19.10.2023 | 08:57

Stephan Jäger: „Deutlich höhere Ziele …“

Stephan Jäger (Foto: picture-alliance)
Markus Scheck
Markus Scheck

Stephan Jäger beendet mit Platz 56 im FedEx Cup seine bislang beste Saison auf der PGA Tour. Im GOLF TIME-Exklusiv-Interview zieht der 34-jährige gebürtige Münchener Resümee über die abgelaufene Saison und setzt sich für das kommende Jahr neue, deutlich höhere Ziele.


Seit dem Abgang von Martin Kaymer zu LIV Golf hält Stephan Jäger auf der PGA Tour die deutsche Fahne als bester deutscher Spieler hoch.

Der 34-jährige gebürtige Münchener, der seit dem 16. Lebensjahr in Chattanooga, Tennessee, lebt, etabliert sich zusehends in der Eliteliga und schaffte es zum zweiten Mal in Folge in die FedEx-Cup-Playoffs.

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Mit Platz 56 vollendete „Sedl“ seine bislang beste Saison auf der PGA Tour und schrammte nur knapp an den Top 50 vorbei, die sich für das zweite Playoff-Turnier, die BMW Championship, qualifiziert haben.

Bei seinen 29 Turnierstarts verpasste Jäger nur drei mal den Cut (zuletzt im April). Zwei Top-10-Plätze (jeweils zwei geteilte neunte Plätze bei der Houston Open und der Rocket Mortgage Classic) und viele solide Ergebnisse (neun Top-25-Platzierungen) resultierten für die abgelaufene Saison in einem Preisgeld von mehr als 2,3 Millionen U.S.-Dollar.

Stephan Jäger (Foto: picture-alliance)
Stephan Jäger (Foto: picture-alliance)

Der Deutsche, der im November 2022 erstmals Vater eines Sohnes (Harrison Fritz Jäger) wurde, überzeugte durch gesteigerte Konstanz und will nun im nächsten Jahr so richtig angreifen, wie er im Exklusiv-Interview verrät.

+++ Zum Thema: Stephan Jäger rückt in die PGA Championship nach +++

Stephan, das war deine bislang beste Saison auf der PGA Tour. Nur drei verpasste Cuts, der letzte davon im April. Zwei Top-Tens, viele gute, solide Platzierungen, aber kein Ergebnis ganz vorne – wie fällt dein persönliches Saison-Fazit aus?

Stephan Jäger wurde bei der Rocket Mortgage Classic Neunter.
Stephan Jäger wurde bei der Rocket Mortgage Classic starker Neunter (Foto: picture-alliance)

Ich hatte die letzten Jahre ja immer ein wenig das Thema Konstanz vorgebetet, wo ich ein paar Wochen gut gespielt und dann wieder ein paar Cuts am Stück verpasst hatte.

Dieses Jahr war diesbezüglich wirklich sehr solide. Der 15., 18. oder 12. Platz, da fehlt nicht viel, dass man ganz vorne mit dabei ist und auch mal gewinnt. Insofern hatte ich auch nach Memphis, als ich es nicht in das zweite Playoff-Event schaffte, überhaupt keine negativen Gedanken.

Meine Schwächen in der Vergangenheit, vor allem meine Abschläge, zählen nun zu meinen Stärken. Das Chippen war immer schon gut, meine Eisen sind sehr solide.

Wenn ich die Statistiken so anschaue, war ich in den letzten Jahren immer ein sehr guter Putter, nur dieses Jahr irgendwie nicht. Wenn mein Putter also wieder dorthin zurückkehrt, wo er sein sollte, dann wird es, denke ich, sehr „gefährlich“.

+++ Zum Thema: Stephan Jäger – „Ich bin heute ein besserer Golfer …“ +++

Wie würdest du die Entwicklung deines Spiels im Laufe der Saison charakterisieren?

Stephan Jäger (Foto: picture-alliance)
Stephan Jäger (Foto: picture-alliance)

Dadurch, dass mein Spiel nun vom Abschlag her solide ist, erleichtert das natürlich einiges. Es ist schwieriger, mit einem Wedge vom Fairway etwas falsch zu machen als mit einem 6er-Eisen aus dem Rough.

Daraus resultieren eben auch die vielen guten Runden. Es war aber nie so, dass alle Aspekte meines Spiels gleichmäßig top waren. Ich weiß nicht, ob das ein wenig im mentalen Bereich liegt. Ich habe die letzten Wochen und Monate auf jeden Fall verstärkt auch in diese Richtung gearbeitet, und spüre, dass das definitiv besser geworden ist.

