29.12.2023 | 14:31

PGA Tour – Geschichte und Hintergründe

Golftimer
Golftimer

Die PGA Tour ist die weltweit führende Mitgliederorganisation für professionelle Golfspieler mit Sitz in Ponte Vedra Beach, Florida. Unter ihrem Dach vereinen sich unter anderem die PGA Tour, die PGA Tour Champions, die Korn Ferry Tour, die PGA Tour Latinoamérica und die PGA Tour Canada.


Die erste professionelle Vereinigung von männlichen Golfspielern in den USA wurde am 10. April 1916 gegründet. Damals noch unter dem Namen „Professional Golfers‘ Association of America“.

Daraus hervor ging 1968 die PGA Tour als eigenständige Tour für Berufsgolfer wie wir sie heute kennen. Das Ziel: Hochkarätige Turniere zu organisieren, die sowohl für Spieler als auch für Fans attraktiv sein sollten.

Im Laufe der Jahre hat sich die PGA Tour zu einer globalen Marke entwickelt. Während die PGA of America heute rund 29.000 Mitglieder umfasst, sind es auf der PGA Tour jedoch nur um die 260 Aktive.

PGA Tour
PGA Tour

Der Turnierkalender richtet sich ab 2024 – erstmals nach rund zehn Jahren – wieder nach dem Kalenderjahr. Er umfasst insgesamt 56 Turniere: 39 reguläre Turniere bis Ende der FedExCup-Saison mit der TOUR Championship als Finale, Ende August/Anfang September.

Darunter befinden sich acht „Signature Events“ (ehemals „Designated Events) ohne die Majors. Hinzu kommen die Olympischen Spiele, Anfang August in Paris, sowie zwölf weitere Turniere im Anschluss an die Playoffs im Herbst.

Last but not least mit dem Masters Tournament, der PGA Championship, der U.S Open und der Open Championship die vier Majors.

+++ Auch interessant: Tipps von Tourpro Matthias Schwab +++

PGA Tour: Legenden und Leidenschaft

Die Geschichte der PGA Tour ist geprägt von legendären Golfern wie Jack Nicklaus, Arnold Palmer, Gary Player oder Tiger Woods. Deren Erfolge haben das  Spiel geprägt und dessen Popularität weltweit gesteigert. Aber nicht nur durch ihre sportlichen Leistungen, sondern auch durch ihr Charisma und ihre jeweilige Persönlichkeit.

Jack Nicklaus hilft Arnold Palmer in sein viertes Green Jacket 1964 (Foto: picture-alliance)
Jack Nicklaus hilft Arnold Palmer in sein viertes Green Jacket 1964 (Foto: picture-alliance)

Die Geschichte der PGA Tour reicht aber genau genommen weit vor das Gründungsjahr zurück. 1895 nahmen zehn Profigolfer und ein Amateur an der ersten U.S. Open in Newport, Rhode Island, teil. Kurz darauf folgten weitere Turniere im ganzen Land, darunter die Western Open im Jahr 1899.

Dies war jedoch noch weit entfernt von dem „Tour-Golf“, wie man es aus heutiger Sicht nennen würde. Denn: Den Veranstaltungen fehlte es schlicht an Kontinuität.

Das Interesse am Golfsport nahm jedoch weiter zu und die amerikanischen Profis wurden immer besser. Als John McDermott 1911 als erster in den USA geborener Spieler die U.S. Open gewann, blühte das Interesse an dem Spiel erstmals in den USA auf.

EIN FRÜHER WOODS Harry Vardon war berühmt für seinen eleganten, flüssigen Schwung – „smart und fließend“ (Hall of Fame)
EIN FRÜHER WOODS Harry Vardon war berühmt für seinen eleganten, flüssigen Schwung – „smart und fließend“ (Hall of Fame)

Dieses Interesse wandelte sich 1913 zu schierer Begeisterung. Damals nämlich, als die Engländer Harry Vardon und Ted Ray, die zu der Zeit besten Spieler der Welt, in die USA reisten, um eine Showtour zu spielen und an der U.S. Open teilzunehmen.

