House neue Wege.  Das vor 40 Jahren als Golf Direktversand GmbH gegründete Unternehmen ist heute ein innovativer „Golf-Anbieter“. Schon lange ist das Konzept abgerückt vom reinen Vertrieb von Golfartikeln.

Wir definieren den Golfhandel neu“, sagt Frank Ewers, Geschäftsführer der Golf House Gruppe. „Unser Ansatz ist es, dem Kunden ein Golf-Einkaufserlebnis der besonderen Art anzubieten. Er soll nicht nur in eine unserer Filialen kommen, einen Schläger oder Bälle kaufen und wieder gehen“, erklärt der erfahrene Manager. Die Idee, aus dem einstigen Golfversandhändler einen, heute 27 Filialen starken, Komplettanbieter in Sachen Golf zu machen, entwickelt Ewers vor zwölf Jahren – aus der Not heraus.

Zum Start der Schock

Die damalige Notsituation stellt sich Ewers dar, als er im Januar 2004 sein Büro in der Schnackenburgallee 149 in Hamburg als neuer Geschäftsführer bezieht. Nach dem ersten tieferen Blick in die Geschäftszahlen, „dachte ich, hier bricht alles zusammen“. Grund dafür ist die Zugehörigkeit der Golf House Direktversand GmbH zum kriselnden Handelsriesen KarstadtQuelle. „Golf House befand sich mit dem Mutterkonzern in einem Negativstrudel“, erinnert sich Ewers. Um die Unternehmung Golf House zu retten, gilt es, die Ärmel hochzukrempeln und ein Sanierungskonzept zu entwerfen. Das gelingt dem gebürtigen Hamburger.

Wichtigster Punkt in Ewers Rettungsentwurf: Die Loslösung der Golfsparte vom Mutterkonzern. „Golf House muss wieder eigenständig werden und die Geschicke in die Hände des eigenen Managements gelegt 
bekommen“, habe er im Sanierungsplan festgehalten.

Omni-Channel-Konzept

Seinen Entwurf zur Sanierung stellt er den Entscheidern des Essener Konzerns vor. Mit Erfolg: „Sie stimmten meinem Plan zu, sodass wir 2005 als eigenständiger Golfhändler an den Markt gegangen sind.“ Ihre Anteile an Golf House verkauft die KarstadtQuelle AG an die Arques Industries AG, ein Private Equity Unternehmen. Auch den neuen externen Kapitalgeber muss Ewers von seiner Vision überzeugen. Arques Industries hält an ihm als Chef von Golf House fest, weil sie sein Konzept für zukunftsfähig halten.

Sein größter Trumpf ist der Plan, Golf House auf drei unterschiedlichen Wegen in den Golfmarkt zu leiten: als Online-Versandhändler, über den klassischen Katalog und mit Vor-Ort-Präsenz in diversen Filialen. Omni-Channel-System heißt diese Strategie. „Wir verknüpfen alle drei Bereiche und bescheren dem Kunden somit ein einmaliges Angebot“, erklärt Ewers. So kann man bei Golf House zum Beispiel online Ware bestellen und sie offline, also in der Filiale, abholen oder Ware reservieren, um abzusichern, dass sie beim Besuch vor Ort auch verfügbar ist.

JAB Anstoetz als strategischer Investor

Das Kerngeschäft von Golf House liegt jedoch weiterhin im Filialnetz. 20 Golf House Filialen gibt es heute in Deutschland, sechs in Österreich und eine in der tschechischen Hauptstadt Prag. Allein seit 2010 eröffnet das Unternehmen acht neue Filialen und kauft zwei Mitbewerber in München und Kassel.
Eng verknüpft mit der rasanten Expansion in den vergangenen sechs Jahren ist die Bielefelder JAB Anstoetz Unternehmensgruppe.

Das Familienunternehmen steigt 2010 als strategischer Investor bei Golf House ein, wird 2011 alleiniger Eigentümer. „Ich habe den Verantwortlichen in den damaligen Gesprächen prognostiziert, dass wir mit JAB Anstoetz als strategischen und langfristigen Investor in andere Sphären vorstoßen können“, erinnert sich Frank Ewers. Er hat Recht behalten: Zwischen 2010 und 2015 steigert Golf House seinen Umsatz in Deutschland von 27,5 Millionen Euro auf über 50 Millionen Euro.

Erste Auslandsfilialen

Ein mehr als respektables Ergebnis. Und doch tritt der Geschäftsführer auf die Euphoriebremse: „So wird es nicht weitergehen. Der deutsche Golfmarkt ist irgendwann erschöpft und da bringt es uns nichts, immer weiter Filialen zu eröffnen“, sieht Ewers eine Grenze seines Business – hierzulande. Deshalb richtet Golf House seinen Blick ins europäische Ausland. 2014 übernimmt die Gruppe die sechs Filialen des österreichischen Mitbewerbers Golf Zone. „Die Kunden haben den Namens- und Konzeptwechsel in den Geschäften sehr gut angenommen“, bilanziert Ewers nach zwei Jahren in der Alpenrepublik.

Mit den sechs Vertretungen in Österreich, kommt eine weitere in Tschechien hinzu. Hier probiert sich Golf House seit 2014 nun auch in einer anderen Sprache und in anderer Währung. „Für uns ein völlig neuer Weg, auf dem wir uns langsam vorantasten.“

Auf dem Weg zur Nummer eins in Europa

Ein Weg in die Zukunft ist somit gefunden: die Europäisierung von Golf House. Die Perspektive in Deutschland sieht Ewers in der Umstrukturierung der reinen Ladenlokale: „In Bielefeld haben wir seit vergangenem Jahr eine Golf House Flaggschiff-Filiale. Dort wird für die Kunden ein einzigartiges Erlebnis geschaffen.“ Auf 1000 qm können die Besucher shoppen, auf weiteren 600 qm haben sie auf einer Indoor Range Gelegenheit, Schläger direkt vor Ort zu testen oder schlichtweg zu trainieren. Externe Pros üben hier beispielsweise mit ihren Schülern. Zudem bietet sich im Außenbereich ein Übungsplatz mit vier Par 3-Löchern, wo sich das Equipment unter realen Platzbedingungen ausprobieren lässt.

Das ist bislang einmalig in Europa. Es definiert Golf in völlig neuer Art und Weise“, sagt Ewers. Und genau das ist es ja, wonach er mit Golf House strebt: Europas Golfanbieter Nummer eins zu werden. Die ersten Schritte auf diesem Weg sind gemacht.


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