Ich war immer positiv auf dem Platz. Golf ist nun mal schwierig und schlechte Runden können passieren. Das muss man akzeptieren, und ist dann auch nicht das Ende der Welt.

+++ Zum Thema: Go ask … Stephan … +++

Du wurdest letzten November erstmals Vater. Wie hat sich dein Leben seit der Geburt von Harrison Fritz verändert?

Familienglück im Hause Jäger: Stephan mit Frau Shelby und Sohn Harrison Fritz (*Nov. 22)
Familienglück im Hause Jäger: Stephan mit Frau Shelby und Sohn Harrison Fritz (*Nov. 22)

Das Reisen, insbesondere auf den Flughäfen und in den Hotels, ist etwas stressiger geworden. Die Gepäckstücke sind ein wenig mehr geworden. Aber ich liebe es, dass meine Frau und mein Sohn mit mir mitkommen.

Wir haben mittlerweile eine ganz gute Routine entwickelt und die PGA Tour kümmert sich wirklich toll um alles. Von Mittwoch bis Sonntag gibt es eine „Day Care“-Betreuung, das macht es für uns Eltern schon fast einfach.

In Memphis wartete Fritz am Sonntag am 18. Loch. Dann da mit ihm im Arm zum Scoring Zelt zu gehen, war schon sensationell. Es gab natürlich auch einige Wochen, in denen wir überlegt haben, wie wir das genau machen sollten. Aber das ist jetzt unser neues Leben und wir wollten es nicht anders haben.

Macht es das Spielen auf der Tour einfacher, weil sich ein wenig die Prioritäten im Leben verschoben haben?

Stephan Jäger mit Frau Shelby und Sohn Harrison Fritz (*Nov. 22)
Stephan Jäger mit Frau Shelby und Sohn Harrison Fritz (*Nov. 22)

Ich denke, das Spiel selbst macht es nicht einfacher, aber alles danach auf jeden Fall. Wie du richtig sagst, sind die Prioritäten abseits des Platzes nun andere.

Fritz ist es völlig egal, ob du drei über Par oder acht unter Par geschossen hast.

Ich war immer schon jemand, der, wenn er den Golfplatz verlassen hat, nicht mehr an Golf denken möchte – und nun umso weniger. Wenn du deinen Sohn nach der Runde siehst und er lächelt dich an, dann ist es völlig egal, ob du auf der 18 ein Birdie oder ein Doppel-Bogey gespielt hast.

Vor wenigen Wochen hat der Deal der PGA Tour mit dem saudischen PIF hohe Wellen geschlagen. Keiner weiß aber so richtig, wie es da weitergehen wird. Wie nimmst du das als direkt Betroffener wahr und wie siehst du die weitere Entwicklung?

Stephan Jäger
Stephan Jäger (Foto: picture-alliance)

Ehrlich gesagt, das interessiert mich gar nicht! Ich sehe das so: Die PGA Tour geht nirgendwo hin. Wenn ich die nächsten zehn Jahre gut spiele, ist es mir völlig egal, ob es LIV gibt oder nicht. Ob und wer bei LIV spielt und was mit denen passiert, ist mir ebenfalls egal.

Ich verstehe natürlich, dass die PGA Tour die Brooks Koepkas und Bryson DeChambeaus, die einen gewissen Value haben, zurückhaben will. Ob die aber bei uns spielen oder nicht, da habe ich gar keine Meinung dazu und ich rege mich auch nicht darüber auf.

Ich weiß, in welche Turniere ich reinkomme und in welche nicht. Und wenn ich besser spiele, schaffe ich es in die Majors und Designated Events.

Das sind die Dinge, die mich primär interessieren, und nicht, was mit Phil Mickelson oder Bryson DeChambeau passiert. Die haben ihr Ding gemacht und scheffeln richtig Kohle – gut für sie. Aber ich bin happy, wo ich bin.

Ich will in der Weltrangliste weiter nach vorne kommen. Ich will im FedEx Cup gut abschneiden. Ich will in die Tour Championship kommen. Ich will Turniere gewinnen. Ich will Majors gewinnen. Das sind meine Ziele.