Golf in den USA im Aufwind: Amateur Francis Ouimet gewinnt U.S. Open 1913

Als der damals 20-jährige Amateur Francis Ouimet die beiden in Brookline, Massachusetts, in einem dramatischen Stechen besiegte, schaffte es Golf erstmals auch auf die Titel der großen Medien ihrer Zeit. Damit wurde er praktisch über Nacht zu einem Spiel für jedermann.

Auf dem Weg zum Nationalhelden: Francis Ouimet bei der U.S. Open 1913 im The Country Club in Brookline, Massachusetts
Auf dem Weg zum Nationalhelden: Francis Ouimet bei der U.S. Open 1913 im The Country Club in Brookline, Massachusetts

Es folgte daraus eine weitere Professionalisierung. So folgten in den frühen 1920er Jahren an der Westküste der USA sowie in Texas und Florida eine Reihe von Turnieren.

Diese Turniere fanden weitestgehend über den Winter statt und führten die Golfer bis zum Frühjahr übe die Ostküste nach Pinehurst in North Carolina. Mitte des Jahrzehnts war die Tour mit einem Gesamtpreisgeld von $ 77.000 schon als ziemlich erfolgreich zu bewerten.

Organisation der „Playing Professionals“ in den USA im Jahr 1932

1932 wurde dann die erste Organisation der „Playing Professionals“ gegründet. Zwei Jahre zuvor war Bob Harlow zum Manager des PGA Tournament Bureaus ernannt worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Tour mehr Struktur und wuchs in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren rasch.

1. DWIGHT D. EISENHOWER: Spielte rund 800 Runden während seiner Amtszeit und trainierte jeden Tag auf dem Rasen des Weißen Hauses. Mitglied in Augusta, wo auf Loch 17 ein Baum nach ihm benannt wurde.
1. DWIGHT D. EISENHOWER: Spielte rund 800 Runden während seiner Amtszeit und trainierte jeden Tag auf dem Rasen des Weißen Hauses. Mitglied in Augusta, wo auf Loch 17 ein Baum nach ihm benannt wurde

Als Arnold Palmer, das Fernsehen und auch Präsident Dwight D. Eisenhower in den späten 1950er Jahren auf den Plan traten, richteten sich erstmals die Augen der gesamten Welt auf den Golfsport.

Sie inspirierten Millionen von Menschen, das Spiel auszuprobieren. Was aus den damaligen Größen des Golfsports wie Arnold Palmer, Jack Nicklaus oder Gary Player Superstars machte.

1968 – das „formelle“ Gründungsjahr der PGA Tour

Die meisten Golfhistoriker datieren den „formellen“ Start der PGA Tour aber auf Ende 1968. Denn das war das Jahr, in dem sich die „Tournament Players Division“ von der „PGA of America“ abspaltete und Joe Dey als ihren ersten Commissioner benannte.

Aus dieser Organisation wurde schließlich die heutige PGA Tour. Dey war von Anfang 1969 bis Ende Februar 1974 im Amt. Er wurde am 1. März 1974 vom viermaligen PGA-Tour-Sieger Deane R. Beman abgelöst.

Stadium Course, TPC Sawgrass in Ponte Vedra Beach, Florida
Stadium Course, TPC Sawgrass in Ponte Vedra Beach, Florida

Während Bemans Amtszeit sollte die Summe der Turnierpreisgelder in einem noch nie dagewesenen Tempo ansteigen. Sie wuchsen während seiner Amtszeit von $ 730.000 im Jahr 1974 auf mehr als $ 200 Millionen an. Die Gesamteinnahmen stiegen wiederum von $ 3,9 Millionen auf $ 229 Millionen im Jahr 1993.

Zum Vergleich: In der Saison 2022/2023 der PGA Tour lag das Gesamtpreisgeld an Turnieren bei über $ 420 Millionen.

Die PGA Tour verlegte in der Folge auch ihren Hauptsitz von ursprünglich Washington, D.C., nach Ponte Vedra Beach, Florida. Mit der Eröffnung des TPC Sawgrass 1980, der 1982 zum ständigen Austragungsort der THE PLAYERS Championship wurde, läutete die Tour auch die Ära des „Stadiongolfs“ ein.

PGA Tour Commissioner der Neuzeit: Tim Finchem, Jay Monahan

Tim Finchem wurde am 1. Juni 1994 der dritte Commissioner der PGA Tour und war bis Ende Dezember 2016 im Amt.

Von Mitte 1994 bis Ende 2016 PGA Tour Commissioner: Tim Finchem
Von Mitte 1994 bis Ende 2016 PGA Tour Commissioner: Tim Finchem

Während seiner 22-jährigen Amtszeit war Finchem maßgeblich daran beteiligt, die internationale Präsenz der Tour massiv auszuweiten. Und damit einhergehend auch die Verdienstmöglichkeiten für die PGA-Tour-Mitglieder zu verbessern.

Er war auch maßgeblich an der Einführung von Events wie dem Presidents Cup (1994), der World Golf Championships (1999) und dem FedExCup (2007) beteiligt.

Wohltätige Zwecke waren ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt während Finchems Amtszeit als Commissioner. Im Januar 2014 knackte die PGA Tour mit ihren Turnieren erstmals die 2-Milliarden-Dollar-Marke an Spenden für wohltätige Zwecke. Eine Milliarde Dollar davon wurde dabei alleine seit 2006 generiert.

Die nächste Veränderung in der Führung der Tour erfolgte am 1. Januar 2017. An dem Tag, als Jay Monahan sein Amt als vierter Commissioner der PGA Tour antrat.

PGA Tour Commissioner Jay Monahan
PGA Tour Commissioner Jay Monahan

Monahan kam 2008 als Turnierdirektor der THE PLAYERS Championship zur PGA Tour. Bevor er zum Commissioner ernannt wurde, stieg er am 1. April 2014 in die Position des Deputy Commissioners auf. Zudem ab 1. April 2016 zum Chief Operating Officer der Tour.

Mehr Turniere, Olympische Spiele und Corona …

Der Turnierbereich der PGA Tour ist heute breit gefächert. Der Turnierkalender der PGA Tour hat sich sowohl national als auch international weiter ausgedehnt, und die FedExCup-Jahreswertung geht 2024 bereits in ihre 18. Saison.

Tiger Woods gewinnt das Masters 1997
Tiger Woods gewinnt das Masters 1997

Ehemalige Champions beinhalten dabei Größen des Sports wie Tiger Woods (2007, 2009), Jordan Spieth (2015), Rory McIlroy (2016, 2019, 2022), Justin Thomas (2017), Justin Rose (2018), Dustin Johnson (2020), Patrick Cantlay (2021) und Viktor Hovland (2023).

Zum ersten Mal seit 1904 nahm der Golfsport im Jahr 2016 auch wieder an den Olympischen Sommerspielen teil. Und feierte in Rio erfolgreich seine Rückkehr.

Zusätzlich zur PGA Tour Champions und der Korn Ferry Tour hat die PGA Tour mit drei weiteren internationalen Touren die Spielmöglichkeiten auf allen Ebenen erweitert. Diese sind die PGA Tour Latinoamérica, PGA Tour Canada und PGA Tour Series-China.

Gewinnt die TOUR Championship 2022 und zum dritten Mal den FedExCup: Rory McIlroy (Foto: picture-alliance)
Gewinnt die TOUR Championship 2022 und zum dritten Mal den FedExCup: Rory McIlroy (Foto: picture-alliance)

Im Juni 2020 hat die PGA Tour zudem die PGA Tour University ins Leben gerufen. Ein Programm, das den besten NCAA-Golfern den Weg in die Profi-Ränge ebnen soll.

Corona und die Folgen …

Wie die gesamte Welt, wurde auch die Golfbranche durch die COVID-19 Pandemie in den ersten Monaten des Jahres 2020 aus den Angeln gehoben.

Nach einer zwölfwöchigen Spielunterbrechung mit Absagen und Verschiebungen auf allen Touren, setzte sich die PGA Tour massiv für die Rückkehr zum regulären Spielbetrieb ein.

Am 11. Juni 2020 kehrte die PGA Tour schließlich als eine der ersten Sportligen mit der Charles Schwab Challenge in Fort Worth, Texas, zum Turnieralltag zurück.