Ob es zu einer Fusion mit LIV kommt oder nicht, da sollen sich die schlaueren Leute zusammensetzen und sich darüber den Kopf zerbrechen.

Die Fall Season auf der PGA Tour steht in diesem Jahr unter ganz neuen Vorzeichen, sie ist nun nicht mehr Teil des FedEx Cups. Wie siehst du diese Veränderungen und wie gehst du an sie heran?

Stephan Jäger (Foto: picture-alliance)
Stephan Jäger (Foto: picture-alliance)

Es hat sich alles ein wenig zurückentwickelt, so, wie es früher war. Ich finde es ein wenig schade für die Turniere, die jetzt im Herbst stattfinden, da sie nicht mehr Teil des FedEx Cups sind.

Klar, wenn du gewinnst, kommst du zum Masters und in die Designated Events rein. Insofern ist es nicht umsonst. Du spielst also nicht nur um Geld. Ich selbst bin froh, dass ich im Herbst ein bisschen weniger spielen kann, ohne viel zu verlieren.

Das ist ja auch das Argument der absoluten Topspieler, dass sie gerne im Herbst zwei Monate ein wenig chillen wollen, und wenn sie dann im Januar in die Saison starten, nicht im FedEx Cup bereits viele Punkte zurückliegen.

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Für mich ist es toll, ich kann mehr Zeit zu Hause verbringen. Ich kann an ein paar Dingen gezielt arbeiten. Ich habe zwischen den Turnieren Zeit, mich noch besser auf sie vorzubereiten.

Normalerweise, wenn du mehrere Wochen am Stück unterwegs bist, ist Trainieren schwierig. Zu Hause ist alles relaxter. Und du kannst dir halt die Turniere, die dir zusagen, aussuchen.

Welche Events planst du zu spielen?

Stephan Jäger
Stephan Jäger

Ich werde gleich das erste Turnier, die Fortinet Championship in Napa, spielen. Dann ist ohnehin Pause durch den Ryder Cup und dann steht Anfang Oktober die Sanderson Farms Championship auf dem Programm.

Der Platz in Jackson, Mississippi, ist einer meiner absoluten Lieblingsplätze. Wir haben Freunde dort, die wohnen direkt auf dem Golfplatz, da freue ich mich schon sehr darauf.

Dann pausiere ich drei Wochen und spiele Anfang November das neue Turnier, die World Wide Technology Championship in Los Cabos, Mexiko, das auf dem neuen Platz von Tiger Woods ausgetragen werden wird.

Anschließend habe ich wieder eine Woche Pause, und dann spiele ich noch das RSM Classic auf Sea Island, wo wir auch sehr viele Freunde haben.

Und dann ist hier bei uns ohnehin schon Thanksgiving und der Dezember, da werden wir alles etwas ruhiger angehen.

Du hast jetzt ein wenig Auszeit – wie sieht deine Vorbereitung bzw. Regeneration bis zum nächsten Turnier aus?

Stephan Jäger
Stephan Jäger

Ich weiß gar nicht, wo meine Golfschläger gerade sind, ich denke, noch im Travelcover. Diese Woche stand mehr im Zeichen von logistischen und administrativen Dingen, die ich mit meinem Team koordiniert habe.

Ich habe mich mit meinem Coach und Fitnesstrainer abgestimmt, damit wir alle auf demselben Nenner sind. Ich werde nächste Woche mit einem spezifischen, auf mich abgestimmten Fitnesstraining starten, und Ende der Woche dann anfangen, Bälle zu schlagen, zu chippen und zu putten.

Dann habe ich zwei Wochen, in denen ich gut trainieren kann, und dann geht es ohnehin schon nach Napa.

Wie sehen deine Ziele für die neue Saison aus?

Stephan Jäger
Stephan Jäger

Die Ziele für die nächste Saison sind deutlich höher. Ich bin gerade dabei, diese im Detail zu formulieren und aufzuschreiben. Was auf jeden Fall dabei ist: Ich will in die Tour Championship. Ich will unter die Top 50 der Weltrangliste.

Dazu habe ich natürlich golfspezifische Ziele, etwa wieder positiver beim Putten zu sein und mein Wedgespiel zu verbessern. Und auch in puncto Fitness möchte ich meine Ballspeed noch etwas erhöhen.

Es gibt ja aktuell auch so manche Diskussion, die vor allem von USGA & R&A gepusht wird, etwas gegen die Längen der Spieler zu unter nehmen, etwa den Ball „zurückzuschrauben“. Wie ist deine Meinung dazu?

Völliger Unsinn! Also etwas Blöderes könnte man gar nicht machen. Aber ich kann dir jetzt schon sagen, wenn USGA & R&A das wirklich durchdrücken, macht die PGA Tour jede Woche eine Local Rule, die das umgehen wird. Ich verstehe es einfach nicht.

Du siehst jedes Jahr, wenn es auf Plätzen, die in nicht so tollem Zustand sind, Sieger-Scores von 10, 12 oder 13 unter Par gibt.

Wir spielen einen Outdoor-Sport und wenn es ordentlich regnet und die Plätze weich sind, kannst du sie nicht lang genug machen. Aber wenn du hohes Rough hast und harte Grüns, dann ist es völlig egal, ob der Platz 6.000 Meter lang ist oder 7.500 Meter.

Stephan Jäger
Stephan Jäger

Ich verstehe nicht, dass eine Organisation wie die USGA es nicht kapiert, dass es auch völlig egal ist, wenn jemand 20 unter Par schießt.

Die Fans wollen doch Birdies und Eagles sehen. Klar, ein paar Mal im Jahr soll es auch ein wenig verschärft zur Sache gehen.

Bei der Open willst du Regen und Wind sehen. Bei der U.S. Open richtig hohes Rough und Bogeys. Aber sonst ist es doch völlig egal, wie tief die Scores sind. Und wir alle auf der Tour, alle 200 von uns, sind jeden Tag im Gym und arbeiten daran, den Ball weiter zu schlagen.

Und dann wollen die uns sagen, jetzt müsst ihr den Ball kürzer schlagen, das verstehe ich einfach nicht. Vor 50 Jahren war kein Mensch im Fitnessstudio, damit hat Tiger angefangen. Einzig Gary Player hatte ein wenig in diese Richtung gearbeitet.

Du machst ja auch nicht beim Basketball, wenn alle plötzlich dunken können, den Korb einen Meter höher. Und ein Amateur will denselben Ball spielen können wie ein Profi.

Und frag erstmal die Golfball-Hersteller, die rotieren komplett, denn die müssten dann ja zwei verschiedene Golfbälle herstellen – wo der Golfball für uns Profis dann schlechter ist als der für die Amateure. Das macht doch alles überhaupt keinen Sinn.

In der USGA sitzen ein paar Business-Typen, die von Golf keine Ahnung haben, und sich gerne als Dachverband wichtig machen. Aber, wie gesagt, auf der PGA Tour wird das sicherlich nicht kommen.

Abschließend: In Kürze findet der Ryder Cup in Rom statt. Was sind deine Erwartungen und hast du einen Tipp, wie es ausgehen wird?

Ich bin leider nicht dabei, da hätte ich in den letzten Monaten ein wenig besser spielen müssen, aber das ist auf jeden Fall noch auf dem Radar in meiner Karriere. Europa ist in der Regel immer ein wenig der Underdog. Ich habe dieses Jahr öfters mit Luke Donald gespielt, da habe ich gemerkt, wie immens viel Vorbereitung da drinsteckt.

In Rom steht das Publikum natürlich hinter den Europäern. Die Amerikaner haben schon sehr gute Spieler, allen voran Scottie Scheffler.

Stephan Jäger
Stephan Jäger

Ich denke, es wird interessant und ganz knapp. Ich freue mich für Seppi, dass er dabei ist, das ist ein sehr guter Freund von mir. Es ist natürlich auch ein wenig komisch, da ich schon so lange hier in den USA lebe.

Beim letzten Ryder Cup in Whistling Straits waren einige meiner besten Freunde, allen voran Harris English, im Team der USA. Klar will ich, dass Europa gewinnt, aber ich will auch, dass Harris gut spielt.

Also sind immer ein wenig gemischte Gefühle dabei. Ich freue mich jedenfalls riesig auf den Ryder Cup. Rom ist eine Superstadt, der Golfplatz sieht toll aus.

Ich hoffe, dass die Spieler das alles ein wenig genießen können. Ich habe in dieser Woche frei und werde sicherlich viel Zeit vor dem Fernseher verbringen.

Und ich werde mich anstrengen, in den nächsten zehn Jahre zumindest bei einem Ryder Cup als Spieler mit im Team dabei zu sein.

Anm. d. Red.: Das Interview wurde Ende August 2023 gehalten.

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