Olympische Spiele 2021: Xander Schauffele (USA) holt Gold
Olympische Spiele 2021: Xander Schauffele (USA) holt Gold

In Zusammenarbeit mit führenden Golf-Organisationen, Titelsponsoren und Medienpartnern kündigte die Tour in der Folge einen neu gestalteten Turnierkalender an.

Mit diesem wurde die Saison 2020/21 eingeleitet – mit 50 Turnieren und Events mehr als je zuvor. Darunter auch die Olympischen Spiele in Tokio, bei denen Nelly Korda und Xander Schauffele jeweils Gold holten.

Herausforderung LIV Golf

2022 war dann das Jahr der Herausforderungen für die PGA Tour im Zuge der Gründung von LIV Golf.

Finanziert durch den Public Investment Fund Saudi-Arabiens, begann die neue Tour unter Führung von CEO Greg Norman hochkarätige Spieler der PGA Tour mit astronomischen Summen abzuwerben. Darunter Phil Mickelson, Cam Smith, Dustin Johnson, Bryson DeChambeau, Brooks Koepka oder Bubba Watson. Aber auch beispielsweise Martin Kaymer, Lee Westwood, Ian Poulter und Sergio Garcia.

Greg Norman und Phil Mickelson in Saudi-Arabien
Greg Norman und Phil Mickelson in Saudi-Arabien

In der Folge entbrannte ein heftiger Schlagabtausch an Feindseligkeiten zwischen einzelnen Spielern, auf Social Media, aber auch in Form von Rechtsstreitigkeiten.

Dies ging so weit, dass selbst der U.S.-Senat sich einschaltete und Ermittlungen anstellte. Von Seiten der PGA Tour – und auch der DP World Tourfolgten Sanktionen gegenüber „LIV-Wechslern“.

Höhepunkt war hier wohl die Abberufung von Henrik Stenson als Kapitän des europäischen Ryder-Cup-Teams 2023 in Rom, nachdem der Schwede ebenfalls zu LIV Golf gewechselt war. Er wurde von Luke Donald ersetzt, der Team Europa zu einem grandiosen Sieg führen sollte.

PGA Tour, DP World Tour und LIV Golf planen Zusammenschluss

Für komplette Verwirrung, Entrüstung und Enttäuschung bei Spielern und Fans der PGA Tour sorgte schließlich Anfang Juni 2023 die offizielle Meldung, dass die PGA Tour, DP World Tour und LIV Golf einen Zusammenschluss planten.

Rory McIlroy (Foto: Picture Alliance)
Rory McIlroy (Foto: Picture Alliance)

Wenige Tage nach Veröffentlichung der Meldung sollte sich Jay Monahan wegen gesundheitlicher Probleme für einige Wochen aus dem Tagesgeschäft zurückziehen.

Vor allem Spieler, die während der schwierigen Zeit seit Gründung von LIV Golf zur PGA Tour gehalten hatten, verstanden die Welt nicht mehr. Allen voran Rory McIlroy, der Mitte November 2023 dann auch sein Amt niederlegte als Vorsitzender des Player Advisory Boards sowie den als Player Director des Policy Boards der PGA Tour.

Aktuell sieht es nicht so aus, als würden die drei Touren kooperieren. Ein Zusammenschluss bleibt aufgeschoben, sollte jedoch laut Statement bis Ende 2023 vollzogen werden.

Jon Rahm wechselt auf die LIV Golf Tour, hier mit CEO Greg Norman (Foto: Picture Alliance).
Jon Rahm wechselt auf die LIV Golf Tour, hier mit CEO Greg Norman (Foto: Picture Alliance).

Gleichzeitig halten die Anspannungen an, Spieler werden nach wie vor von LIV abgeworben. Gipfelnd in der Meldung, Anfang Dezember 2023, dass Jon Rahm ebenfalls zu LIV Golf wechselt.

Der Masters-Sieger 2023 soll dafür eine Summe in Höhe von rund $ 550 Millionen zugesagt bekommen haben. Was ihn prompt an die Spitze der bestverdienenden Sportler 2023 katapultierte.

Das letzte Wort ist hier also noch nicht gesprochen. Wie heißt es so schön?

To be continued …

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